Nahverkehr Uralt-Züge sollen Münchner S-Bahn-Angebot verbessern

Der erste ET 420 ist nur noch als Museumszug unterwegs, weitere 15 Fahrzeuge wurden zuletzt für mehrere Millionen Euro aufgehübscht.

(Foto: Robert Haas)
  • 20 bis 30 Züge des alten Typs ET 420 sollen in München zum Einsatz kommen.
  • Zunächst aber müssen sie aufgerüstet werden, um auf der Stammstrecke verkehren zu dürfen.
  • Bisher setzt die Bahn die alten Züge unter anderem zwischen Dachau und Altomünster ein.
Von Marco Völklein

Seit 2014 sind die alten Bekannten wieder zurück: Insgesamt 15 Züge des alten Typs ET 420 hatten die Chefs der S-Bahn damals von ihren Kollegen in Stuttgart beschafft und für sechs Millionen Euro aufmöbeln lassen. Nun setzt die Bahn die Fahrzeuge unter anderem auf der Strecke Dachau-Altomünster ein.

Wenn es nach dem Freistaat geht, soll dieses Beispiel bald Schule machen: Etwa 20 bis 30 Fahrzeuge dieses Typs aus den Siebzigerjahren sollen in den kommenden Jahren nach München kommen. Das kündigte Johann Niggl, Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), an.

Die BEG, eine Gesellschaft des Freistaats, bestellt, organisiert und bezahlt den Schienennahverkehr in Bayern. Man stehe "in engem Kontakt" mit der Deutschen Bahn, um weitere 420er-Züge an die Isar zu holen, sagte Niggl. Mit denen sollen dann zusätzliche Fahrten im S-Bahn-System angeboten werden oder aber die bereits eingesetzten Züge verlängert werden.

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Immer wieder fordern Fahrgastverbände und Politiker, dass die S-Bahn die Zahl der Waggons erhöht. Dies scheiterte bislang daran, dass die Züge der Baureihe ET 423, die Anfang des Jahrtausends die alten 420er in München abgelöst hatte, nicht mehr gebaut werden.

Die Züge müssen zunächst aufgerüstet werden

Unbegrenzt viele 420er kann die Bahn aber auch nicht nach München holen: Denn die alten Züge sind nicht mit einer "Linienzugbeeinflussung" (LZB) ausgerüstet. Diese Technik ist aber Voraussetzung dafür, dass die Bahn insbesondere zu Hauptverkehrszeiten möglichst viele Züge durch den Innenstadttunnel schleusen kann. Deshalb fahren die 420er bisher dort auch nicht.

Niggls erklärtes Ziel ist es, die ET 420 mit der LZB aufrüsten zu lassen. Dies ist seiner Aussage nach "zulassungsrelevant". Bei DB-Managern schrillen da die Alarmglocken. Denn das Eisenbahnbundesamt (EBA) müsste diese Züge prüfen und abnehmen. Und solche Prüfungen können sich über Monate, manchmal Jahre hinziehen - während dieser Zeit könnte das EBA die Züge komplett aus dem Verkehr ziehen.

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Unter anderem deshalb haben die Chefs der S-Bahn von einer LZB-Aufrüstung auch bislang stets die Finger gelassen. Und deshalb tritt auch Niggl leicht auf die Bremse: Zusätzliche ET 420-Züge nach München zu holen, das werde "wohl nicht in den nächsten zwei Jahren geschehen".