Nach angekündigtem Obike-Rückzug Verleih-Konzepte dürfen auch mal scheitern

Auch Carsharing gehört zu den Zukunftskonzepten.

(Foto: Lukas Barth)

Aus den Fehlern von Obike in München werden andere Anbieter lernen - und damit hoffentlich dazu beitragen, dass sich künftig verschiedene Formen von Mobilität verbinden.

Kommentar von Nina Bovensiepen

Es ist eine Binsenweisheit: Mobilität wandelt sich. In München ist das auch dringend notwendig. Soeben kommt mit Oply ein weiterer Carsharing-Anbieter in die Stadt. In einer - wenn auch nicht-repräsentativen - Umfrage hat dieser ermittelt, dass 75 Prozent der Münchner sich vorstellen können, in Zukunft kein eigenes Auto mehr zu besitzen. Solch ein Wert wäre vor ein paar Jahren ins Reich der Statistikfälschung verwiesen worden.

Tatsächlich wird für immer mehr Menschen das eigene Auto unwichtig. Das hat bei vielen mit der endlich sickernden Erkenntnis zu tun, wie sehr Abgase der Umwelt und damit der Gesundheit schaden. Anderen verdirbt schlicht das tägliche Verkehrschaos, das sich von München ins Umland erstreckt, die Lust am Autofahren. Sie steigen mehr oder weniger aus Verzweiflung auf den öffentlichen Nahverkehr um, auf ein gewöhnliches Fahrrad, ein E-Bike, einen E-Roller, bisweilen auch auf ein Carsharing-Angebot.

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Der neue Mix auf den Straßen und Radwegen sortiert sich dabei noch - und er wird das noch viele Jahre tun. Idealerweise lassen sich die verschiedenen Mobilitätsformen irgendwann so kombinieren, dass Menschen schnell und einfach zwischen Verkehrsmitteln wechseln können. Sodass es etwa kein Problem ist, wenn man sich mit einem Leihauto über die Stadtgrenze hinweg in einen Landkreis bewegt und das Fahrzeug dort abstellt. Oder dass man an einem U-Bahnhof aufs Leihrad umsteigt, welches man genau dort wieder loswerden kann, wo es nicht mehr benötigt wird.

Bis all dies reibungslos funktioniert, wird es dazu gehören, dass Anbieter ihre Konzepte ändern müssen oder scheitern. So wie es nun bei Obike passiert. Der Anbieter von Leihrädern aus Singapur sammelt die meisten seiner Räder wieder ein. Damit scheitert indes keinesfalls das Prinzip Leihrad, im Gegenteil. München hat hier noch reichlich Aufholbedarf.

Bei Obike wurden zu viele Fehler gemacht. Das fängt damit an, wie chaotisch die Räder über die Stadt verteilt wurden. Und hört bei der schlechten Qualität der Fahrräder nicht auf. Nachfolgende Anbieter werden daraus lernen - und bestenfalls zum gelingenden Mobilitätswandel beitragen.

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