Nazi-Bau Zuschauertribüne am Flughafen Riem rottet vor sich hin

Das Bauwerk ist einsturzgefährdet. Deshalb soll zumindest die Rückwand auf einer Länge von 105 Metern stabilisiert werden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Zuschauertribüne am früheren Flughafen in Riem verfällt zusehens.
  • Nun muss der Stadtrat darüber abstimmen, was mit dem Denkmal geschehen soll.
  • Die Nationalsozialisten hatten die Tribüne einst für ihre Flugshows gebaut.
Von Heiner Effern

Der Traum vom Fliegen will sich nicht mehr einstellen beim Anblick dieser Betonbrocken unter gelblich-braunem Grasgewächs. Krüpplige Nadelbäume, Birken und allerlei Flechten wachsen auf diesen Stufen, von denen einst Fernwehgetriebene und Technikfans diese neuen Wunder der Ingenieurskunst beim Starten und beim Landen beobachteten.

Was aus dem ehemaligen Flughafengelände wird

Das Gelände lag zehn Jahre brach, nun sollen Tribüne und Kopfbau des Flughafens in Riem saniert werden. Die Stadt sucht einen Wirt, bis der einzieht muss noch einiges getan werden. Von Renate Winkler-Schlang mehr ...

Geht man näher ran an die Besuchertribüne des früheren Flughafens in Riem, stößt man auf einen in einem Graben gebauten Zaun, an dem ein Schild warnt: "Achtung Einsturzgefahr!" Am Ende des Zauns steht ein leeres Gebäude, die Rückseite der vier Meter hohen Tribüne bröckelt und bröselt auf ihrer vollen Länge von etwa 500 Metern. Hier sichert ein mobiler Bauzaun die Anlage, die derzeit wohl den Preis für das verfallenste Denkmal Münchens mühelos gewinnen würde.

Das verfallenste Denkmal der Stadt

Dass es sich um solches handelt, verbirgt die Stadt als Eigentümerin vor Anwohnern und Passanten bis heute durch einen konsequenten Verzicht auf Schilder und Hinweistafeln. In der Liste des Denkmalschutzes wird die Tribüne neben den noch erhaltenen Tower und der Wappenhalle dennoch als dritte Zeitzeugin für den früheren Münchner Flughafen angeführt: "Rest der Zuschauertribüne mit abschließender Kassenhalle, erdgeschossiger Flachdachbau, sämtlich aus Nagelfluh", heißt es dort. Am kommenden Donnerstag soll der Stadtrat im Kommunalausschuss entscheiden, wie es weitergeht mit dem Denkmal, dessen Sinn sich nicht jedem gewählten Bürgervertreter erschließt.

Zu dieser Gruppe gehört Alexander Reissl, Fraktionschef der SPD. Er hält eine Zuschauertribüne und ein ehemaliges Kassenhaus nicht unbedingt für die idealen steinernen Zeugen eines Flughafens. "Hochgradig verkopft" findet er es, solch marginalen Randbauten von früher eine so zentrale Bedeutung für die Zukunft zu geben. "Hier erklärt der Denkmalschutz ein Bauteil für heilig, das mit dem Flughafen nichts zu tun hat. Ich habe noch nicht viele getroffen, die viel Verständnis dafür haben", sagt Reissl.

In den Fünfzigerjahren wurde die Tribüne am Riemer Flughafen noch genutzt, hier bei einem Motorradrennen.

(Foto: Wulf Diether Graf zu Castell/FMG)

Vielleicht eine Minimallösung?

Getroffen hat der SPD-Fraktionschef in den vergangenen Tagen in der Causa Zuschauertribüne aber seinen CSU-Kollegen Hans Podiuk. Der zeigt wie Reissl keine große Lust, für das Denkmal in Riem mehr Geld als unbedingt nötig auszugeben, doch pauschal für Unsinn erklären will er es nicht. Er verpackt die Minimallösung, auf die sich die Rathausmehrheit wohl verständigen wird, in Politikerwatte. "Du musst die Leute mitnehmen", sagt Podiuk. Er meint die Menschen, die sich in Riem eine Sanierung und Nutzung der Tribüne wünschen.

Allerdings macht er diesen auch gleich klar, wohin er sie nicht mitnehmen wird: "Für Wunschträume wird das Geld nicht reichen." Dazu gehören eine groß angelegte Sanierung inklusive Nutzung durch die Anwohner. Und wohl auch ein schon konkret geplantes Kunstwerk, das auf der Tribüne installiert werden soll.