Härtere Strafen und Videoüberwachung schrecken jugendliche Gewalttäter nicht ab. Erhöhen lässt sich die Sicherheit nur durch mehr Polizei.
Es wäre ein kleines Wunder gewesen, wenn nach dem brutalen Mord auf einem Münchner S-Bahnhof die reflexartigen politischen Reaktionen unterblieben wären. Doch weil Wunder in der Politik ebenso selten sind wie im richtigen Leben, tauchten sofort wieder die alten Forderungen nach schärferen Strafen auf.
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Ein Polizist am Münchner Hauptbahnhof: Mehr Sicherheitskräfte statt höherer Strafen und Videokameras könnte mehr Sicherheit bringen. (© Foto: Schellnegger)
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Unterschwellig schwingt in diesen Vorschlägen dann meist die perfide Unterstellung mit, wer gegen schärfere Gesetze sei, trage irgendwie eine Mitschuld an solchen Gewaltexzessen.
Doch das härtere Jugendstrafrecht, das die Union nach solchen Taten stets fordert, ist nur ein Placebo. Es klingt markig und hilft nichts.
Schon heute kann jeder Richter Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren nach dem strengeren Erwachsenen-Strafrecht aburteilen. Und dass eine Anhebung der Höchststrafe auf 15 Jahre jugendliche Gewalttäter abschreckt, ist Unfug. Nach dieser Theorie dürfte es in Ländern mit Todesstrafe überhaupt keinen Mord geben.
Was aber hilft dann? Die flächendeckende Video-Überwachung in allen Zügen und auf allen Bahnhöfen verbessert zwar das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, kann aber Gewalttaten nicht verhindern, sondern allenfalls hinterher bei ihrer Aufklärung helfen. Erhöhen lässt sich die Sicherheit nur durch mehr Sicherheitspersonal in Bussen, U- und S-Bahnen.
Dabei kommt es aber entscheidend darauf an, was das für Begleiter sind. Mehr private Sicherheitsdienste, auf deren Personalauswahl der Staat keinen direkten Einfluss hat, sind nicht die Lösung. Der Staat darf sein Gewaltmonopol nicht teilprivatisieren. Er muss selber die Zahl seiner Polizisten so aufstocken, dass genügend Beamte für diese Aufgabe zur Verfügung stehen.
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(SZ vom 15.09.2009/wib)
Staatsbesuch in Israel
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Entschuldigen Sie, ich kann u.a. Ihr weichgespültes Gejammer nicht mehr lesen. Die sozialen "Ursachen" für den Mord sind in dem Augenblick völlig egal. Tatsache bleibt, dass drei ältere Jugendliche zwei jüngere versucht haben zu berauben und von ca 15 Anwesenden lediglich einer dazwischen gegangen ist und dieser eine hat u.a. wegen Untätigkeit der 14 anderen sowie der Brutalität der Räuber ins Gras gebissen.
Diese Art von Delikten (sowohl Raub, als auch die tödlich endende Racheaktion der Räuber) ist möglich, weil niemand mehr dazwischengeht. Bei 14 gegen drei ist völlig egal ob es vierzehn Omas mit Krückstöcken sind oder vierzehn erfahrene Kampfsportler. Die Passivität der Gesellschaft ist in exakt diesem Augenblick schuld, dass das Risiko der Gesetzesbrecher quasi bei Null liegt und die Leute damit zu oft durchkommen. Ich bin gegen Sebstjustiz, aber für eine sehr entschlossene und handfeste Nothilfe.
Und offenbar erreichen die normalen Strafen auffällige Jugendliche nicht mehr. Wie dem beizukommen ist muss sich die Legislative gut überlegen. Der Staat darf das Gewaltmonopol nicht aus der Hand geben, sonst haben wir irgendwann Verhältnisse wie in der Bronx.
leider ist dieser kommentar in meinen augen nur sehr wenig überlegt und schon gar nicht fundiert. er beschäftigt siche lediglich mit der direkten gewaltprävention, wobei die schlussfolgerung meines erachtens hierfür nicht falsch ist.
allerdings geht dieser artikel in keinster weise auf ursachen ein. sicherlich ist das nicht einfach, da es hier sicherlich mehrere gründe gibt und dabei einiges beleuchtet werden muss. aber genau das erwarte ich von einem seriösen journalist.
leider neigt unsere medienlandschaft, und damit auch unsere gesellschaft, immer mehr zur 'amerikanischen' problemlösung: die folgen müssen bekämpft werden, über die ursachen wird keinerlei gedanken gemacht. immerhin existiert das wort 'prävention' bei uns noch. noch!
Oder mehr Bildung??? Und mehr Eltern!
Die Eltern sollten ihren Teil der Erziehung übernehmen, nicht nur die öffentliche Hand (Lehrer, Polizisten).
Und vielleicht etwas weniger Brot & Spiele. Die Medienlandschaft weint (und bauscht auf und kassiert ab) ab solch schlimmen Ereignissen. Wer aber die durch die Medien geförderte allgemeine Verdummung anschaut, braucht sich nicht zu wundern (zappt einmal durch die Tagesprogramme von den Deutschen Privat-Sendern und stellt Euch vor, dass das ernst genommen wird)
Tja, vielleicht aber ist die rohe Gewalt auch eine menschliche Ureigenschaft. Wenn man sieht, wie Hooligans agieren.... mit dem Blick auf den ersten Weltkrieg, wo Heerscharen unter Jubelrufen in den Krieg zogen, um dann bei Verdun auf den Boden zurückzukommen.
Vielleicht geht's uns halt einfach zu gut.
So lange alle Anstrengungen zugunsten einer (oft auch nur vermeintlichen) Elite gehen und an Hauptschulen nichts gelernt wird, heißt die Alternative für viel zu viele junge Leute 'Harz-IV' oder 'Gangsta'. Viele finden die Alternative mit mehr Geld erstrebenswerter.
Wir, die Gesellschaft und die Politik, ernten hier, was wie gesät haben.
Nach so einer Tat kommen wie üblich viele Ideen wie man die Auswirkungen der Jugendgewalt einzudämmen versucht... totale Kameraüberwachung, noch mehr Polizeibeamte, härtere Strafen, Rasterfahndung, Abschieben aller potentiell gefährlichen Jugendlichen nach Sibirien.
Aber wer bitte stellt sich mal die Frage nach dem WARUM?
Scheinbar interessiert es niemanden was die Ursache für die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlichen ist.
Natürlich interessiert es keinen der Politiker, denn man müsste ja dazu nachdenken und Konzepte entwickeln. Da ist der totalitäre Ansatz der vollständigen Überwachung und härtester Gesetze natürlich einfacher.
Was für ein armes Land, wird seiner Jugendlichen nicht mehr Herr...
Paging