Von Interview: Christoph Wiedemann

Frank Stella ist Kunstgeschichte. Mit 72 Jahren scheint er nichtsvon seiner Kraft eingebüßt zu haben. In der Galerie Terminus sind Arbeiten des Künstlers aus Manhatten bis 12. November ausgestellt.

Der Maler, Bildhauer und Objektkünstler ist seit Anfang der sechziger Jahre eine beständige Größe im Kunstmarkt. Der Künstler lebt seit langem in Manhattan. Aktuelle Arbeiten erzielen bei Sammlern sechsstellige Preissummen. Frühe Werke wechseln bei Auktionen mittlerweile für Millionenbeträge den Besitzer. Gleichwohl besucht Stella in regelmäßigen Abständen München, denn in der Galerie Terminus sitzt der Kunsthändler seines Vertrauens.

Frank Stella

Künstler Frank Stella. (© Foto: dpa)

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SZ: Sie haben einen großen Namen in der internationalen Kunstszene...

Stella: ...vielleicht einigen wir uns besser auf die Formulierung einen "alten Namen".

SZ: Wie macht man als Künstler eine derartige Karriere?

Stella: Ganz einfach, immer weiter arbeiten, nicht nachlassen.

SZ: Ihre aktuellen Arbeiten überraschen. Sie haben vor mehr als 50 Jahren angefangen mit sehr kühler geometrischer Malerei. Die geschwungenen Rohre und Linien von heute muten dagegen fast barock an.

Stella: Keine Ahnung, warum das so ist. Es hat sich ganz einfach so entwickelt. 20 Jahre war ich mehr oder weniger in der Tradition der amerikanischen Avantgarde eingeordnet. Das ist genug. Aber ernsthaft: Wenn du anfängst als Künstler, musst du dir erst einmal eine Struktur schaffen. Irgendwann kommen dann die Sicherheit und die Freiheit, dieses Korsett zu verlassen und Experimente zu wagen. Rubens ist das perfekte Beispiel. Er hat die großen Bilder des 17. Jahrhunderts geschaffen. Die Basis war das Wissen um die Leistungen von Vorgängern wie Raffael oder Michelangelo.

SZ: Für wen produzieren Sie Ihre Objekte?

Stella: Um ehrlich zu sein: Für mich selbst. Ich muss die Arbeiten lieben. Ich muss sie gut finden. Sie müssen mich berühren. Dann erst können sie irgendwann öffentlich werden und im besten Fall Anklang finden.

SZ: Woher kommt dieses Selbstbewusstsein?

Stella: Das ist nicht selbstbewusst, sondern zielgerichtet. Mir war von Anfang an klar, dass ich meinen Weg in der Kunst gehen wollte, wie lange auch immer es dauern würde - wobei ich zweifellos Glück hatte. Aber ich hatte nie Angst vor Rückschlägen oder Zugeständnissen. Aber das ist alles unwichtig. Ich hatte ganz einfach keine andere Wahl, als das zu tun, was ich tue.

SZ: Wie entstehen die neuen Arbeiten?

Stella: Ich fertige zunächst mit der Hand Modelle an. Die werden dann gescannt und am Computer modifiziert. Wenn wir die Geometrie haben, adjustiere ich die Formen noch einmal. Danach wird technisch aufwendig produziert, egal, wie kompliziert die Formen sind. Das Problem ist: Die Modelle sind relativ einfach. Sie zu vergrößern, ist das Problem. Ein Teil der Arbeiten - fast alle kleinformatigen - sind wie Skizzen. Ich spiele damit, entwickle sie weiter, nütze sie, um Ideen für größere Arbeiten auszuprobieren.

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