Restaurant "Nam Giao 31" Eine Schiefertafel voller Verheißungen

Der Gastraum ist klein, die Küche gut: Das Nam Giao 31 ist seit fünf Jahren erfolgreich.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Nam Giao 31 ist ein kleines, aber feines vietnamesisches Lokal mit moderaten Preisen. Dass es bisweilen eng wird, nehmen die Gäste gerne in Kauf.

Von Karl-Heinz Peffekoven

Die Kinder, die Peffekoven zu Testzwecken gerne mitführt, sagen nicht: Lass uns was bestellen beim Pizza-Blizza (das Wort lieben sie vom Ritter Rost und dem Burgfräulein Bö). Sie rufen nicht wie ihre Freunde, deren Essgewohnheiten an die des Warans erinnern: Alter, ey, lassma Döner holen. Sie wollen nicht einmal mehr Spätzle mit Bratensoße, in Anerkennung des Umstands, dass sich derlei nur weit entfernt bei der Oma mit Genuss und ohne körperliche Folgeschäden essen lässt. Sie, die Kinder, sagen: Au ja, lass uns zur Vietnamesin gehen.

Diese Vietnamesin, als Kind nach Deutschland gekommen zur Zeit der "Boat People" Ende der Siebziger, regiert das Nam Giao 31 in der Maistraße, gleich neben der Frauenklinik, mit fester, aber gerechter Hand. Der Raum ist so klein, dass man sich wundert, wie viele Gäste trotzdem hineinpassen. Trotzdem ist er sehr gemütlich mit seinen bunten Lampen und der großen Schiefertafel voller kulinarischer Verheißungen und der coolen, jazzigen Hintergrundmusik.

Die Auswahl an Vietnamesen im Glockenbach ist groß

Wer freilich seiner Begleiterin eröffnen möchte, dass keine andere Frau mehr in seinem Leben (oder gerade doch eine andere) infrage kommt und so weiter, sollte vielleicht einen etwas diskreteren Ort aufsuchen - dafür sitzt man unter Umständen etwas eng. Außerdem vergibt das Lokal einen Tisch am Abend gerne zwei Mal, was den Gast daran hindert, bei einem Saigon-Bier noch die eine oder andere Stunde zu verweilen. Diese Mehrfachbelegung amerikanischer Art mögen Puristen als Unsitte bezeichnen, im Nam Giao kommt sie eher einer Empfehlung gleich: Die Leute essen gerne hier, viele wollen einen Platz, und er ist nun mal begrenzt.

Im Reich der Düfte

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Mehrere vietnamesische Restaurants haben sich in den vergangenen Jahren hier im Glockenbachviertel angesiedelt, die Konkurrenz ist überraschend groß, wenn man bedenkt, dass es in etlichen Städten keinen einzigen Vietnamesen gibt. Diese Küche, mit dem Schwerpunkt auf Frische, Leichtem und schnellem Heißgebratenem, unterschiedet sich von der chinesischen doch recht stark, für unsere fernöstlichen Leser: wie ein rheinischer Sauerbraten von einer Münchner Schweinshaxe.

Die Vietnamesen-Palette im Glockenbach reicht von rascher Abfütterung zu sehr lohnenden Erlebnissen fernöstlicher Küche - und das Nam Giao, das es seit fünf Jahren gibt, gehört ohne Zweifel zur Kategorie der Lohnenswerten.

Die Rindfleischsuppe ist ein kleines Meisterwerk

In der Tat: Unter den Vorspeisen stach ein köstlicher, pikanter Meeresfrüchtesalat heraus, der nur dezent, aber fein nach Meer schmeckte. Wunderbar waren auch die Frühlingsrollen, die man in Reispapier selber wickelt, und noch mehr schmeckten die in leichtem Kräutermantel umwickelten Hackfleischbällchen als Vorspeise, zu dippen in scharfe rote Chilisoße.

Noch erfreuter war Peffekoven über Pha Bo, die herrliche Rindfleischsuppe, eine der Standards der vietnamesischen Küche, die es darum auch als Hauptspeise gibt - ein kleines Meisterwerk mit frischen Kräutern wie Koriander, festen Frühlingszwiebelringen, würzigen Fleischstücken und von Qualität zeugenden winzigen Fettaugen auf der Oberfläche. Wer sich zittrig fühlt oder krank, dem kalten Jahresbeginn trotzen will oder muss: Mit dieser heißen Suppe macht man nichts falsch.

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Bei den Hauptspeisen überzeugte auch Banh canh Xao - dicke, typische vietnamesische Reisnudeln mit Garnelen und Rindfleisch aus dem Wok, leicht scharf. Man fühlt sich nachher wohl, satt und doch nicht übervoll. Ein ähnlicher Volltreffer: Knuspriger Loup de Mer mit gebackenem Wok-Gemüse und frischem grünem Pfeffer. Die Ente war knusprig, fest, mit feinen Kräutern wie Minze zubereitet.

Anders als die anderen Gerichte kam sie, rätselhafterweise, bei Peffekovens Besuchen stets in solchen Mengen, dass er das meiste davon mit nach Hause nahm. Ähnlich die wechselnden Platten nach dem Motto "von allem etwas". In der Masse muss die Güte nicht verfliegen, kann sie aber - also lieber einzelne Gerichte wählen!

Selbst der richtige Wein zum Essen wird ausgesucht

Da die Fastenzeit naht: Als Aperitif oder Absacker gibt es hier auch Mocktails nach Saigon-Art, Cocktails ohne Alkohol. Peffekovens Begleiter sagten a) "unerträglich süß-saurer Stoff" oder b) "lecker hier, zitronig, herb, frisch, besser geht es nicht an heißen Tagen!" Wunderbar, jedenfalls vor oder nach der Fastenzeit, auch das Xoi Xoai, dicker Klebreis mit frischer Mango und Kokosmilch.

Wer davon nicht satt wird, der wird es nimmermehr. Übrigens: Anders als in vielen asiatischen Restaurants haben die Betreiber einige Mühe darauf verwandt, den richtigen Wein zu ihrem Essen auszusuchen: einen runden, etwas schweren, aber nicht zu aufdringlichen Chardonnay Glenwood aus Südafrika.

Fazit: Ein wirklich authentischer Vietnamese mit Charme und Preisen im (Münchner) Mittelfeld. Der Service ist sehr nett, eine Reservierung sei empfohlen.

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