OB besucht Schoppenstube Ude - ganz nüchtern

Die Fraunhofer Schoppenstube soll schließen. Nun hat OB Ude überraschend vorbeigeschaut - und Wirtin Gerti die Party für den hohen Besuch extra vorverlegt. Doch der Auftritt endet mit einer Ernüchterung.

Von Beate Wild

Es ist laut, heiß und eng. Die Bedienung kämpft sich mit einem Tablett voller Bier durch die Menge. Conny und Egon, die beiden Musiker, intonieren "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins", und es gibt keinen Gast im Lokal, der den Gassenhauer nicht lauthals mitgrölt. Die Stimmung ist ausgelassen. Auf den ersten Blick scheint es eine ganz normale Nacht in der Fraunhofer Schoppenstube zu sein.

Glücklich über den hohen Besuch: Wirtin Gerti (Mitte) in der Fraunhofer Schoppenstube mit Christian Ude und seiner Frau Edith.

(Foto: Florian Peljak)

Doch ein Blick auf die Uhr verrät, dass irgendetwas nicht stimmt. Es ist erst 19.30 Uhr, Dienstagabend. Das sind gleich zwei Fehler: Erstens haben Wirtin Gerti und ihre Schoppenstube am Dienstag normalerweise Ruhetag, und zweitens trifft man ein so volles Haus hier sonst um drei Uhr morgens an, nicht am frühen Abend.

Der Grund für die Außer-der-Reihe-Feier: Christian Ude, Münchens Oberbürgermeister höchstpersönlich, hat seinen Besuch angekündigt. Auch er hat erfahren, dass die Vermieter Gerti gekündigt haben und dass die Schoppenstube Ende des Jahres zumachen muss. Seit die Kündigung Anfang April bekannt wurde, kämpfen Stammgäste und Gerti-Fans für den Erhalt ihres Lieblingslokals. Die Erwartungen an Ude sind deshalb groß, bei den Gästen und bei Gerti.

Diese bimmelt an diesem Abend oft mit ihrer Glocke und gibt sichtlich aufgeregt noch ein paar Anweisungen. "Wenn der Herr Oberbürgermeister kommt, dann bitte weg mit den Fotoapparaten", ruft sie in einem Ton, der keinen Widerspruch duldet. Der Herr Ude solle doch die Schoppenstube von ihrer besten Seite kennenlernen, so, als wäre er ein ganz normaler Gast. Und das Blitzlichtgewitter der zahlreich erschienenen Presse würde da nur stören. Die Gäste grinsen, einer sagt: "Jetzt ist die Gerti wieder bissig, so wie wir sie lieben."

Die Band stimmt das Lied vom Seemann an, und da schlendert auch schon Ude heran. Er erscheint im hellen Sommeranzug mit seiner Frau Edith und nimmt am Tisch vor dem Tresen Platz, sein Blick schweift freudig überrascht durch das Lokal. Auch Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl, ein treuer Stammgast von Gerti, taucht plötzlich auf. Für die Fotografen gibt es kein Halten mehr. Das Blitzlichtgewitter bricht los, und Gerti mittendrin.

"Die Stimmung ist wirklich so einmalig"

Nachdem extra für das Ehepaar Ude der Song "Griechischer Wein" geschmettert wird und Gerti und ein Gast zwei herzzerreißende Reden auf die Schoppenstube halten, ist Ude an der Reihe. "Die Stimmung ist wirklich so einmalig, wie alle sagen, die kann man nicht beschreiben", sagt Ude. Begeisterter Applaus.

Dann wird der OB ernst. Er müsse klarstellen, dass es hier nicht um Gentrifizierung gehe, wie so oft behauptet. Die Vermieter seien keine geldgierigen Miethaie, die nur an hohen Renditen interessiert seien, sondern zwei seriöse ältere Herren, die das Recht hätten, mit ihrem Eigentum das zu machen, was sie für richtig hielten. Schließlich hätten sie die Schoppenstube über bald 40 Jahre zu einer äußerst humanen Pacht beheimatet. Da müsse man doch auch mal dankbar sein. In der Schoppenstube ist es plötzlich totenstill. Keiner wagt zu atmen.

"Aber ich mache Ihnen das Angebot, ein gutes Wort bei den Vermietern einzulegen", sagt Ude dann. Wenn die Kündigung nicht mehr rückgängig zu machen sei, könne man vielleicht zumindest über eine Fristverlängerung reden. "Und wenn auch das nicht geht, dann bitte ich Sie, über einen Umzug der Schoppenstube nachzudenken", sagt Ude. Er wolle einfach keine falschen Hoffnungen schüren. Bei der Schwabinger 7 hätte das mit dem Umzug ja auch prima funktioniert.

Als Ude fertig ist, rennt Gerti mit hochrotem Kopf nach draußen an die frische Luft. Ein Gast sagt: "Das war jetzt schon etwas ernüchternd, aber sehr ehrlich von Herrn Ude." Und ein anderer fügt hinzu: "Er ist halt realistisch, aber ich finde gut, dass er gekommen ist." Dann stimmt die Band das nächste Lied an.