Whatsapp Dieser Newsletter verrät, wo Hilfe gebraucht wird

  • Viele, die sich sozial engagieren wollen, haben häufig keine Zeit für längerfristige Ehrenämter.
  • Die Agentur Tatendrang hat darum den Whatsapp-Newsletter "What's to do" gestartet. Bislang erfahren dadurch mehr als 700 Abonnenten von spontanen Hilfegesuchen.
  • Ziel der Agentur ist es aber weiterhin, vor allem feste Ehrenämter zu vermitteln: Nichts könne eine gewachsene Beziehung zwischen Menschen ersetzen.
Von Pia Ratzesberger

Die Nachricht kommt zum Beispiel an einem Freitag, um 11.54 Uhr. Für den morgigen Tag werden noch Leute gesucht, die mithelfen, einen Weidezaun zu reparieren, in einer pädagogischen Farm in der Stadt. Vorkenntnisse brauche man keine, nur drei Stunden Zeit - vor ein paar Wochen lasen diesen Aufruf in ihrem Nachrichtenfenster in Whatsapp mehr als 700 Leute. Am nächsten Tag war der Zaun repariert.

Ein Ehrenamt ist eigentlich eine verbindliche Sache, man übernimmt zum Beispiel eine Patenschaft oder einen Sprachkurs, und vor allem viele junge Menschen mit festem Job sagen dann "eigentlich würde ich ja gerne...". Doch die Zeit fehle. Auch bei der Agentur "Tatendrang" hörte man diese Antwort immer öfter, die Agentur ist sozusagen eine Partnerbörse für Ehrenamtliche, die Engagierte, die etwas tun wollen, mit Organisationen zusammenbringt, die Unterstützung brauchen.

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Vor einem Jahr hat man dort zusätzlich zu der Vermittlung von festen Ehrenämtern also begonnen, über Whatsapp einen Newsletter zu versenden. Ein- bis zweimal die Woche wird in disem bekanntgegeben, wo man sich engagieren kann, schnell und einmalig. Das kann die Weihnachtsfeier vom Seniorenheim sein, der Flohmarkt vom Jugendtreff, das Kinderschminken in der Kita.

"Man macht spontan und gemeinsam was. Den Wunsch hatten viele", sagt Renate Volk, eine der beiden Leiterinnen der Agentur im Lehel. Der Newsletter "What's to do" schafft im besten Fall ein Gefühl von Gemeinschaft in der Stadt, bringt Menschen zusammen, die sich sonst nicht kennenlernen würden. Peter Ruch zum Beispiel, von der Pädagogischen Farm mit dem kaputten Weidezaun, hatte auf seinem Hof schon öfter Helfer, die über den Newsletter zu ihm fanden.

Für einen Auftritt als Nikolaus meldete sich niemand

Zuletzt ein junger Italiener, mit dem habe er sich über die Partei "Cinque Stelle" unterhalten, den Populismus in Italien. Peter Ruch hatte für die Pause Wurst- und Käsebrote vorbereitet, im Nachhinein ganz witzig, sagt er, der junge Mann sei Veganer gewesen. Ruch hat bisher jedes Mal Helfer gefunden, zu 95 Prozent klappe das so schnell, heißt es bei Tatendrang. Nur bei sehr speziellen Gesuchen sei es manchmal schwierig, für einen Auftritt als Nikolaus vor ein paar Wochen habe sich zum Beispiel niemand gemeldet.

Mit allen Organisationen, die über den Newsletter suchen, arbeitet die Agentur fest zusammen. Alle Helfer, die den Newsletter auf ihr Handy bekommen, müssen vorher einmal bei Tatendrang vorbeigeschaut haben. "Bei Parship würden sie ja auch nicht jemanden daten, den die Agentur nie vorher gesehen hat", sagt Volk.

Das Ziel aber sei trotzdem, vor allem feste Ehrenämter zu vermitteln, eine gewachsene Beziehung zwischen Menschen könne nichts ersetzen und brauche nun einmal Zeit. "Wir wollen am Ende nicht 5000 Whatsapper haben, sondern am liebsten 5000 regelmäßige Freiwillige." Es sei aber schon oft vorgekommen, dass jemand über den Newsletter einmal mitgeholfen habe. Und anschließend immer wieder kam.

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