Neue MVG-Plakate Bitte Schuhe ausziehen!
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"Wir wollen mit einem Augenzwinkern sensibilisieren": Mit einer neuen Plakatkampagne wirbt die MVG für Rücksichtnahme in der U-Bahn - und übertreibt dabei bewusst.
Keine Angst, das Motiv ist nicht ernst gemeint: Niemand muss die Sitzbank per Handstaubsauger reinigen, sich Hand in Hand in einer Zweierreihe aufstellen oder vor dem Betreten der U-Bahn die Schuhe ausziehen. Die MVG will bewusst übertreiben mit ihrer neuen Plakatkampagne, die bis Ende des Jahres für mehr Rücksichtnahme in Bussen und Bahnen wirbt. "Wir wollen mit einem Augenzwinkern für dieses Thema sensibilisieren", erklärt MVG-Chef Herbert König.
Mit solchen Plakaten will sich die MVG die Kosten für schlechtes Benehmen ersparen.
(Foto: Foto: MVG/oh)Denn die Zahl der Beschwerden über das Verhalten anderer Fahrgäste habe seit vergangenem Jahr um immerhin zwölf Prozent zugenommen - und auch die monetären Nebenwirkungen schlechten Benehmens würde sich König gerne ersparen: 620.000 Euro hat es im vergangenen Jahr gekostet, allein die bei der U-Bahn angefallenen 150 Tonnen Müll zu entsorgen. Dem sollen die sechs von einer Werbeagentur gestalteten Plakatmotive nun entgegenwirken.
Gedudel aus Mobiltelefonen und iPods, herumliegender Müll, plärrende Fußballfans und unberechenbare Betrunkene - das sind die am häufigsten geäußerten Beschwerden der Fahrgäste. Betrunkene und Fußballfans allerdings, da macht sich König keine Illusionen, dürften sich kaum durch eine derartige Kampagne beeinflussen lassen - ebenso wenig wie Gewalttäter. "Vorfälle wie jüngst im U-Bahnhof Giselastraße sind ein gesellschaftliches Problem und kein Problem der U-Bahn", betont der MVG-Chef. Objektiv betrachtet passiere in der U-Bahn weniger als anderswo.
"Ein kleines Schmunzeln erzeugen"
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Die Kampagne richtet sich daher gegen die kleineren, vergleichsweise harmlosen Alltagsvergehen der Fahrgäste: das Nicht-Aufstehen für Senioren oder Behinderte zum Beispiel, das gedankenlose "Entsorgen" einer Zeitung in der Sitzritze oder eben die publikumswirksame Vorführung der neuesten Handy-Klingeltöne. Den erhobenen Zeigefinger will König dabei ebenso vermeiden wie die Androhung drakonischer Strafen. Die Darstellung solle vielmehr "ein kleines Schmunzeln erzeugen".
Auch die Deutsche Bahn hat am Dienstag eine Kampagne gestartet - sie richtet sich gegen Vandalismus und Graffiti. Dazu werden Infobroschüren an die Fahrgäste verteilt. Wichtigste Aussage: Die weitverbreitete Einstellung, Graffiti und Scratching seien Kavaliersdelikte, ist aus der Bahnperspektive ein klarer Irrtum. Mehr als 50Millionen Euro kostet es bundesweit, die mutwillig verursachten Schäden in und an Zügen und Bahnhöfen zu beseitigen. Dazu kämen die Kosten für die Bewachung der Abstellanlagen, Präventionsmaßnahmen und nicht zuletzt der Ausfall der Züge, die schließlich in die Werkstatt müssten.
Dass der Fahrgast künftig als Laienpolizist eingreift, wenn im Nebenabteil eine Scheibe zerkratzt wird, will auch die Deutsche Bahn nicht. Hilfreich sei es aber, umgehend die Bundespolizei unter 01805/5234566 zu informieren.