Sendling Die neue Gemeinschaftsunterkunft hat sich rausgeputzt

Jahrelang diente das Bürogebäude an der Baierbrunner Straße als Unterkunft für Flüchtlinge. Sie war sogar die zentrale Erstaufnahme, bis diese in die Bayernkaserne im Münchner Norden verlagert wurde.

(Foto: Robert Haas)
  • Die frühere Erstausnahme in der Baierbrunner Straße 14 ist saniert worden und soll künftig Unterkunft für Asylbewerber und ihre Familien sein.
  • Den Betreibern ist wichtig, dass die Flüchtlinge dort gut in die Nachbarschaft integriert werden.
  • Das Stadtjugendamt will zudem Angebote für Kinder und Jugendliche finanzieren, die nicht regelmäßig aus der Unterkunft können.
Von Thomas Anlauf

Es ist still geworden um den großen Gebäuderiegel an der Baierbrunner Straße. Seit einem Jahr wird das Haus im Münchner Süden komplett saniert. Doch davor waren die Wogen hochgekocht: Von "menschenunwürdigen Zuständen" war die Rede, "Verhältnisse wie in einem Loch" herrschten dort. Die Adresse Baierbrunner Straße 14 galt als unrühmliches Beispiel, wie der Freistaat mit Flüchtlingen umging, die neu in München ankommen.

Zeitweise wurden durch diese Erstaufnahmeeinrichtung bis zu 500 Menschen täglich geschleust und nur notdürftig betreut. Auch Anwohner wehrten sich gegen die Belegung in dem heruntergekommenen Haus. Es gab Lärmmessungen, Anwohner klagten über Jahre hinweg gegen die Betriebsgenehmigung. Nun wird sich bald wieder Leben regen in dem ehemaligen Bürogebäude. Anfang Mai sollen dort erneut Flüchtlinge einziehen - allerdings nicht mehr in Form einer Notaufnahme. Die Menschen sollen dort künftig längerfristig wohnen können.

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Maximal 230 Geflüchtete sollen in das Gebäude ziehen, die dann nicht als Erstaufnahme, sondern als Gemeinschaftsunterkunft von der Regierung von Oberbayern geführt wird. Die Innere Mission wird die soziale Betreuung der Menschen übernehmen. Dafür sind insgesamt achteinhalb Stellen vorgesehen, die den Flüchtlingen bei Alltagsproblemen, aber auch beim Asylverfahren helfen.

Für Andrea Betz, Leiterin der Abteilung Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration bei der Inneren Mission, ist es wichtig, "dass das Betreuungssystem vom ersten Tag an funktioniert". Denn es wird kein Sicherheitspersonal für die Unterkunft eingestellt, lediglich die Betreuer der Inneren Mission sowie ein Hausleiter der Regierung werden dort sein. Betz ist sich sicher, dass das funktioniert: "Sie müssen einfach eine Gemeinschaft bilden."

Damit das so reibungslos wie möglich geht, setzt die Innere Mission auch auf gute und hilfsbereite Nachbarn. Dafür wird es eine eigene Ehrenamtskoordination geben. Die Betreuer wollen schon vor der Wiedereröffnung des Hauses Kontakte zu Anwohnern und Vereinen knüpfen. Schließlich gehe es auch darum, dass die neuen Bewohner "möglichst auch außerhalb der Unterkunft soziale Kontakte haben", sagt Betz. Die Menschen bleiben künftig deutlich länger als früher an der Baierbrunner Straße und sollen sich möglichst schnell mit dem Viertel und ihren Bewohnern anfreunden. "Es ist unglaublich wichtig, eine gute Atmosphäre zu schaffen", sagt Betz. Sie meint damit nicht nur die Stimmung innerhalb der künftigen Hausgemeinschaft, sondern auch mit den Nachbarn aus dem Stadtteil.

Einzigartiges Projekt in ganz Bayern

Befürchtungen, dass ausschließlich Männer in der Unterkunft wohnen könnten, kann sie ausschließen. "Es werden natürlich auch Familien mit Kindern dort leben", und es sei wichtig, insbesondere den Kindern vom ersten Tag an den Zugang zum Viertel zu ermöglichen. Das kann über Vereine funktionieren oder über Freizeiteinrichtungen.

Zusätzlich wird das Stadtjugendamt Angebote für Kinder und Jugendliche finanzieren, die nicht regelmäßig aus der Unterkunft können. Ein derartiges Projekt gibt es laut Betz in dieser Form sonst nicht in Bayern. Dabei kommen auf einen Betreuer 30 Kinder und Jugendliche. In der Asylsozialberatung, die auch an der Baierbrunner Straße angeboten wird, soll der Betreuungsschlüssel höher liegen als staatlich vorgesehen. Diesen hat "die Stadt München freiwillig angehoben", erläutert Betz. In der Beratung werden die Geflüchteten über das Asylverfahren aufgeklärt, die Betreuer stehen auch beratend in medizinischen Angelegenheiten zur Verfügung - "und natürlich wird auch das Kindswohl im Auge behalten".

Am Wichtigsten ist Andrea Betz aber ein gutes Zusammenleben im Viertel. "Wir würden uns freuen, wenn sich Menschen aus der Nachbarschaft, die sich engagieren wollen, bei uns melden." Wer Interesse daran hat, aber auch wer Probleme mitteilen will, kann das per E-Mail tun. Die Sozialpädagogin der Inneren Mission ist zuversichtlich, dass sich einige Ehrenamtliche im Viertel melden: "Es gibt in München weiterhin ein unglaubliches Engagement in diesem Bereich."

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