Kneipe Gärtnerplatzviertel "Netzer" Ein Freund, ein guter Freund

Das Netzer ist der gute Kumpel: entspannt, unverkrampft, feuchtfröhlich. Auf jeden Fall für jeden Spaß zu haben. Bekanntschaften zu schließen, ist nirgendwo so einfach, wie in der kultigen Eckkneipe.

Von Lisa Meyer

Dreitagebart, klein und durchtrainiert. Eine dunkelbraune Lederjacke, abgewetzt an den Ellenbogen. Ein verschmitztes Lausbubengrinsen, in der Hand ein Helles, zum Prosten erhoben. So würde das Netzer aussehen, wäre es ein Kerl. Erst lässiges Kopfnicken und Kniewackeln zu Metallica, später die Arme um die Schultern der Freunde gelegt, lautstark grölend. So würde das Netzer feiern, würde man ihm beim Weggehen über den Weg laufen.

Das Netzer in der Baaderstraße ist der gute Kumpel: entspannt, unverkrampft, feuchtfröhlich. Auf jeden Fall für jeden Spaß zu haben. Mit ihm erlebt man legendäre Abende, mit ihm trifft man die lockersten Typen. Das Netzer ist extrovertiert und kontaktfreudig, trinkfest und ein Fan gepflegter Rockmusik. Äußerlich unscheinbar, hat es das Netzer doch faustdick hinter den Ohren.

Geht man in die Eckkneipe, fühlt man sich auch als Neuling gleich aufgehoben unter Gleichgesinnten. Die Atmosphäre im Netzer ist wie die einer WG-Party mit Freunden und Bekannten. Das liegt nicht wie in anderen Clubs oder Kneipen an einem immer gleichen Stammpublikum. Auch wenn man die anderen Gäste noch nie zuvor gesehen hat, tut das der Stimmung keinen Abbruch - jeder ist hier willkommen. Entziehen kann sich keiner, schon alleine wegen der Größe des gedrängt vollen Raumes, die es nicht zulässt, sich abzusondern.

Von der Wand des fensterlosen Raumes grinst ein junger Günther Netzer auf die feiernde Menge, die ebenfalls jung oder zumindest jung geblieben ist. Dem einstigen Fußballidol ist mit dem Netzer ein lebhaftes Denkmal gesetzt. Das orange-rote Licht, die "sportliche" Dekoration und einfache Ausstattung schaffen ein Wohnzimmerflair, das an die Junggesellenbude eines Studenten erinnert. Nur wenige kennen sich, doch dauert es nie lange, bis aus Einzelgruppen eine große Gemeinde wird.

Ein Freund, ein guter Freund

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