Von Jan Bielicki

Am Sonntag ist Kommunalwahl. OB Christian Ude (SPD) zweifelt kaum an seiner Favoritenrolle als Münchner Oberbürgermeister. Doch er fürchtet nichts so sehr wie eine niedrige Wahlbeteiligung.

Christian Ude kämpft, doch der Gegner erscheint merkwürdig unfassbar. Dieser Gegner ist keine Person, obwohl doch auf den Stimmzetteln Namen stehen von Leuten, die Ude das Amt streitig machen wollen. Doch nur ganz ausnahmsweise mag der Oberbürgermeister seinen Gegenkandidaten von der CSU überhaupt erwähnen - und wenn, spricht er zumeist von "der CSU", allerhöchstens von "dem Kandidaten".

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Tritt erneut zur OB-Wahl an: Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) (© Foto: Catherina Hess)

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Nein, den wahren Gegner, mit dem er ringt, ortet er nicht unter den politischen Konkurrenten, wo er greifbar wäre, sondern gefährlich näher, womöglich bereits im eigenen Lager, vielleicht sogar hier beim kulturpolitischen Frühschoppen der SPD im Café Giesing.

Also legt der Oberbürgermeister eine abgewogene Portion Verachtung in seine Stimme und wettert wider den "kritischen Linksintellektuellen", den "aufrechten Linksliberalen" oder gar den "geschmäcklerischen Ökologen" - solche Gestalten also, die "irgendein Haar in der politischen Suppe finden, was ja nicht schwer ist", und die dann nicht zur Wahl gehen.

Sogar der politische Gegner muss da als Vorbild für die eigenen Leute herhalten: "Der Konservative", preist Ude, möge sich ärgern über das, was ihm die eigene Partei anrichte, über Rauchverbot, Transrapid, Landesbank - "aber am Wahltag geht er trotzdem diszipliniert ins Wahllokal und wählt die CSU".

Stolze Wette

Es ist also der innere Schweinehund der eigenen Anhänger, den Ude vor allem fürchtet als einzigen Gegner, der ihm diesen Wahlabend noch vermiesen könnte. Nicht, dass der Amtsinhaber irgendeinen Zweifel daran hätte, von den Münchnern zum vierten Mal an die Stadtspitze gewählt zu werden. Das werde, sagt er selbst, am kommenden Sonntag bereits eine Stunde nach Schließung der Wahllokale feststehen.

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