Von Marco Völklein

Bahn-Nutzer müssen künftig mehr für den Nahverkehr ausgeben: Der MVV hebt die Preise für Fahrkarten im Dezember an. Doch nicht alle Tickets werden teurer. Wer künftig stärker zur Kasse gebeten wird - ein Überblick.

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) hebt die Preise für die Fahrkarten im öffentlichen Nahverkehr auch in diesem Jahr an: Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 steigen die Fahrscheintarife um durchschnittlich 2,3 Prozent. Das beschlossen am Freitag die MVV-Gesellschafter einstimmig.

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Bahnfahren wird teurer: Der MVV erhöht die Preise im Nahverkehr. (© Stephan Rumpf)

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Dem Gesellschafterkreis gehören neben der Stadt München noch der Freistaat sowie Vertreter der acht Landkreise an, in denen der MVV Buslinien betreibt. Im vergangenen Jahr hatte der MVV die Preise um 2,8 Prozent angehoben.

Trösten können sich die Fahrgäste immerhin damit, dass zumindest die Preise für Einzelfahrkarten, für die Streifenkarte sowie für die Fahrrad-Tageskarte in diesem Dezember unverändert bleiben. Bei den Tageskarten für Einzelpersonen und Gruppen steigen die Tarife um durchschnittlich ein Prozent.

Wesentlich kräftiger zur Kasse gebeten werden dagegen die Nutzer von Wochen- und Monatskarten - somit die Stammkunden des MVV. Sie müssen künftig im Durchschnitt 3,2 Prozent mehr bezahlen. So steigt der Preis für die meist genutzte Monatskarte für zwei Ringe um 1,50 Euro auf 46,40 Euro - also sogar überdurchschnittlich um 3,3 Prozent.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bezeichnete die Anhebung in diesem Jahr als "sehr moderat". Andere Verkehrsverbünde würden zum Teil deutlich mehr von den Fahrgästen verlangen, erklärte der OB, der der Gesellschafterversammlung vorsteht. Nach einer Aufstellung des MVV verlangt zum Beispiel der Kölner Verbund vom kommenden Januar an 3,4 Prozent mehr, die Erhöhung im Verkehrsverbund des Großraums Rhein-Ruhr betrage 3,9 Prozent.

Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, die Erhöhungen seien "aus Fahrgastsicht enttäuschend". Insbesondere bei der Zuverlässigkeit und der Servicequalität hätten die Münchner Verkehrsunternehmen nach wie vor Defizite - "bei U-Bahn, Tram und Bus zwar weniger als bei der S-Bahn, dennoch lässt die Politik die Verkehrsunternehmen einfach machen, was sie wollen". Der Freistaat, der die Leistungen der Münchner S-Bahn bestellt und zum Großteil bezahlt, sei aufgefordert, entsprechende Verbesserungen einzufordern.

Wie schwer der Freistaat in diesem Punkt vorankommt, zeigt ein Blick auf die S 4 im Münchner Westen: Am Donnerstag hatte Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) erklärt, auf der stark frequentierten Linie von Dezember an längere Züge fahren zu lassen. Tatsächlich allerdings rollt künftig werktäglich nur ein Zug morgens mit drei statt zwei Wagenteilen.

Zudem werden an den Freitagnachmittagen drei Züge verlängert. Für weitere Verbesserungen fehlen der Bahn die Züge vom Typ ET 423, die nicht mehr gebaut werden. Der Bund Naturschutz und der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr bewerteten das als "Lachnummer" und als "Trostpflaster".

Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste kritisierte die Erhöhungen und forderte "100 Prozent Leistung bei 100 Prozent Fahrpreis". Ihn wurmen zum einen die ständigen Störungen und Zugausfälle bei der S-Bahn, zum anderen fordert er, dass die Trambahnen täglich bis 22 Uhr im Zehn-Minuten-Takt fahren.

Am Donnerstag, also einen Tag vor dem Beschluss der Tariferhöhung, hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) eine "Angebotsoffensive Bus" verkündet. "Ein taktisch geschickter Schachzug", befand Nagel. Die Offensive sieht vor, dass künftig auf insgesamt 22 Buslinien zusätzliche oder größere Fahrzeuge rollen - allerdings nicht auf der im vergangenen Dezember verkürzten Linie 50 in Moosach. Deren Wiederinbetriebnahme forderte Nagel erneut.

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(SZ vom 24.09.2011/tob)