Neuhausen/Schwabing Urbaner Mix

900 Wohnungen sollen im Kreativquartier an der Dachauer Straße entstehen. Der Rahmenplan teilt das 20 Hektar große Areal in vier Bereiche, die unterschiedlich schnell bebaut werden

Von Ellen Draxel, Neuhausen/Schwabing

Noch ist der Rahmenplan für das Kreativquartier an der Dachauer Straße nicht endgültig fixiert. Die Planungen sind inzwischen aber so weit fortgeschritten, dass der Stadtrat voraussichtlich im Juli das weitere Vorgehen festzurren wird. Basis der Diskussion wird der bis dahin aktualisierte Vorschlag der Architekturbüros Teleinternetcafé und TH Treibhaus sein.

Die Berliner haben den Ideenwettbewerb zur Überplanung der rund 20 Hektar großen Fläche gewonnen, mit der Vision, das neue Viertel in vier vernetzte Teilquartiere aufzusplitten - in die Bereiche Kreativ-Labor, Kreativ-Feld, Kreativ-Park und Kreativ-Plattform. Die Teilquartiere sollen unterschiedlich rasch entwickelt werden: Dort, wo die meisten der rund 900 Wohnungen entstehen, im Kreativ-Feld und in der Kreativ-Plattform, ist an eine "zeitnahe" Realisierung gedacht. Diese Areale verfügen über ungenutzte Flächen, die ohne Verdrängungskonflikte bebaut werden können. Mit dem Bebauungsplan für das Feld rechnet das Planungsreferat bereits Ende 2016.

Die anderen beiden Bereiche haben umso mehr Zeit, können behutsam entwickelt werden: der Park, der auch die denkmalgeschützten Hallen, die Jutier- und die Tonnenhalle, involviert; und das Kreativ-Labor, für das ein urbaner Mix aus Wohnen, kulturellen und gewerblichen Nutzungen vorgesehen ist.

Im Teilquartier Feld, das zu Westschwabing gehört, soll an der Ecke Schwere-Reiter-/Infanteriestraße eine Grundschule plus Sportplatz, Turnhalle und grünem Pausenhof gebaut werden. Der Bezirksausschuss Schwabing-West fordert angesichts mangelnder Kapazitäten sämtlicher Schulen im Umkreis, diese Grundschule - statt wie vorgesehen dreizügig - besser fünfzügig zu planen, mit einem zusätzlichen dritten Stockwerk. Außerdem wünschen sich die Stadtteilvertreter eine Dreifachturnhalle. Weil die Schule dann mehr Raum einnähme, würde im Feld der Anteil der Wohnungen von 400 auf etwa 325 sinken. Das Defizit könnte aber in anderen Teilen des Gesamtquartiers ausgeglichen werden. Die zeilenartigen Neubauten im Feld entstehen zwischen Sporthalle und Heßstraße, sie variieren zwischen fünf und sechs Geschossen.

Die über 100 Meter lange Tonnenhalle aus dem Jahr 1926 mit ihrer Eisenbetonkonstruktion ist ein Industriedenkmal.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ebenfalls im Kreativ-Feld, durch eine Straße getrennt von den Wohnhäusern und der Schul-/Sportzone, schließen sich nördlich Büros und gewerblich genutzte Bestandsbauten an, darunter das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der ehemaligen Luftschifferkaserne und späteren Luitpoldkaserne an der Schwere-Reiter-Straße 4. Diese Gebäude umfangen einen von Bäumen gesäumten Spielplatz für Kinder im Grundschulalter und einen Quartierplatz, situiert über einer zweigeschossigen Tiefgarage. Weiter westlich, direkt gegenüber der Trambahnschleife auf der Seite des Olympiaparks, markiert das höchste Gebäude das Gesamtquartier: 36 Meter und zehn Stockwerke hoch soll der gewerblich genutzte Turm werden.

Drei Hochhäuser insgesamt, bewusst gesetzt an markanten Stellen, sieht die derzeitige Planung für das Kreativquartier vor. Alle bestehenden Wohngebäude sollen als Wohnraum erhalten werden. Und auch die nicht denkmalgeschützten Häuser im Teilbereich Labor, deren Erhalt zunächst keine Bedingung des Ideenwettbewerbs war, können voraussichtlich weitergenutzt werden. "Ausschlaggebendes Merkmal bei der Bewertung der Bestandsgebäude ist nicht zwangsläufig die ästhetische Qualität eines Gebäudes, sondern die Qualität der Ideen und Konzepte, die dieses beheimatet", heißt es im aktuellen Rahmenplan-Konzept.

Die Simulation zeigt eine Ansicht des Siegerentwurfs der Berliner Architekturbüros Teleinternetcafé und TH Treibhaus für das Kreativquartier.

(Foto: Robert Haas)

Kreatives Potenzial zu fördern, Nischen zu erhalten und eine möglichst dichte Nutzungsvielfalt, eine enge Verflechtung zwischen Wohnen, Arbeiten und Kultur zu ermöglichen, ist der Grundtenor bei der Entwicklung des Kreativquartiers. Dazu passt die Plattform als urbane Schnittstelle von Hochschulcampus und verdichtetem Wohnen in Karrees, dazu passt der Kreativ-Park als zentraler öffentlicher Raum des Quartiers mit Jutier- und Tonnenhalle, Spielplätzen und einer großen Grünfläche. Und dazu passt auch das Bemühen um Infrastruktur. Weil das Kreativquartier durch die großen Straßen ringsum von Spielplätzen räumlich isoliert ist, sind zusätzlich zu den geforderten Spielflächen speziell Räume für Mädchen und Jungen vorgesehen. Im Sinne eines Mehrgenerationenansatzes sollen in die Spielzonen Elemente für Ältere integriert werden.

Geplant sind außerdem drei Häuser für Kinder: eine Tagesstätte im Feld, angrenzend an die Sporthalle auf dem Schulareal, eine im Labor in einem Neubau an der Heßstraße, und eine im Teilquartier Plattform. Was der Westschwabinger Bezirksausschuss jedoch vermisst, sind Betreuungsplätze für Hortkinder. "Die brauchen wir dringend." Ebenfalls nicht vorgesehen seien ein Jugendtreff, eine Begegnungsstätte für Senioren, ein ambulanter Pflegedienst nach dem Gewofag-Konzept "Wohnen im Viertel". Nachbarschaftstreffs allerdings regt der Rahmenplan bereits an.

Erschlossen werden soll das Kreativquartier über die Heßstraße, allerdings nur für Radler und Fußgänger. Autofahrer werden auf Stichstraßen verwiesen, ihnen bleibt die Durchfahrt durch die Heßstraße verwehrt - mit Ausnahme von Müllabfuhr, Rettungsfahrzeugen und eventuell dem Bus. Den Vorschlag im Rahmenplan, einen zusätzlichen Halt der Tramlinie 20/21 auf Höhe der Funkerstraße einzurichten, begrüßen die Lokalpolitiker ausdrücklich.