Neue Erkenntnisse zum Oktoberfest-Attentat Ermittler wussten offenbar von Neonazi-Verbindungen des Täters

Was wussten die Ermittler des Oktoberfest-Attentats von 1980 über den Täter? Wie der "Spiegel" berichtet, sind nun Beweise aufgetaucht, die eine Verbindung zum Neonazi-Milieu zeigen.

Es war einer der schlimmste Terroranschläge in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Vor 31 Jahren, am 26. September, explodierte eine Bombe am Haupteingang der Wiesn und riss 13 Menschen in den Tod. 211 Menschen wurden verletzt, 68 davon schwer. Als "Alleintäter" identifizierte die Ermittler damals den Tübinger Studenten Gundolf Köhler, der selbst bei dem Anschlag ums Leben kam.

Nun lassen neue Erkenntnisse das schreckliche Verbrechen in einem neuen Licht erscheinen, wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet. Offenbar hatten die Ermittlungsbehörden wesentlich mehr Kenntnisse über den Täter und dessen organisierten rechtsextremistischen Hintergrund als bisher bekannt.

Nach Auswertung von 46.000 Blatt bislang unter Verschluss gehaltener Akten berichtet der Spiegel, dass Köhler vor allem in seinem Studienort Tübingen in einem Milieu militanter Neonazis verwurzelt war, die ihrerseits teils intensive Kontakte zu CSU-Funktionären pflegten.

Die Akten belegen zudem ein Motiv des Täters: Er wollte offenbar dem damaligen Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß kurz vor der Bundestagswahl zur Macht verhelfen. Köhler habee sich dem Bericht zufolge vor dem Anschlag über die bevorstehende Bundestagswahl geäußert: Man könne doch einen Bombenanschlag in Bonn, Hamburg oder München verüben. Nach dem Anschlag "könnte man es den Linken in die Schuhe schieben, dann wird der Strauß gewählt".

In Tübingen hatte Köhler enge Kontakte zum Hochschulring Tübinger Studenten. Dessen Anführer, den Köhler aus dem Wehrsportmilieu kannte, war eine treibende Kraft der CSU-nahen Initiative "Vierte Partei", die eine bundesweite Ausdehnung der Christsozialen zum Ziel hatte.