Nach gelungenem Auftakt hat ein Schienenbruch und eine Stellwerksstörung die Einführung des neuen S-Bahn-Fahrplans überschattet. Auch im abendlichen Berufsverkehr gab es Verspätungen.
Der Zehn-Minuten-Takt bei der S-Bahn ist gestern früh ohne Probleme angelaufen. 27 Züge pro Stunde und Richtung drängelten sich über die Stammstrecke, die sich nun Europas dichtestbefahrene Eisenbahntrasse nennen darf. Auch das neue Busnetz bestand seine Bewährungsprobe. Am Abend trübte eine Stellwerksstörung am Ostbahnhof die positive Bilanz.
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"Auf Gleis eins kommt jetzt, das ist der neue Zehn-Minuten-Takt, die S 3 nach Maisach" - "Bitte an allen 32 Türen zusteigen" - "Bitte auch ins Wageninnere vorrücken" - "Achtung, der Zug hält nur 30 Sekunden".
Heiterkeit am Hauptbahnhof: Da hat man jahrelang das Fehlen von Ansagen beklagt, und plötzlich sprudelt es aus dem Lautsprecher, als müsse hier die Textmenge einer Nachmittags-Talkshow unter die Leute gebracht werden. "Das glaubt auch nur der, dass wir das in 30 Sekunden schaffen", lästert ein Fahrgast. Klappt dann aber doch, die Ansagen zeigen Wirkung. Türen zu, Zug weg, Nächster. 30 Sekunden, Türen zu, Nächster. Und das fast alle zwei Minuten.
Bei der vormittäglichen Lagebesprechung zeigt man sich dann erleichtert im S-Bahn-Hauptquartier am Ostbahnhof: Das wochenlange Üben zu später Stunde hat sich gelohnt, es hat gut geklappt mit der Einführung des Zehn-Minuten-Takts.
Lediglich einige Mini-Unzulänglichkeiten gab es. So fuhren viele Züge mit verzeihlichen zwei bis vier Minuten Verspätung, allein die S 6 tanzte mit etwa neun Minuten aus der Reihe.
Und auch die neuen Zugziel-Monitore an den Bahnsteigen funktionieren immer öfter - "zu 80 bis 90 Prozent", wie S-Bahn-Sprecher Horst Staimer schätzt. Derzeit läuft die Feinjustierung. Damit bald auch die Zuglänge dargestellt wird und die Minuten-Anzeige stimmt. Staimers Resümee: "Toitoitoi - alles gut gelaufen."
Am Abend musste er diese positive Grundstimmung dann deutlich korrigieren. Gegen 18.15 Uhr war am Ostbahnhof die automatische Signal- und Weichensteuerung ausgefallen. Um den Tunnel zu entlasten, fuhren die S-Bahn-Linien 1, 6 und 7 nicht mehr. Auf den Bahnsteigen drängten sich die Menschen. Es dauerte ein paar Stunden, bis sich der Betrieb wieder normalisiert hatte.
Am Freitagmorgen dann meldete ein Zugführer auf den Linien 5 und 6 Richtung Gießing einen Schienenbruch. Dadurch kam es zu einem Ausfall der Linien zwischen 8:50 und 9:10. Ein Sprecher schätze den Schaden allerdings als gering ein, so daß der Betrieb nach 20 Minuten wieder aufgenommen werden konnte.
Große Veränderungen müssen die Fahrgäste beim Busnetz verkraften, das nahezu vollständig umgemodelt wurde und ebenfalls gestern seine erste Bewährungsprobe im Berufsverkehr hatte. "Hat selbst auf den langen Strecken gut hingehauen", berichtet ein Busfahrer.
Dennoch will die MVG bei einzelnen Linien wie dem 50er und 54er überprüfen, ob vielleicht die Fahrtzeiten noch angepasst werden müssen. Zudem seien viele der neuen Haltestellen, etwa an der Isarparallele, von Gewohnheits-Autofahrern verparkt worden. MVG-Chef Herbert König findet aber: "Die wenigen Probleme, die heute auftraten, sind gemessen an unseren täglich 9000 Busfahrten wirklich Einzelfälle."
Stark verärgert zeigen sich viele Sollner Bus-Fahrgäste, die bislang alle zehn Minuten mit dem 66er Richtung Harras/Schwanthalerhöhe fahren konnten. Der neue 134er rollt nur noch alle 20 Minuten - dafür hoffnungslos überfüllt, wie beklagt wird.
Das hat auch die MVG bemerkt, die nun diese Linie ebenso wie den 133er und 184er im Auge behalten und notfalls nachbessern will. "Sichtbare Fehler werden schnellstmöglich wieder ausgebügelt", lautet die erklärte Zusage.
Einen ziemlich sichtbaren Fehler hat übrigens am Sonntag ein Busfahrer verbockt, der den Metrobus 54 versehentlich auf alte 45er-Pfade steuerte. Kann mal passieren, findet die MVG. Die anderen 450 fuhren ja richtig.
(sueddeutsche.de/SZ vom 14.12.2004)
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