Neues Konzept Basislager der Volxküche

Sieben von 2000: Die Köche der Volxküche vor ihrer veganen Gulaschkanone, die schon in französischen Flüchtlingslagern im Einsatz war.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im neuen Café "5 vor 12" gibt es Veganes für alle

Von Franz Kotteder

Die Münchner Gastroszene verfügt über alle möglichen Stilrichtungen, aber Feldküche war bisher nicht vertreten. Diese Lücke wird nun geschlossen: In Milbertshofen eröffnet an diesem Samstag in der Georgenschwaigstraße 26 das neue Lokal 5 vor 12 - Dein Feldcafé. Selbstverständlich geht es um 11.55 Uhr los, von 19 Uhr an gibt es auch Live-Musik.

Das 5 vor 12 ist aber alles andere als ein Gag für Menschen, die schon alles kennen und jetzt eben auch mal Gulaschkanone ausprobieren möchten. Es wird nämlich betrieben vom Verein Volxküche München, der aus den Studentenprotesten des Jahres 2009 hervorging und sich zum Ziel gesetzt hat, verschiedenste Aktionen kochenderweise zu unterstützen. Seit 2015 ging es dabei naheliegenderweise oft um Flüchtlingshilfe. So gab die Volxküche im Aufnahmezentrum an der Richelstraße zeitweise bis zu 5500 Essen täglich an Asylsuchende aus. 2016 versorgte man zusammen mit Ärzte ohne Grenzen monatelang ein Flüchtlingslager im französischen Grande-Synthe.

Und nun haben die Münchner Volxköche in der Georgenschwaigstraße eine neue "Basisstation" gefunden, wie Sinan von Stietencron, 32, einer ihrer Hauptaktivisten, sagt. Sie haben in Eigenarbeit die ehemalige Bäckerei umgebaut, die auch schon ein Sushiladen und auch mal ein Tagescafé für kleine Speisen und Getränke war - mit einem Einheitspreis für Weiß- und Rotwein, die Art von Lokal eben. Das 5 vor 12 ist jetzt ein hübsches Café geworden und hat von Mittwoch bis Sonntag geöffnet, von zehn bis 18 Uhr.

Auch wenn man in der neuen Milbertshofener Basisstation nicht damit rechnet, für 5000 Menschen kochen zu müssen: Den Grundsätzen, die man in den vergangenen acht Jahren pflegte, bleiben die Volxköche treu. Es gibt also auch Kaffee und Kuchen an der Georgenschwaigstraße, aber vor allem verschiedenste vegane Gerichte. Und das nicht etwa aus weltanschaulichen Gründen. "Keiner von uns ist Veganer", sagt Sinan von Stietencron, "wir wollen auch nicht missionieren oder so etwas. Wir kochen aus pragmatischen Gründen vegan." Zum einen geht es den Aktivisten darum, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und sie mit Essen zu versorgen. Und jenseits aller kulturellen Unterschiede und Essverbote sei vegane Kost eben so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner.

Sie hat aber noch einen weiteren praktischen Vorteil, sagt Stietencron: "Tierische Produkte sind viel schwieriger zu verarbeiten, was die Hygiene angeht, sie verderben leichter." Gerade bei Einsätzen unter schwierigen Bedingungen ließen sich Gemüse und Obst viel leichter verarbeiten.

An die 40 verschiedene Projekte hat die Volxküche mittlerweile bekocht. So versorgt man etwa einmal wöchentlich das Frauenhaus in der Karlstraße, kocht für die DGB-Jugend, springt beim Flüchtlingsrat ein oder half auch mal spontan, als das Boardinghaus am Neubruch geräumt wurde, mit Essen aus. Ein "Netzwerk von insgesamt 2000 Leuten", sagt Stietencron, stehe bereit, wenn Not am Mann sei. Damit lässt sich schon etwas anfangen. Und ein richtiges Basislager hat man nun ja auch.