Nachfolge auf der Wiesn Krätz geht, Able soll kommen

Auf dem Frühlingsfest übernimmt die Familie von Sepp Krätz das Hippodrom.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Sepp Krätz verliert seine Schanklizenz. Am Montag entscheidet der Stadtrat über seinen Nachfolger auf der Wiesn. Wenn es nach dem neuen Oberbürgermeister Dieter Reiter geht, dann heißt er Siegfried Able. Doch das sorgt für Unmut.

Von Katja Riedel und Franz Kotteder

Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung steht Wiesnwirt Sepp Krätz vor dem endgültigen Aus als Gastronom. Die Landeshauptstadt München hat Krätz die Schanklizenz entzogen. Krätz darf damit in München keine Gastwirtschaft mehr betreiben. Ob er auch seine Konzession für die Waldwirtschaft Großhesselohe verliert, steht noch nicht fest. Darüber entscheidet das Landratsamt München in den nächsten Wochen.

Das Münchner Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat Krätz am Mittwoch einen Bescheid zugestellt, dass seine Gaststätte "Andechser Am Dom" zum 1. Juni geräumt sein muss. Doch ob Krätz wirklich Kisten packen muss, ist unklar. Denn es ist denkbar, dass Krätz' Frau und Schwester den Betrieb übernehmen - so wie es beim Frühlingsfest im Hippodrom, dem Festzelt von Krätz, praktiziert wird.

Mildes Urteil, harte Folgen

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Zwar gäbe es bisher noch keinen Antrag, sagte Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle, seine Behörde habe aber "kein Interesse, dass der Andechser am Dom zu ist - an unserer Konzession soll es dann nicht fehlen", sagte Blume-Beyerle. Einen Antrag der beiden Krätz-Verwandten würde das KVR möglichst vor dem ersten Juni behandeln, "wir wollen dann nicht bis Weihnachten prüfen", sagte Blume-Beyerle. Sichergestellt werden müsste aber, dass Sepp Krätz selbst keinen Einfluss mehr auf den Betrieb hat. Dies sei auch gut überprüfbar, sagte Blume-Beyerle, die Stadt lasse sich hier "nicht für dumm verkaufen".

Schon für das Frühlingsfest, bei dem nun die beiden Verwandten mit ihrer Firma das Hippodrom übernommen haben, hatte Krätz eine persönliche Erklärung abgegeben. In dieser habe er bekräftigt, sich jeglicher Einflussnahme zu enthalten. Ließe sich ein Verstoß gegen diese Auflage feststellen, würden auch die Krätz-Nachfolger ihre Zuverlässigkeit als Wirte aufs Spiel setzen. "Ich gehe davon aus, dass Herr Krätz sich an seine Zusage hält", sagte der KVR-Chef.

Reiter will Able

Weil Krätz nun kein Wirt mehr ist, scheidet er als Kandidat für die Wiesn mit seinem Hippodrom ohnehin aus. Im Internet versucht die Familie Krätz gerade aber dennoch, mit einer Online-Petition das Hippodrom auf der Wiesn zu erhalten. Mehr als 1400 Unterstützer hatten bis Mittwochabend für den Erhalt des Zelts gestimmt. Am kommenden Montag wird der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft Sepp Krätz' Nachfolger in nichtöffentlicher Sitzung benennen. Und wenn es nach dem Wirtschaftsreferenten und neugewählten Oberbürgermeister Dieter Reiter geht, dann heißt dieser Siegfried Able.

Gerangel um die Krätz-Nachfolge

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In der schriftlichen Sitzungsvorlage empfiehlt Reiter als eine seiner letzten Amtshandlungen als Referent und Wiesnchef den 49-jährigen Able als Wirt für ein neues Zelt anstelle des Hippodroms. Able, der den See-Biergarten Lerchenau und den "Eiszauber" am Stachus betreibt, hatte bisher schon mit der "Kalbskuchl" ein kleines Wiesnzelt, sich nun aber nur für ein großes beworben.

Dies sorgt im Stadtrat für Unmut, weil Able sich seiner Sache schon bei der Ausschreibung sehr sicher gewesen zu sein scheint - schließlich stünde er ja ganz ohne Wiesnzelt da, bekäme ein anderer den Zuschlag. Das sieht nun nicht danach aus, denn laut Vorlage hat Able in einem komplizierten Bewertungsverfahren die meisten Punkte erhalten. Diese Wertung ist nicht sehr transparent. "Das hat die Verwaltung wohl auch ganz gerne so", sagt ein Stadtrat. So wird es sicher noch einige Nachfragen geben - nicht nur der Opposition. "So eine punktgenaue Bewerbung, das kann man schon etwas merkwürdig finden", sagt etwa Richard Quaas (CSU).