Neue Projekte Welche Visionen es für den Olympiapark gibt

Hingucker mit Weitblick: Das weltberühmte, transparente Dach, durch das man auch den Olympiaturm sehen kann, ist Teil des Olympiastadions.

(Foto: dpa)

Während Stadion und Schwimmhalle saniert werden, ist die Zukunft des Eissportzentrums weiter unklar. Nachgedacht wird auch über eine Buslinie, eine Skaterhalle oder ein Theater.

Von Nicole Graner

Immer wenn Arno Hartung über seine geliebten Kinder, also das Olympiastadion und den Olympiapark spricht, spürt man eines: seine Begeisterung. Für die Architektur, das Ensemble, die Geschichte. Man kann sich also gut vorstellen, dass der Geschäftsführer der Olympiapark GmbH am Ende eines langen Arbeitstages mal auf einem der 69 250 grünen Stadionsitze sitzt, durch das transparente, so fotogene Dach in den Himmel blickt und auf viele Eingebungen wartet.

Eingebungen, die es möglich machen, den Betrieb des weltberühmten Stadions, das ihm sehr am Herzen liegt, aufrechtzuerhalten, um die enormen Unkosten zu decken. Ideen hat er viele und er spricht darüber. Zum Beispiel beim jährlichen Treffen mit dem Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart. Bei Bier und Brotzeit lässt es sich besser plauschen, und so präsentiert Hartung seine Themen - fast in familiärer Atmosphäre - redegewandt, sicher, manchmal auch fast ein bisschen stoisch.

Hallenprojekt FC Bayern-Basketballer geben Red Bull einen Korb

Der Verein investiert sein Geld lieber in den Kader und in den Ausbau des Audi Domes. Was das für die Basketballer und das Hallenprojekt im Olympiapark bedeutet.

Nachdem die Basketball-Abteilung des FC Bayern München langfristig im Audi Dome ihre Heimspiele austragen wird, ist der Verein nicht mehr an den Planungen für die neue Multifunktionshalle im Olympiapark interessiert. "Dass der FC Bayern den Audi Dome erweitern will, kam nicht ganz überraschend", sagt Hartung. Nun dürfe man gespannt sein, wie Red Bull mit der Halle alleine klarkomme. Da fänden, so Hartung noch weitere Gespräche statt.

Zukunft des Eissportzentrums ist weiter unklar

Die Event-Arena ist bereits abgerissen. Auf dem Grund werden bis zu 500 Flüchtlinge in Leichtbauhallen untergebracht werden. "Wir stellen den Grund sehr gerne zur Verfügung und übergeben ihn nun am 1. April der Stadt München", erklärt Hartung. Wie es auch mit dem Eissportzentrum weitergeht - auch das seien noch "ungelegte Eier".

Es könne auch möglich sein, dass man gar kein neues Eissportstadion baue und das alte für etwa 30 Millionen Euro renovieren müsse. "Ein Konzertsaal an dieser Stelle wäre ein Thema gewesen, das uns sehr gereizt hätte", sagt der Geschäftsführer der Olympiapark GmbH. Nach wie vor ist Hartung auch davon überzeugt, dass München eine Theaterhalle mit rund 3000 bis 4000 Plätzen brauchen kann.

Ein Hotel, eine Freizeit- beziehungsweise Skateranlage für Jugendliche, sogar ein Stadion für die Löwen - Ideen gibt es viele. Doch noch ist nichts entschieden. Von "vorne" und "hinten" spricht Hartung immer wieder. Erst wenn hinten, also am Platz der alten Event-Arena, alles klar sei, könne man vorne über die Zukunft des Eissportzentrums nachdenken.

Und dann die Sanierung des Olympiastadions, für die die Stadt 79 Millionen Euro berappen will: Sie ist unbedingt nötig, damit, so betont Hartung, das weitergeführt werden könne, was gerade gemacht werde. "Sonst", sagt Hartung, "gibt es eines Tages keine Open-Air-Konzerte mehr." Noch sei das Stadion das bestbespielteste in Europa. 500 000 Besucher kommen jährlich. Das Jahr 2015 sei ein sehr "volles und gutes Jahr gewesen". Das solle auch so bleiben.

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Idee einer Buslinie durch den Olympiapark

Und so wird es bald wieder eine Rasenfläche geben und Laufbahnen. Für Leichtathletik-Events oder gar Rugby-Veranstaltungen. Auch eine Idee von Arno Hartung. Mit einer weiteren Vision kann sich die Olympiapark GmbH mittlerweile auch anfreunden: eine Buslinie durch den Olympiapark zu führen. "Das war zunächst überhaupt nicht vorstellbar", sagt der Geschäftsführer. Aber jetzt habe diese Idee nach vielen Gesprächen mit der Münchner Verkehrsgesellschaft durchaus etwas "Positives". Die Linie soll vom Rotkreuzplatz über den Sapporobogen, die Event-Arena, den Olympiapark bis zum Ackermannbogen gehen. "So eine Linie ist dann auch eine Hilfe für die Flüchtlinge hier bei uns."

Höhen und Tiefen, ja die gibt es auch im Leben von Arno Hartungs "Kindern". Sich vom Ski-Weltcup-Rennen verabschieden zu müssen sei sehr bitter gewesen. Aber die Kosten für die Schneekanonen seien einfach zu hoch gewesen. Und da sind noch andere leidige Themen wie zum Beispiel die stets geforderten Fahrradständer vor der Olympia-Schwimmhalle, die dann vielleicht irgendwann einmal kommen. Möglicherweise im Zuge der Schwimmhallen-Sanierung, die jetzt ansteht.

Spürbar wird an diesem Abend in der Olympiahalle Business Area, dass sich Hartung auf seine möglichen, nachfeierabendlichen Eingebungen im Olympiastadion verlässt. Und dass er in sich ruht. Muss er wohl auch, bei diesen Herausforderungen.