"Die politischen Wogen schlugen zu hoch": Die LMU sagt ein Symposium über den Islam ab, nachdem die Einladung eines Hardliners für harsche Kritik gesorgt hat.
Das von Menschenrechtsgruppen und jüdischen Vertretern scharf kritisierte Theologentreffen mit drei iranischen Islamgelehrten in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wird abgesagt. "Die politischen Wogen schlugen zu hoch", sagte der Münchner Dogmatik-Professor Bertram Stubenrauch am Dienstag. Der Mitveranstalter der eigentlich für Mittwochabend geplanten Tagung bedauerte zugleich die Absage. Die Universitätsleitung stellte sich hinter diese Entscheidung der katholisch-theologischen Fakultät.
Eigentlich sollte in der LMU am Mittwoch ein Symposium über den Islam stattfinden. Die Gästeliste sorgte jedoch für harsche Kritik. (© Foto: Hess)
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Nathan Kalmanowicz, Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München, hatte am Dienstagvormittag "eine Ausladung der Emissäre dieses Regimes" verlangt. "Fehler rechtzeitig zu erkennen und zu korrigieren, ist ein Zeichen von Größe. Fehler dennoch zu begehen, ist ein Zeichen von Feigheit und Kapitulation von dem Bösen", sagte Kalmanowicze in Richtung der Veranstalter, zu denen die katholische Benedictus-Stiftung gehört.
Der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin, hatte auf die Verflechtung der Eingeladenen mit dem iranischen Regime und Präsident Mahmud Ahmadinedschad verwiesen, der mehrfach die Vernichtung des Staates Israel gefordert hat. Die Geschäftsführerin der in München ansässigen deutschen Sektion von Christian Solidarity International (CSI), Ingrid Seigis, hatte kritisiert: "Sich mit Vertretern dieses Regimes am 60. Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu treffen, das ist Hohn."
(sueddeutsche/ddp/af)
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Beeindruckend welch freie Geisteshaltung hier an den Tag gelegt wird.
Erinnert doch sehr an die jü dischen Campus-Watch-Programme in den USA mit denen von voirneherein ein Klima der Bespitzelung und Angst vor freier, eventuell auch einmal kritischen Meinungsäusserung erzeugt werden soll.
Was Meister Nathan hier vergisst, ist, dass die Realität nicht verschwindet, nur weil man den Kopf in den Sand steckt.
PS: Würde mich interessieren, ob eine Diskussion mit Avigdor Liebermann in den Augen des Herrn Nathan K... gestattet wäre?
Der Schluss des Berichts lautet: "Sich mit Vertretern dieses Regimes am 60. Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu treffen, das ist Hohn.
Sollte dies nun Doppeldeutig gemeint sein??? Diese Woche kann man bei AFP lesen: "Genf (AFP) Der UN-Berichterstatter zur Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten, Richard Falk, hat Israels dortige Politik als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt. Die Vereinten Nationen müssten sich dringend dafür einsetzen, dass die Zivilbevölkerung in den Palästinensergebieten "nicht kollektiv bestraft" werde, erklärte Falk am 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Genf. Israels derzeitiger Umgang mit den Palästinensern "läuft auf ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinaus", kritisierte er.
Zudem forderte der UN-Berichterstatter, der Internationale Strafgerichtshof solle prüfen, ob israelische Politiker und Militärführer für die Belagerung des Gazastreifens wegen Verletzung des internationalen Kriegsrechts angeklagt werden müssten."
Wie wurde kürzlich von dem Zentralrat einer Glaubensrichtung in Deutschland eindringlich gefordert: "NIE Wieder!!! NIE wieder dürfen wir wegsehen..."
Aber vermutlich gilt dieser Apell nicht für alle - oder???
Barbara
In der heutigen Print-Ausgabe der SZ steht im München-Teil S. 42, dass die LMU die Veranstaltung abgesagt hätte, der obige Online-Artikel sieht die Entscheidung noch bei der Fakultät.
Sollte man hinter der Formulierung der Print-Ausgabe die Leitung der LMU vermuten dürfen, so bliebe in dem Vorfall um die Absage der Veranstaltung ein schaler Beigeschmack: Kann die LMU einfach bestimmen, dass eine Veranstaltung nicht stattfindet? Bislang erschien mir eine Universität als Ort des diskursiven und freien Meinungsaustausches.
Welche Veranstaltung trifft es u.U. als nächste? Müssen Professoren bangen, wenn sie kritische Auseinandersetzung und Dialog suchen? Muss man Sorge tragen, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen wurde?
Es wäre doch woh kein Ding der Unmöglichkeit gewesen, durch respektvolle, aber kritische Moderation im Zweifelsfalle die Diskussion zu lenken und etwaige Statements einzuordnen. Außerdem wäre eine denkbar breite Öffentlichkeit zugegen gewesen gleichsam als Korrektiv. Warum diese Sorge?
Was ist wichtiger, Versöhnung und Dialog, oder Wohlverhalten gegenüber Interessenverbänden?
Hat die Universitätsleitung also vor der Meinung von sog. Menschenrechtsvertretern und dem Zentralrat, natürlich, gekuscht. Ich war bisher immer der Meinung, daß gerade in einer Universität das freie Denken oberstes Gebot sein sollte. Aber es ist ja heutzutage wesentlich wichtiger, daß man irgendwelchen Minderheiten die Meinungshoheit überläßt, die sich mit ihrer Verweigerung zum Dialog letztendlich menschenrechtsverletztend verhalten. Deutschland, wie weit bist du verkommen!
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