Interview: Michael Ruhland

Regen, Kälte, schlechte Laune: Diplom-Meterologe Volker Wünsche verrät, ob sich das Warten auf den Sommer trotz Dauerregen lohnt.

München, 11 Grad Celsius, leichter Regen. Zugspitze, Schneefall, -5 Grad: Unter dem Sommeranfang stellt sich der sonnenhungrige Mitteleuropäer etwas anderes vor. Volker Wünsche, Diplom-Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst erklärt, warum der Juni ein unsicherer Kandidat ist.

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Volker Wünsche, Leiter der Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes in München, verspricht sommerliche Temperaturen am Wochenende. (© Foto: oh)

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SZ: Pünktlich zum Sommeranfang muss man die Winterjacke aus dem Schrank holen. Manch einer argwöhnt, dass der Sommer im April stattgefunden hat. Gibt es Hoffnung auf Besserung?

Volker Wünsche: Durchaus. In der zweiten Wochenhälfte gibt es einen deutlichen Temperaturanstieg. Am Freitag rechnen wir mit 20 bis 24 Grad Celsius, am Wochenende ist es dann sommerlich warm mit 25 bis 29 Grad. Allerdings wird es keine trockene Hitze sein, sondern sehr schwüle Luft. Am Nachmittag und in den Abendstunden kann es deshalb Schauer und heftige Gewitter geben.

SZ: Der Juni 2008 war auch nicht gerade sommerlich. Ist der Monat ein besonders wankelmütiger Wetterkandidat?

Wünsche: Es kommt in der Tat öfters vor, dass im Juni Kaltluft bis zu uns vorstößt. Das Phänomen ist mit den Eisheiligen im Mai vergleichbar, der Volksmund sagt Schafskälte dazu. Bis zum Montag liegen wir mit der durchschnittlichen Monatstemperatur um etwa ein halbes Grad unter dem langjährigen Mittel. Der diesjährige Juni ist also bisher etwas zu kalt.

SZ: Deutschland ist augenblicklich wettertechnisch zweigeteilt. Vor allem im Nordosten sorgt ein Hoch für zumindest frühlingshafte Temperaturen. Wo bleibt das Azorenhoch?

Wünsche: In den letzten Tagen ist ein Tief mit recht feuchtkalter Luft von den Britischen Inseln ganz langsam nach Mitteleuropa und bis an die Adria gezogen. Nördlich davon schließt sich eine Hochdruckzone an. Allein durch den Sonnenschein ist es also beispielsweise in Berlin deutlich wärmer. Ein Azorenhoch ist für Süddeutschland leider nicht in Sicht.

SZ: Ein Tiefdruckwirbel, der sich im Mittelmeergebiet wie ein Schwamm vollsaugt und sich bei uns abregnet, schürt Ängste. Solche Wetterlagen haben schon zu schweren Hochwassern geführt. Besteht die Gefahr augenblicklich?

Wünsche: Am Rande des Tiefs kommt tatsächlich feuchtwarme Luft über den Balkan zu uns, allerdings nur in den höheren Luftschichten. Was wir davon zu spüren bekommen, sind daher nicht die wärmeren Temperaturen, sondern gebietsweise starke Regenfälle gerade auch im bayerischen Alpenraum. Es wird aber keinen tagelangen Dauerregen geben, so dass wohl nur kleinere Flüsse kurz mal stark anschwellen können.

SZ: Hubert von Goisern vergleicht das Wetter in einem Lied mit der Liebe. Man müsse es nehmen, wie es kommt. Sind Wetterpropheten Quacksalber?

Wünsche: Ja. Bis zu einer Woche sind Wetterprognosen möglich, alles andere ist reine Spekulation. Bis zum 3. Tag haben wir immerhin eine Trefferquote von 95 Prozent, vom 4. bis 7. Tag liegen wir bei 60 bis manchmal 70 Prozent.

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(SZ vom 23.06.2009/sus)