Neuer Kiosk im Englischen Garten Eis am Stiel am Eisbach

Erst öffentliche Toilette, dann Treffpunkt für Drogensüchtige, nun Kiosk: Im Englischen Garten gibt es seit Juli einen neuen Kiosk - das "Fräulein Grüneis".

Von Piotr Grochocki

Etwas versteckt liegt der Kiosk am Rand des Englischen Gartens, zwischen Surferwelle am Eisbach und Bayerischem Nationalmuseum. Doch mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass seit Anfang Juli das "Fräulein Grüneis" - so heißt der neue Kiosk in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Lerchenfeldstraße - geöffnet hat. Offenbar mit Erfolg: "Es läuft immer besser", berichtet Pächterin Sandra Dürr. "Heute haben uns die Leute zum ersten Mal die Bude eingerannt." Was auch am halbwegs sommerlichen Wetter liegen dürfte. "Es war aber ganz gut, dass wir in den ersten zwei Wochen noch wenig Gäste hatten, da konnte sich alles in Ruhe einspielen", sagt die junge Gastronomin.

Der Kiosk sei vor allem auf Anwohner und Angestellte der nahen Unternehmen ausgerichtet, nicht nur auf Surfer und Touristen. "Wir hoffen, dass wir gut über den Winter kommen", sagt Dürr. Das ganze ist sozusagen ein Familienunternehmen, da auch ihr Mann Henning und der kleine Sohn Tim ihren Tag im Kiosk verbringen. "Zu Hause langweilt sich Tim nur", erklärt Sandra Dürr.

Henning Dürr, eigentlich Filmkulissenbauer von Beruf, erzählt derweil von der Geschichte des renovierten Gebäudes: "1904 wurde es als öffentliche Toilette mit Wärterraum erbaut, wovon heute noch der Schriftzug ,Frauen' über dem Eingang kündet."

Seit den fünfziger Jahren sei es dann ein stadtbekannter Schwulentreff gewesen, später durch Drogenkonsum und Vandalismus heruntergekommen und 1992 dann geschlossen worden. "Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung wollte kein Geld reinstecken und suchte einen neuen Betreiber", sagt Henning Dürr.

Vor zwei Jahren sei seien sie dann auf das verfallene Bauwerk aufmerksam geworden und hätten die Ausschreibung gegen bekannte Gastronomen gewonnen. Nach der Babypause von Sandra Dürr, die bereits zuvor in der Gastronomie gearbeitet hatte, nahm die Familie die Instandsetzung in Angriff. Durch Zufall erfuhr die Elektrofirma Zausinger von dem Projekt und schickte ihre Auszubildenden hin, die kostenlos die gesamte Elektrik installierten.

"In das kleine Anwesen passt mehr Technik, als man vermutet", sagt Geschäftsführerin Susanne Zausinger: "Außenbeleuchtung, Induktionsherd, Kaffeeautomaten, Geschirrspüler und wirklich viele Kühlgeräte." Auf energiesparende Beleuchtung und Ökostrom wurde auch geachtet. Die Dürrs sind jedenfalls hochzufrieden mit der gesponserten Arbeit.

Woher kommt denn der Name "Fräulein Grüneis"? "Das spielt auf die Farbe des Hauses an, auf die Bio-Speisen und auf das Eis", erklärt die Pächterin. "Manche Gäste fragen, ob ich das Fräulein und noch zu haben bin, aber da muss ich sie leider enttäuschen", sagt sie lachend.