Nockherberg 2013 "Jeder, der was zu sagen hat, kriegt eine mit"

Marcus H. Rosenmüller ist zum ersten Mal Regisseur des Singspiels.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Papstrücktritt und Pferdefleisch - beides hängt ja zusammen": Schon beim Pressegespräch zum Nockherberg-Derblecken witzeln Regisseur Marcus H. Rosenmüller und Fastenpredigerin Luise Kinseher um die Wette - und verraten schon etwas über die Protagonisten.

Von Philipp Crone

Als Sebastian Horn das Wort ergreift, passiert beinahe ein mittleres Unglück. Der Sänger der Bananafishbones sitzt am Freitagvormittag bei Paulaner in der Falkenstraße. Neben ihm hocken bei Bier und Weißwurst an einem gemütlichen Ecktisch Regisseur Marcus H. Rosenmüller, die Kabarettistin Luise Kinseher und einige Musiker und Verantwortliche für das Nockherberg-Derblecken am Mittwoch.

Die Brauerei hat zu einer Pressekonferenz geladen und Horn beginnt seinen Satz mit den Worten: "Das machen dann die Waldleu . . . äh", und schon prusten die Nebensitzer vor Lachen. Horn hat sich verplappert, schließlich soll ja nichts über Inhalt und Inszenierung des Singspiels vor dem Derblecken bekannt werden, ebensowenig wie die Pointen der von Kinseher gespielten Fastenpredigerin Bavaria. Stellt sich die Frage: Warum dann eine Pressekonferenz?

Es ist aber nicht so, dass Unterhaltungsprofis wie Kinseher und Co Inhalte bräuchten, um eine gute Show zu liefern. Die Kabarettistin gibt beim Fotoshooting die Richtung vor, als sie neben Paulaner-Boss Andreas Steinfatt plötzlich zum Jodeln anfängt, dass dem Mann das Lächeln verrutscht. Anschließend überbieten sich die Protagonisten in der Disziplin: Viel sagen, ohne viel zu sagen, das aber kurzweilig.

Rosenmüller, der an diesem Vormittag schon so vorfreudig und aufgedreht ist, dass er jede nur angedeutete Pointe zu einem seiner meckernden Lachsalven nutzt, hat sichtlich Spaß an dieser Situation. "Da hinten, da haben wir schon eine Frage!", ruft er. Die Besetzung des Singspiels möchte jemand wissen. "Also Ude und Seehofer sind natürlich dabei, außerdem der Söder, der Aiwanger, die Bause von den Grünen, die Ilse Aigner und Peer Steinbrück, der fasst Fuß in Bayern." Und die Themen? "Naja, alles was eben so rumschwirrt." Papstrücktritt, Pferdefleisch und so. Thomas Lienenlüke, Rosenmüllers Singspielautor, raunt ihm zu: "Beides hängt ja zusammen."

Das Singspiel werde in diesem Jahr eigens komponierte Songs haben, sagt Rosenmüller, "und wir wollen eine klare Geschichte erzählen, in der die Figuren aufeinanderprallen". Brechungen werde es geben, absurde Elemente. Zum Beispiel Stefan Murr als Hubert Aiwanger, laut Lienenlüke "schon im Original ein absurdes Element". Die Kulisse: Seehofers Gefolgschaft und die Ude-Leuten treffen beim Zelten im Wald aufeinander. Und man werde die Tiefe des Raumes nutzen, "also die Tiefe der Bühne". Rosenmüller meckert, Kinseher grinst. Vor allem bei der Frage, ob der Regisseur denn Erfolgsdruck spüre. "Nein, aber vielleicht die Luise?" Die grinst noch breiter und schmachtet: "Ach, Schatzilein, an die Ahnungslosigkeit beim ersten Mal kann ich mich noch gut erinnern."

Dann ist die Bavaria dran, deren Rede in den vergangenen zwei Jahren von manchen als zu harmlos kritisiert wurde. Diesmal werde sie "ganz streng" sein, in den Wahlkampf eingreifen und vor allem den Ministerpräsidenten besonders ran nehmen. "Ich habe nachgeprüft, dass der öfter als alle anderen drankommt." Pause. "Das war jetzt ironisch." Es ist der einzig unverstandene Witz an diesem Vormittag, an dem die Protagonisten wirken wie Fußballer vor einem Entscheidungsspiel. Sie wollen jetzt endlich spielen und nicht mehr nur drüber reden.

Alles, was man zum Derblecken wirklich vorab wissen muss, bringt Kinseher dann auch in einem Satz unter: "Jeder, der was zu sagen hat, kriegt eine mit."