Mord in Neuhausen 19-Jähriger soll aus Rache heimtückisch gemordet haben

Warum Lion K. die Wohnung der Familie bewaffnet betrat, ist noch nicht geklärt.

(Foto: Robert Haas)
  • Der 19-jährige Lion K. soll am Freitag die 25-jährige Schwester seiner Ex-Freundin in Neuhausen getötet und deren Mutter und den Bruder schwer verletzt haben.
  • Die Staatsanwaltschaft spricht inzwischen von "Rache" als Motiv.
  • Im Oktober 2017 hat Lion K. schon einmal zu einem Messer gegriffen und damit einen Bekannten bedroht.
Von Thomas Schmidt

Das lange Küchenmesser, mit dem Lion K. immer und immer wieder auf seine Opfer einstach, hatte der 19-Jährige schon in der Hand, als er am Freitagnachmittag die Wohnung in Neuhausen betrat. Ein paar Nachbarskinder haben das den Mordermittlern der Polizei erzählt. Lion K. habe noch ein Bier und einen Energydrink getrunken, dann schritt er zur Tat.

Mit mehreren Stichen tötete er die 25-jährige Schwester seiner Ex-Freundin, verletzte deren Mutter und den Bruder schwer und fügte auch dem Familienhund tödliche Stichverletzungen zu. So berichtet es die Mordkommission am Dienstag, vier Tage nach der Bluttat. Die Staatsanwaltschaft spricht inzwischen von "Rache" als Motiv. Es war nicht das erste Mal, dass Lion K. zu einem Messer griff.

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Der 19-Jährige schweigt. Noch bevor er am Freitagabend, vier Stunden nach der Tat, von Fahndern festgenommen wurde, meldete sich sein Anwalt bei der Mordkommission und teilte den Beamten mit, sein Mandant werde sich nicht äußern. Bisher hält sich Lion K. an diesen Rat. Doch Stück für Stück gibt die Polizei Informationen über den mutmaßlichen Mörder preis.

Im vergangenen Jahr habe Lion K. die Realschule abgebrochen, berichtet Chefermittler Frank Hellwig. Zu dieser Zeit hätten sich auch seine Eltern getrennt, Lion K. lebte fortan bei seinem Vater. Drei Jahre lang habe er eine "On-off-Beziehung" zur jüngsten Tochter der Opferfamilie gehabt. "Die Familie hat Lion wie einen Sohn aufgenommen", sagt Hellwig. Er fuhr sogar mit in den Urlaub.

Doch es war längst nicht alles gut. Laut Oberstaatsanwältin Anne Leiding gibt es Hinweise, dass Lion K. mit Drogen zu tun hatte. Und 2015 bekam er Ärger mit den Behörden. Laut Leiding teilte er eine "Watschn" aus, eine Anklage wegen Körperverletzung folgte, wurde aber wieder eingestellt. Später, im Oktober 2017, griff Lion K. dann zu einem Messer und bedrohte damit einen Bekannten. Leiding zufolge befürchtete Lion K., dass der Bekannte vorgehabt habe, seiner Freundin zu erzählen, er betrüge sie.

Was davon wahr ist, lässt sich heute schwer sagen, doch Lion K. wurde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angezeigt. "Die Anklageerhebung stand unmittelbar bevor", sagt Leiding. Die Vorwürfe hätten damals aber nicht ausgereicht, um ihn sofort einzusperren. Lion K. soll nach der Tat Suizidgedanken geäußert haben und wurde in eine Klinik eingewiesen, doch schon am Tag darauf verließ er sie wieder. Acht Monate später griff er erneut zu einem Messer.

Warum er bewaffnet die Wohnung der Familie betrat, ist noch nicht geklärt. Auch ob er zu diesem Zeitpunkt noch eine Liebesbeziehung zu der jüngsten Tochter hatte, müsse noch ermittelt werden. Jedenfalls war die 18-Jährige zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung. Die Mordkommission hat Hinweise darauf, dass Lion K. das auch wusste. Er tötete die ältere Schwester, 25, und verletzte ihre Mutter, 53, und ihren 15-jährigen Bruder schwer. Oberstaatsanwältin Leiding nennt Rache als Tatmotiv.

Die Mutter liege noch auf der Intensivstation und könne nicht vernommen werden, erklärt Chefermittler Hellwig. Sie sei stabil, aber "noch nicht über den Berg". Ihr ebenfalls schwer verletzter, 15-jähriger Sohn sei auch noch nicht in der Lage, Antworten zu liefern. Der Jugendliche habe sich bei der Attacke schützend vor seine Familie geworfen, berichtet Hellwig. Ihm sei es sogar gelungen, Lion K. das Messer zu entreißen. Daraufhin ließ der 19-Jährige die Waffe liegen und flüchtete.

Blutverschmiert rannte Lion K. zu der Wohnung seines Vaters. Dort verband er seine Wunde, die er sich offenbar bei dem Gerangel zugezogen hatte, zog sich frische Kleidung an und verschwand. Ob er daraufhin selbst seinen Anwalt anrief, oder ob sein Vater das getan hat, sei noch unklar. Als ihn ein Fahndungsteam der Polizei knapp vier Stunden später an der Lindwurmstraße entdeckte, sei er in Begleitung von zwei Unbekannten gewesen, berichtet Hellwig. Die beiden Männer seien etwa 30 Jahre alt und augenscheinlich dem "Junkie-Milieu" zuzurechnen. Viel mehr wissen die Ermittler noch nicht, denn die Männer flüchteten, als die Polizisten Lion K. festnahmen. Deswegen fahndet die Mordkommission jetzt nach ihnen.

Lion K. sitzt nun in Untersuchungshaft. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen und zweifachen Mordversuch vor.