Tödliche Schüsse im Polizeirevier Landeskriminalamt ermittelt

Er litt unter Verfolgungswahn und soll auch schon mit einer Machete herumgelaufen sein - aber mussten die Beamten den 73-jährigen Angreifer erschießen? Nach den tödlichen Schüssen auf einen psychisch kranken Mann in einem Starnberger Polizeirevier sind viele Fragen offen.

Von Christian Deussing, Starnberg

Nach den tödlichen Schüssen auf einen psychisch kranken Mann am Freitagnachmittag in der Starnberger Polizeiwache wollen jetzt die Staatsanwälte und Ermittler klären, ob die Polizisten auf den 73-Jährigen tatsächlich schießen mussten. Es müsse geklärt werden, ob etwa eine Notwehrsituation bestanden habe, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidereich.

Die Ermittlungen hat inzwischen das Landeskriminalamt (LKA) übernommen. Nach SZ-Informationen hatten die erfahren Beamten - darunter der Inspektionsleiter Norbert Reller - insgesamt sieben oder acht Schüsse auf den Rentner in einem Flur abgegeben. Er wurde dabei auch in den Beinen getroffen.

Dem Vernehmen nach hatte Heinrich W. unter Verfolgungswahn gelitten. Er stand wegen "paranoider Schizophrenie" unter Betreuung. Noch ist unklar, warum der Starnberger den Vorraum der Wache mit einem 26 Zentimeter langen Küchenmesser betrat. Dies hatten Polizisten hinter ihrem Panzerglas bemerkt und alarmierten sofort ihren Chef.

Der eilte als erster mit zwei Kollegen zur Seitentür und öffnete sie. Der Mann weigerte sich, sein Messer niederzulegen, stürmte aber plötzlich "unter Vorhalt des Messers" auf den Beamten zu, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Ein Pfefferspray habe bei dem Angreifer keine Wirkung gezeigt.

Die Leiche des Mannes ist mittlerweile obduziert worden, das Ergebnis soll an diesem Montag mitgeteilt werden. Inzwischen ist auch der Tatort in der Wache mit einer 3-D-Kamera abfotografiert worden, denn der Ablauf der Messerattacke und der einzelnen Schüsse aus den Dienstpistolen wollen die LKA-Ermittler akribisch rekonstruieren. Auf Anfrage sagte der 64-jährige Starnberger Polizeichef, dass er zu dem Vorfall gegenüber der Presse keine Aussagen machen dürfe.

Der Betreuer von Heinrich W. war am Wochenende nicht zu erreichen. Aktenkundig ist jedenfalls, dass der 73-Jährige bereits mehrfach in Starnberg mit seiner Aggressivität aufgefallen und auch mit einer Machete herumgelaufen war. Dies wussten aber die betreffenden Beamten offenbar nicht. Die Identität des Mannes konnte erst Stunden nach seinen Tod festgestellt werden, so ein Polizeisprecher.

Erschüttert zeigt sich auch der Starnberger Landrat Karl Roth (CSU) von dem Geschehen. Das sei sicher "wahnsinnig belastend für die Beamten", sagte Roth, der selbst viele Jahre bei der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck gewesen war.