Der 32-jährige Sozialdemokrat Christoph Frey wird München-Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Für Christoph Frey sind es spannende Tage. Vor zwei Wochen erst ist der 32-Jährige Vater einer Tochter geworden. Und seit gestern ist klar, dass sich auch sein berufliches Leben ändert: Der DGB-Vorstand nominierte seinen bisherigen Regionssekretär als den Mann, der im November neuer Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Raum München werden soll.
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Frey hatte 2008 für den Stadtrat kandidiert. Die Sozialdemokraten hatten ihr wohl größtes Talent allerdings auf Platz 33 ihrer Liste versteckt - zu weit hinten, um noch ins Rathaus zu rutschen. (© Foto: Haas)
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Überrascht hat ihn der Karrieresprung so wenig wie die Geburt seiner Tochter. Denn seit deutlich mehr als neun Monaten galt unter Gewerkschaftern als ausgemacht, dass Frey Helmut Schmid nachfolgen sollte, der den Münchner DGB seit 1994 führt. Der 64-jährige Schmid hatte sich vor einem Jahr vom Vorsitz der SPD-Rathausfraktion auf einen Stellvertreterposten zurückgezogen und bereits damals einen Generationenwechsel auch an der Spitze des DGB angekündigt. Wen Schmid als Nachfolger haben wollte, war auch klar: seinen engsten Mitarbeiter Frey, der seinen Job im Münchner Gewerkschaftshaus 2003 über eine Stellenanzeige bekam. Eine lange Nachfolge-Diskussion, wie sie Bayerns DGB nun führt, nachdem ihr Chef Fritz Schösser seinen Rückzug angekündigt hatte, wollten die Münchner Gewerkschaften, so Frey, "unbedingt vermeiden".
Politisches Talent
Frey, Sohn eines Lehrers und einer Erzieherin, kommt aus der Oberpfalz. In Weiden wurde er geboren, dort machte er Abitur, dort trat er in die Gewerkschaft und in die SPD ein. In Regensburg studierte er Politik und Erziehungswissenschaften, arbeitete für einen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung.
In München galt er schnell als großes politisches Talent, der ebenso in den Hinterzimmern organisieren wie auf großer Bühne klare Reden halten kann. Zuständig vor allem für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, schlüpfte er, auch weil Schmid gesundheitlich angeschlagen war, immer mehr in die Rolle eines geschäftsführenden Gewerkschaftsvorsitzenden.
Was er machen will, wenn er den Vorsitz im November offiziell übernimmt, will er "nicht groß erzählen", bevor er nicht mit den Delegierten über seine Pläne gesprochen hat. Es werde aber natürlich "im Erscheinungsbild des DGB zu Veränderungen" kommen - allein schon deshalb, weil statt des Großvaters Schmid bald einer der jüngsten Gewerkschaftschefs die Münchner Arbeitnehmer-Bewegung anführt. Noch hat Frey nicht den politischen Einfluss, den Schmid als langjähriger Chef der SPD-Ratsfraktion nutzen konnte.
Frey hatte zwar 2008 für den Stadtrat kandidiert. Die Sozialdemokraten hatten ihr wohl größtes Talent allerdings auf Platz 33 ihrer Liste versteckt - zu weit hinten, um noch ins Rathaus zu rutschen. Trotzdem könnte er bald auf einem Ratsstuhl Platz nehmen. Rückt die Stadträtin Brigitte Meier an die Spitze des Sozialreferats, worauf alles hinausläuft, und zieht die stellvertretende Fraktionschefin Claudia Tausend in den Bundestag ein, was möglich ist, dann, so rechnet Frey selber, "bin ich im nächsten Jahr Stadtrat". Manche Sozialdemokraten trauen dem Aufsteiger sogar noch mehr zu. Die SPD sucht ja noch nach einem Kandidaten für die nächste OB-Wahl 2014.
(SZ vom 09.07.2009/pfau)
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