Nach Sexismusvorwürfen Messe-Geschäftsführer muss gehen

Er soll seine Assistentin jahrelang sexuell belästigt haben, jetzt haben ihn die Gesellschafter der Messe München von seinen Aufgaben entbunden. Bei dem Mann soll es sich um ein Mitglied der Geschäftsführung handeln.

Die Gesellschafter der Messe München haben sich am Donnerstagvormittag darauf verständigt, den leitenden Mitarbeiter, der seine Assistenten jahrelang sexuell belästigt haben soll, mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden. Das teilten die Stadt München und das bayerische Wirtschaftsministerium schriftlich mit. Demnach handelt es sich bei dem Mann um ein Mitglied der Geschäftsführung. Er habe sich mit dem Schritt jetzt einverstanden erklärt.

Der beschuldigte Geschäftsführer wird also nicht an seinen Schreibtisch zurückkehren - genauere Auskünfte wollten die Gesellschafter aber nicht geben. Die Formulierung deutet darauf hin, dass der Mann weiterhin bezahlt wird, bis beide Seiten sich über die Bedingungen einig sind, zu denen sein Ende 2014 auslaufender Vertrag vorzeitig aufgehoben wird. Das Finanzministerium bestätigte, dass entsprechende Verhandlungen folgen. Messe-Chef Klaus Dittrich sagte, er begrüße es, dass die Gesellschafter einvernehmlich zu einer Entscheidung wegen des Fehlverhaltens gekommen seien.

Die Vorwürfe gegen den Mann sind gravierend: Mit vulgären Sprüchen, aber auch körperlich soll er seine Mitarbeiterin belästigt haben. So soll er die Assistentin auf seinen Schoß gezogen und ihr an den Po gefasst haben, gerne mit jovial anzüglichen Sätzen. Sein neues Haus sei sein "Liebesnest", tat er nach Angaben der Mitarbeiterin kund, "der Viagra-Ständer steht schon". Wenn es auf Dienstreise ging und sie ein Hotel buchte, sagte er schon mal, sie solle ihm "eine Schwarze oder Braune zubuchen". Die Mitarbeiterin spricht von jahrelangem Psychoterror. Sie wird als äußerst glaubwürdig eingeschätzt.

Im Sommer 2012 hatte sie mit Klagen über sexuelle Belästigung Hilfe bei einem Ombudsman gesucht. Messe-Chef Dittrich schaltete daraufhin die Gesellschafter ein, diese ließen die Vorwürfe untersuchen - und mahnten den Vorgesetzten noch während des laufenden Verfahrens ab. "Er hatte während der Untersuchungen Mitarbeiter vorgeladen und versucht, sie zu entlastenden Aussagen zu bewegen oder belastende Aussagen zurückzuziehen", begründet Oberbürgermeister Christian Ude den ungewöhnlichen Schritt. In seinen Augen zeigt dies einen "Mangel an Sensibilität und Stilgefühl der Führungskraft".

Im Stadtrat hatte Ude von einer "bedrückenden Vielzahl" von Fällen gesprochen. Bereits im Jahr 2005 sei eine andere Mitarbeiterin von demselben Vorgesetzten sexuell belästigt worden. Als Aufsichtsratschef der Messe hätte er eine fristlose Kündigung "angemessen und begrüßenswert" gefunden, erklärte Ude. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hatte am Mittwoch die defensive Haltung der Gesellschafter verteidigt: "Die anderen Gesellschafter, zu denen ich als Aufsichtsratsvize übrigens nicht gehöre, kamen zu der Einschätzung, man könne das Risiko, das eine Klage mit sich bringen würde, nicht eingehen."

In der aktuellen Mitteillung von Stadt und Ministerium heißt es nun: "Gemeinsam und übereinstimmend stellen die Teilnehmer des Gesellschaftergesprächs (OB Christian Ude, zugleich als Aufsichtsratsvorsitzender, Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer für den Freistaat Bayern, HWK-Präsident Heinrich Traublinger, IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen und Wirtschaftsminister Martin Zeil als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats) fest, dass es in der Bewertung des Sachverhalts, auf den mit Abmahnungen reagiert wurde, und bei der Bewertung der Prozessrisiken keinerlei Meinungsverschiedenheiten im Gesellschafterkreis gegeben hat, sondern dass dies nur bei Fragen der Vorgehensweise der Fall war."