Nach Hunde-Attacken in München Umstrittene Leinenpflicht tritt in Kraft

50 Zentimeter - nicht mehr. Jeder Hund, der größer ist, muss von heute an vielerorts in München an die Leine. Reine Willkür, sagen Tierfreunde. Kann ein Mini-Hund etwa nicht aggressiv werden? Trotz aller Kritik tritt die Verordnung in Kraft. Wer sich nicht daran hält, dem drohen hohe Strafen.

Von Dominik Hutter

Es gilt, möglichst rasch den Familienhund zu vermessen. Liegen 50 Zentimeter oder mehr zwischen Pfote und Schulter, sollte künftig beim Spazierengehen die kurze Leine griffbereit sein.

Denn an diesem Donnerstag tritt die neue Münchner Hundeverordnung in Kraft, und die beinhaltet einen Passus, der bei manchem Tierbesitzer das Blut in Wallung bringt: eine Leinenpflicht an zahlreichen Stellen der Stadt, an denen bislang freier Auslauf gestattet war. Zwar beteuert Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle, dass in München grundsätzlich am Freilauf-Prinzip festgehalten werde. Begeisterte Gassi-Gänger dürfte dies aber nicht beruhigen - die Zahl der Ausnahmen ist stark gestiegen.

So darf man sich künftig im gesamten Gebiet innerhalb des Altstadtrings nicht mehr ohne Leine erwischen lassen. Weitere Tabuzonen für Freilauf-Fans sind - auch außerhalb der Altstadt - sämtliche ausgeschilderten Fußgängerzonen, verkehrsberuhigte Bereiche mit Spielstraßenschild sowie alle öffentlichen Märkte, Versammlungen und Veranstaltungen. Spielplätze sind für sämtliche Hunde seit eh und je tabu, da hilft auch die Leine nichts.

Neu ist allerdings, dass große Tiere im näheren Umfeld von Spielplätzen angeleint werden müssen. Mit diesem etwas schwammigen Umgriff sind etwa die Bereiche rund um die Bänke gemeint, auf denen Eltern das Treiben auf Klettergerüst und Rutsche verfolgen. Oder die Wege rings um den Sandkasten. Die Verordnung gilt für öffentliche wie für private Spielplätze gleichermaßen.

Unter Münchens Hundebesitzern ist der Ärger groß, seitdem Blume-Beyerles Pläne den Stadtrat passiert haben. Ohne Gegenstimmen übrigens, obwohl die Leinenpflicht anfangs auch in der Politik viele Gegner hatte. Offenbar konnte der als Hundefreund geltende Referent Überzeugungsarbeit leisten. Das Thema war von Anfang an heikel: Denn Auslöser der Debatte waren gleich mehrere Vorfälle mit Hunden im Jahr 2012. Vor allem die Attacke auf ein zweijähriges Mädchen in Harlaching, das ins Gesicht gebissen wurde.

In den Statistiken des Kreisverwaltungsreferats sind fürs vergangene Jahr 371 gemeldete Vorfälle mit Hunden verzeichnet. Besonders bedenklich findet Blume-Beyerle die 140 besonders krassen Fälle, nach denen sicherheitsrechtliche Sanktionen verhängt wurden - diese Zahl liegt gut doppelt so hoch wie der Wert für 2011.