SZ-Leser spenden 5,2 Millionen Euro für bedürftige Kinder, Alte und Kranke in München
Mehr als 28 000 SZ-Leser haben mit ihren Spenden dem "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" ein neues Rekordergebnis von 5,2 Millionen Euro beschert. Das sind noch einmal 280 000 Euro mehr als bei der bisherigen Bestmarke vor einem Jahr. Damals gingen knapp fünf Millionen Euro für arme, kranke und behinderte Menschen ein.
Anzeige
"Das ist ein überwältigendes Zeichen der Hilfsbereitschaft", sagt Claudia Strasser, Geschäftsführerin des SZ-Adventkalenders, und bedankte sich "für das große Vertrauen in unsere Arbeit". Tausenden von Bedürftigen konnte mit kleineren und - wo es notwendig war - auch größeren Beträgen geholfen werden. Mehr als 10 000 Ferienpässe gingen an Kinder aus armen Familien, fast 4000 Lebensmittelpakete wurden verteilt. "Wenn es die Spenden unserer Leser nicht gäbe, wäre diese Stadt um einiges ärmer."
Die Solidarität galt diesmal vor allem Kindern, die in armen Familien leben, Kranken und ihren Angehörigen, alten Menschen, deren Rente nicht zum Leben reicht, und Alleinerziehenden in schwieriger Lage. Sie alle standen im Mittelpunkt der Berichte des SZ-Lokalteils, dazu kamen noch die Aufrufe der Regionalausgaben der SZ. Insgesamt sind 5 218 590,45 Euro an Spenden eingegangen, dazu kommen 364 805,92 Euro aus Erbschaften. Der gesamte Betrag geht ohne einen Cent Abzug an bedürftige Menschen. Alle Kosten, die bei der Abwicklung der Aktion entstehen, vom Büromaterial bis hin zum Personal, übernimmt der Süddeutsche Verlag.
Über die sehr persönlichen Motive der Leser, anderen Menschen zu helfen, hat Gudrun Queitsch bei den Bareinzahlungen viel erfahren. Ein siebenjähriges Kind hat sein Sparschwein geschlachtet, um den Kinderwunsch nach einem Badeanzug zu erfüllen: "Ihm erschien es unfassbar, dass für so eine Anschaffung kein Geld vorhanden sein kann." Drei Geschwister stifteten ihr Taschengeld, insgesamt 135 Euro: "Alle drei waren sich einig, dass sie genug haben." Eine ältere Spenderin erzählte Gudrun Queitsch, "dass sie 1954 als Kind selbst in den Genuss des Adventskalenders kam: Bei einer Weihnachtsfeier erhielt ihre Familie Plätzchen und Geld." 100 Freikarten für die Allianz Arena stiftete der Versicherungskonzern für Jugendliche, die sich ein Ticket nicht leisten können.
Eine junge SZ-Leserin aus Hamburg hat zusammen mit ihrer Schwester ihrem neunjährigen Patenkind in Ulm, "das schon alles hat", vorgeschlagen, auf das Weihnachtsgeschenk zu verzichten und stattdessen den Betrag auf das ganzjährig bestehende Adventskalender-Konto 82228 bei der HypoVereinsbank München (BLZ 700 202 70) einzuzahlen. Gemeinsam lasen die Schwestern die Adventskalender-Geschichte über Kinder, die in Armut leben, und die Patentochter "fand unseren Vorschlag, den Kindern einen Freibadbesuch mit Eis zu schenken, gut". Ein Geschenk mit durchaus beabsichtigter pädagogischer Wirkung, "um Bewusstsein für Ungleichheit zu schaffen". Schulen engagierten sich ebenso für arme Familien: So hat zum Beispiel das Luitpoldgymnasium den Erlös seines Weihnachtsbasars, 1200 Euro, gespendet. Die Klasse 4b der Schule zur Sprachförderung zog mit einem "Bettelgedicht" durch die anderen Klassen - 730 Euro kamen zusammen.
In vielen Briefen haben die Spenden-Empfänger ihren Dank an die SZ-Leser ausgedrückt. "Ihre wunderbare Spende", schrieb eine Mutter, "hat uns das Leben nicht nur finanziell, sondern mich auch psychisch sehr erleichtert. Man verliert ja so sehr sein Vertrauen in die Menschen und vor allem in das Leben. Der Druck hat mir manchmal wirklich den Atem geraubt. Sobald ich wieder auf eigenen Füßen stehen kann, werde ich das Meinige tun, um auch selbst Menschen in Not helfen zu können."
(SZ vom 15.3.2008)
Die neueste Antwort