Neujahr in München Eilige Nacht

Vermutlich eine Silvesterrakete hat dieses Dachauer Lokal in Brand gesetzt.

(Foto: Joergensen)

Durchgedrehte Tiere, Betrunkene und ein explodierter Wohnwagen: Rettungskräfte und Polizei mussten an an Silvester und Neujahr etwa 1200 mal ausrücken. Ein kurioser Fall ereignete sich im Westend.

Von Melanie Staudinger

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste haben an Silvester und Neujahr in München etwa 1200 Einsätze gefahren - und damit ungefähr so viele wie im vergangenen Jahr. Betrunkene gerieten in Streit, Unvernünftige schossen Raketen auf Balkone, Nachbarn beschwerten sich über Partylärm.

Am Friedensengel, dem Europaplatz und den angrenzenden Parkanlagen an der Isar feierten nach Angaben der Polizei 7500 Menschen mit "viel Alkohol und Pyrotechnik". Zwei Personen seien dort durch verirrte Feuerwerkskörper leicht verletzt worden. Die Bundespolizei sperrte kurzzeitig die Hackerbrücke, weil sich dort zu viele Schaulustige eingefunden hatten. Beim traditionellen Mitternachtswalzer auf der Theresienwiese tanzten 6500 Besucher.

"Wie gewohnt fiel die Silvesternacht auch diesmal sehr arbeitsreich aus", sagte Polizeisprecher Sven Müller. Dennoch sei es nur zu "kleineren Störungen" gekommen. Die Hilfskräfte zählten im Münchener Stadtgebiet sechs Verletzte, mehrere Kleinfeuer, die schnell gelöscht werden konnten, und einen explodierten Wohnwagen. Mehr als 290 Mal wurden die Polizeibeamten in München gerufen. In Dachau brannte der Dachstuhl einer Gaststätte vollkommen aus.

In München kam es in Moosach und Riem zu größeren Bränden, wie die Branddirektion mitteilte. In Moosach erlitten eine Frau und ein Mann nach einem Balkonbrand Rauchvergiftungen und mussten in eine Klinik gebracht werden. Das Feuer war in der Wohnung der Frau ausgebrochen, der Nachbar sei herbeigeeilt, um ihr zu helfen und ihr Haustier aus den Räumen zu retten. Das Tier konnte schließlich von der Feuerwehr befreit werden.

Auch in Riem geriet ein Balkon in Flammen. Die Feuerwehr konnte den Bewohner aber noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Besonders tragisch endete das Silvestermahl für einen Mann aus Pasing. Beim Fondue-Essen wollte er Spiritus in einen Rechaud nachfüllen und zog sich dabei schwere Brandverletzungen zu.

"Seit Jahren auf einem hohen Niveau"

Die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren verzeichneten in München insgesamt 128 Einsätze (Vorjahr 126), der Rettungsdienst rückte 819-mal aus (Vorjahr: 879). "Die Zahl bewegt sich seit Jahren auf einem hohen Niveau, nennenswerte Steigerungen gab es aber nicht", sagte ein Pressesprecher der Feuerwehr.

Ein ähnliches Fazit zog die Polizei. Müller sprach von "silvestertypischen Einsätzen" zwischen 20 Uhr und 8.30 Uhr. Die Beamten kümmerten sich hauptsächlich um Körperverletzungsdelikte (39), halfen betrunkenen oder verletzten Personen (34) oder wurden zu Einsätzen im Zusammenhang mit Feuerwerk (74) oder Bränden (22) gerufen. Unter dem Feuerwerk hatten auch einige Haustiere zu leiden. Bei der Polizei meldeten sich sieben Anrufer, weil ihre Hunde aufgrund der Knallerei ausgerissen waren.

Ein kurioser Fall ereignete sich im Westend. Fünf Minuten vor Mitternacht - die ersten hatten längst begonnen, ihr Feuerwerk abzubrennen - tat es in der Siegenburger Straße plötzlich einen lauten Knall. Ein Passant eilte herbei und traute seinen Augen kaum: An einem am Straßenrand abgestellten Wohnwagen fehlte die komplette linke Seite, sie lag einige Meter entfernt. Wohl aufgrund eines technischen Defekts war es in dem Wohnwagen zu einer Explosion gekommen. Der 35-jährige Besitzer erlitt Verbrennungen an den Händen und im Gesicht und musste die Nacht im Krankenhaus verbringen. Die Ursache für die Explosion ist noch nicht ermittelt.

Keine Verletzten, aber erheblichen Sachschaden gab es bei einem Brand in Dachau. Um 1.13 Uhr brach im Dachbereich einer Gaststätte an der Rosswachtstraße ein Feuer aus. Etwa 80 Gäste retteten sich, bevor die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle brachte. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord mitteilte, brannte der Dachstuhl völlig ab. Der Sachschaden wird auf mindestens etwa 150 000 Euro geschätzt. Eine Brandursache steht derzeit noch nicht fest, eine verirrte Silvesterrakete könnte jedoch der Brandauslöser gewesen sein.