Interview: Joachim Käppner

"Es fehlt die Empathie": Marian Offman, Vorsitzender des politischen Beirats, kritisiert die bisherige Planung des NS-Dokumentationszentrums.

Am heutigen Donnerstag diskutiert der Kulturausschuss des Stadtrats über das geplante NS-Dokumentationszentrum, das ein "Erinnerungs- und Lernort von überregionalem Rang" werden soll. CSU-Stadtrat Marian Offman, der Vorsitzende des politischen Beirats des Zentrums, äußert Kritik am Konzept.

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Marian Offman will jungen Leuten anschaulich erklären, dass es in München eine Zeit gab, in der die Menschenwürde massiv verletzt wurde. (© Foto: Robert Haas)

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SZ: Die Münchner CSU fordert Änderungen am Konzept des NS-Dokumentationszentrums. Was stört Sie daran?

Offman: Leider zeichnet sich schon jetzt die Gefahr ab, dass das Ergebnis sehr technokratisch sein wird, zumindest aber von einer wissenschaftlichen Kühle, die ich für problematisch halte. Ich kann nirgends erkennen, wie sich die Besucher in diese Zeit und die Lage der Opfer einfühlen könnten. Es fehlt die Empathie, der Versuch, den Betrachter zu berühren, ihn emotional zu erreichen.

SZ: Im Entwurf des Kulturreferates zur Konzeption des Zentrums heißt es: "Es geht nicht bloß darum, Geschichte präsent zu machen und persönliche Betroffenheit auszulösen. In diesem Sinne 'Nie wieder!' auszurufen, ist nicht genug." Ist es das, was Sie kritisieren?

Offman: Die Ära der Zeitzeugen neigt sich dem Ende zu. Bald ist leider keiner mehr da, der noch berichten kann, wie es gewesen ist. Es stellt sich also die Frage: Wie kann ich jungen Zuschauern emotional vermitteln, dass es in München eine Zeit gab, in der die Menschenwürde so massiv verletzt wurde, wie das Weltall unendlich ist? Als in dieser Stadt eine Ideologie groß wurde, die Menschen zum Freiwild erklärte? Unser Grundgesetz und unsere heutige Gesellschaft basieren doch auf dem "Nie wieder!" Ich habe den Eindruck, dass die Stadt München hier vor allem ein eigenes Forschungszentrum schaffen will...

SZ: ... sie hat sich immerhin über Jahrzehnte den Vorwurf anhören müssen, sie ignoriere ihre braune Vergangenheit.

Offman: Das war früher so. Heute kann man das doch nicht mehr behaupten - denken wir doch nur an das sehr gelungene Neue Jüdische Zentrum am St.- Jakobs-Platz. Aber Münchens Geschichte im Nationalsozialismus ist bereits recht gut erforscht - man kann das Rad nicht neu erfinden.

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