Neue Restaurants in München Diskreter Charme der Schickeria

Das "Rilano Nr. 6" mit der längsten Theke Münchens ersetzt das ehemalige "Lenbach" im Bernheimer Palais, das "Les Deux" eröffnet mit neuem Konzept und neuer Leitung an der Stelle des früheren "Dukatz". Zwei neue Restaurants wollen die Stadt kulinarisch bereichern.

Von Franz Kotteder und Astrid Becker

Die neue Szenegastronomie im Lenbach Palais: Rilano No 6 mit einem der längsten Tresen der Stadt.

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Die Geschichte der beiden Restaurants hatte zur gleichen Zeit begonnen und gleichzeitig geendet: Das "Dukatz" und das "Lenbach", die beide 1997 eröffnet wurden und schon bald zu den gastronomischen Szenehöhepunkten in der Stadt zählten, haben in diesem Jahr für immer ihre Pforten geschlossen. Doch nun scheint eine neue Ära zu beginnen: Das Lenbach wird in den nächsten Tagen unter dem Namen "Rilano Nr. 6 Lenbach Palais" und unter neuer Leitung wieder eröffnen, ebenso wie das "Dukatz", das als "Les Deux" vom kommenden Montag an die Kulinarik der Stadt bereichern will.

Das größere Interesse zieht dabei wohl das "Rilano Nr. 6" auf sich, schließlich handelt es sich hier um ein Restaurant mit 220 Plätzen und einer Bar mit dem längsten Tresen der Stadt: 18,7 Meter, wie Anton Müller von der Rilano-Gruppe weiß, schließlich hat er hier selbst fast drei Jahre als Barchef gearbeitet. Ende Juni dieses Jahres hatte Vorgänger Peter Schmuck das Handtuch geworfen: Nach 15 Jahren schloss er sein Edelrestaurant im Bernheimer-Palais, wegen der großen Schaufenster zur Ottostraße hin gerne auch "Schicki-Auslage" genannt.

Die neue Hotelgruppe Rilano, die in München drei Häuser betreibt, war sich mit dem Eigentümer des Bernheimer-Palais, dem Filmunternehmer Bob Arnold, schnell einig. Das Lenbach mit seiner glamourösen Promi-Vergangenheit - von Mick Jagger bis Nicole Kidman und Karl Lagerfeld speisten hier immer wieder mal internationale Stars - passt den Hoteliers bestens in ihr Marketing-Konzept. Und den in ihren Münchner Hotels fehlenden repräsentativen Veranstaltungssaal bekamen sie auf diese Weise im ersten Stock auch gleich noch dazu.

Auch ein Prestige-Objekt muss sich rechnen

Rilano-Chef Holger Behrens macht auch gar kein Hehl daraus, dass das neue Restaurant vor allem ein Prestige-Objekt für sein Unternehmen ist: "Natürlich ist das für uns erstmal eine Location, mit der wir Marketing für unsere Hotels betreiben können", sagt er, "aber mittelfristig muss es sich schon rechnen." Zuvor aber musste Rilano erst einmal Geld hineinstecken, "weit über eine Million Euro" hat die neue Inneneinrichtung gekostet. Und das, obwohl man zum Teil gewissermaßen auf Bordmittel zurückgreifen konnte. Denn bei der Umbauplanung arbeitete die renommierte Innenarchitektin Niki Szilagy mit der Rilano-Marketingchefin Sandra Zschach zusammen. Die ist nämlich ebenfalls studierte Innenarchitektin.

Herausgekommen ist eine dezente Schwelgerei in vornehmen Brauntönen und mattem Gold. Damit wirken Bar und Restaurant nicht mehr so protzig und würden auch längst nicht mehr so perfekt in die Helmut-Dietl-Fernsehserie "Kir Royal" passen wie das alte Lenbach mit seinem leicht überkandidelten Sieben-Todsünden-Konzept.

Inzwischen ist eben zurückhaltendere Eleganz angesagt, auch wenn Holger Behrens viel von "Glamour" spricht, von "Top-Gästen" und "Top-Acts", aber auch von der tollen neuen Beleuchtung, die bewirken soll, "dass man durch die großen Fensterfronten zwar gut nach draußen schauen kann, aber nicht mehr so gut hinein". Ob das die Münchner Schickeria wirklich so haben will? Türsteher im engeren Sinne wird es nicht geben, zwei freundliche Damen sollen aber am Eingang darauf achten, dass niemand mit Flip-Flops oder kurzen Hosen aufkreuzt und das Bild verschandelt. "Ein gewisser Dresscode ist uns schon wichtig", sagt Behrens.

DJs und Kurzauftritte sorgen für Unterhaltung

Ansonsten setzt das Team auf zurückhaltendes Entertainment, mit DJs in der Bar (am Samstag zum Beispiel gleich mit dem Münchner Lokalmatador DJ Hell) und Kurzauftritten im Restaurant. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ein Saxofonspieler für zwei Stücke durchs Lokal paradiert oder Boy George die Plattenteller bedient.

Als Küchenchef hat die Rilano-Gruppe Steffen Sonnenwald gewinnen können. Der Mitbegründer der Köchevereinigung "Junge Wilde" hat große internationale Erfahrung als Küchenchef und sagt: "Meine Küche hat einen starken mediterranen Einschlag, und ich bin Bayer durch und durch." Das zeigt sich dann zum Beispiel in Gerichten wie dem "Pulpo mit Spicy Bacon, Kopfsalatjus und Kalbsbrieszigarillo" oder dem "mallorquinischen Spanferkel mit Kartoffel-Selleriestampf und Artischocken". Man sieht schon, Sonnenwald hat längere Zeit in Spanien gekocht.