Nockherberg Diese beiden Männer erwartet auf dem Nockherberg ein verdammt harter Job

Richard Oehmann (links) und Stefan Betz leiten das Salvatorspiel 2018.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Singspiel war in den vergangenen Jahren großes Theater. Nun sind Richard Oehmann und Stefan Betz verantwortlich und treten in riesige Fußstapfen.

Von Wolfgang Görl

Die beiden Herren, die Paulaner-Chef Andreas Steinfatt soeben als die neuen Leiter des Salvator-Singspiels vorgestellt hat, machen nicht den Eindruck, als hätten sie eine schwere Last zu tragen. Richard Oehmann, einer der beiden Macher von "Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater", und der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Stefan Betz sind lustig drauf, obwohl ja tatsächlich ein verdammt harter Job auf sie wartet.

Die beiden treten die Nachfolge von Marcus H. Rosenmüller an, der fünf mal das Singspiel auf dem Nockherberg inszeniert hat, und zwar derart fulminant, dass jeder, der dieses Niveau auch nur zu erreichen beabsichtigt, eigentlich Fracksausen bekommen müsste. Stefan Betz, der in den Rosenmüller-Filmen "Beste Zeit" und "Schwere Jungs" mitgespielt hat, aber sagt, es mache ihm jetzt schon einen "Heidenspaß", zusammen mit Oehmann das Singspiel 2018 auszutüfteln. "Wir planen keinen kompletten Bruch, aber ein bisserl was wollen wir schon anders machen."

Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann verlassen den Nockherberg

Der Regisseur und der Komponist haben sich fünf Jahre um das Singspiel zum Starkbieranstich gekümmert. Nun trennen sie sich schweren Herzens. mehr ...

Als Rosenmüller und sein Komponist Gerd Baumann, der die Musik für die jeweiligen Inszenierungen geschrieben und arrangiert hatte, im September wissen ließen, dass sie wegen ihrer Filmprojekte im kommenden Jahr "es leider nicht schaffen, den geliebten Nockherberg zu machen", war neben dem allgemeinen Bedauern auch Mitleid zu vernehmen, das sich in vielen Fällen in einem einzigen Satz artikulierte: "Wer immer jetzt nachfolgt, ist ein armes Schwein."

Und es ist ja auch wahr: Rosenmüller, sein Co-Autor Thomas Lienenlücke und Baumann haben aus dem Salvatorspiel ein veritables Kunstwerk gemacht, sie haben groteske Dramolette auf die Bühne gezaubert, die weit mehr waren als das übliche Politiker-Derblecken.

Ihre Figuren lebten, sie hatten Tiefe und Charakter, sie waren mal nassforsch und dann auch wieder nachdenklich, es gab stille, fast poetische Momente, in denen die Dialoge ins Philosophische lappten, aber schon im nächsten Moment wurde es wieder anarchisch albern und saukomisch. Kurz gesagt: Das war großes Theater.

Folglich sind es riesige Fußstapfen, in welche Oehmann und Betz treten. An Erfahrung freilich fehlt es den beiden nicht, schon gar nicht Richard Oehmann, der bereits bei der Salvatorprobe 2017 als Co-Autor und Verfasser von Liedtexten mitgewirkt hat. Und zudem haben sie ja noch die bewährte Rosenmüller-Truppe, das wunderbare Merkel-Double Antonia von Romatowski beispielsweise oder Stephan Zinner, der den Söder so großartig verkörpert, dass man ihn lieber sieht als das Original.

"Wir wollen gerne mit dem bestehenden Ensemble weitermachen", versichert Betz. Und natürlich wird am 28. Februar 2018, dem Tag der Aufführung, auch wieder Zinner dabei sein, als Söder selbstverständlich. Die Frage ist nur: Welche Rolle spielt zu dieser Zeit der richtige Söder? Betz ist sich da nicht mehr sicher. "Vor zwei Wochen hätte ich noch gesagt, er ist der Kronprinz, aber jetzt ..." Nun ja, jetzt könnte er sich vielleicht verbessern.

Was den beiden Singspiel-Machern Sorge bereitet, ist die Konturlosigkeit vieler Politiker. "Wie soll man den Lindner oder den Oppermann darstellen?", fragt Oehmann verzweifelnd und gesteht, dass er schon froh ist, wenn ein heutiger Politiker eine Brille trägt, an der man ihn erkennen kann. Eine maßvolle Biederkeit mag in der politischen Praxis bisweilen hilfreich sein, für ihr Singspiel wünschen sich Oehmann und Betz aber dann doch eher Politiker, die "schillernd" und "exaltiert" sind. Gottlob, ein paar gibt es noch, weshalb die beiden für ihren Vorsatz, den "politischen Wahnsinn" auf die Bühne zu bringen, gewiss ausreichend Stoff finden werden.

Und wenn Rosenmüller zurückkommen will?

Was die Musik betrifft, wird sich die Salvator-Gemeinde an neue Töne gewöhnen müssen. Darum kümmert sich in erster Linie der Puppenspieler und Sänger Oehmann, der seine "kindische Kapelle" namens "Café Unterzucker" auf dem Nockherberg einführen wird, ein Ensemble, das mit Tuba, Schlagzeug und Banjo recht minimalistisch besetzt ist. Mitspielen werden aber auch Evi Keglmaier und Maria Hafner, zwei großartige Musikerinnen, die in der Münchner Szene der neuen Volksmusik fast allgegenwärtig sind. Wer etwa die Gruppe "Mrs. Zwirbl" (vormals "Zwirbeldirn") gehört hat, kennt die beiden.

Was aber passiert, sollte Rosenmüller im übernächsten Jahr wieder auf den Nockherberg zurückkehren wollen? Paulaner-Chef Steinfatt sagt, das neue Team sei keineswegs eine Pausenlösung. "Wir werden uns das anschauen und uns hinterher zusammensetzen. Es gibt keine Absprache über die Zukunft." Dass Rosenmüller die beiden Neuen selbst empfohlen hat, verrät Steinfatt auch. Was Oehmann dazu sagt, soll bis auf Weiteres als Scherz gelten: "Vielleicht war das ein perfider Trick von Rosi, und er hofft, dass wir scheitern, damit er als Heynckes zurückkehren kann."

Fack ju Nockherberg

Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann, die das Singspiel beim Starkbieranstich von Paulaner auf ein neues Niveau gehoben haben, hören auf. Jetzt braucht es einen radikalen Neuanfang. Von Philipp Crone mehr...