Wegen des Amoklaufs an einer Schule in Winnenden wird das für Donnerstag geplante Politiker-Derblecken verschoben.
Der für den heutigen Donnerstag geplante Starkbieranstich auf dem Nockherberg ist abgesagt worden. Grund ist der Amoklauf an einer Schule in Winnenden mit 16 Toten. Das traditionelle Politiker-Derblecken soll laut Paulaner-Brauerei zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zeigten Verständnis und Respekt für die Absage.
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Die Entscheidung ist am Mittwochabend während der Generalprobe gefallen. Andreas Steinfatt, Geschäftsführer der Paulaner-Brauerei, die jedes Jahr Gastgeber des großen Spektakels ist, bestätigte dies der Süddeutschen Zeitung. Man wolle die Veranstaltung aber nicht komplett ausfallen lassen, sondern sie zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
Wann die Bußpredigt und das Singspiel dann stattfinden werden, stand am Mittwochabend noch nicht fest. Die Verantwortlichen von Paulaner und dem Bayerischen Rundfunk, der das Derblecken jedes Jahr überträgt, müssen zusammen mit dem Nockherberg-Wirt Peter Pongratz erst einen neuen Termin finden.
Ein Sprecher von Horst Seehofer erklärte gegenüber der SZ, der Ministerpräsident habe "großen Respekt" für diese Entscheidung der Brauerei, die mit großem Aufwand vorbereitete Veranstaltung angesichts der tragischen Ereignisses in Baden-Württemberg zu verschieben. Am frühen Abend hatte es aus der Staatskanzlei bereits geheißen, der Ministerpräsident erwäge, dem Derblecken fernzubleiben. Dies hätte aber womöglich ein schlechtes Licht auf jene Politiker und Prominente geworfen, die trotz des Amoklaufs gekommen wären.
Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte, er habe "vollstes Verständnis" für die Entscheidung der Brauerei. Er zeigte sich erfreut darüber, dass am Nachmittag Seehofer das Gespräch mit ihm gesucht habe. Es sei, so Ude, ein sehr schwieriger Prozess des Abwägens gewesen: Einerseits das Entsetzen über die Tat von Winnenden, das nicht mit einer fröhlichen Veranstaltung zu vereinbaren sei; andererseits aber auch das Bedürfnis, von einem Amokläufer nicht das öffentliche Leben lahmlegen zu lassen.
Als dann jedoch die Bundesregierung und auch der Freistaat für den heutigen Donnerstag Trauerbeflaggung angeordnet hatten, sei es klar gewesen, dass das Derblecken ausfallen müsse. Die Repräsentanten des Staates, sagte Ude, könnten an einem Tag der Trauer kein lustiges Fest feiern, wenn sie zeitgleich die Bevölkerung auffordern, innezuhalten.
Das Abwägen, so Ude, erinnere ihn an die Situation 2001, als kurz vor Beginn des Oktoberfestes die Terroranschläge in den USA die Welt erschütterten. Damals entschied sich die Stadt, die Wiesn stattfinden zu lassen - "die schwierigste Entscheidung meiner Amtszeit", so der Oberbürgermeister.
Noch am Mittwochnachmittag hatte es aus der Schörghuber-Gruppe, zu der Paulaner gehört, geheißen, entgegen aller Gerüchte halte man an dem Termin fest. Die Veranstaltung sollte am Mittag beginnen. Wie jedes Jahr hatte sich jede Menge Polit-Prominenz angesagt, unter anderem das komplette bayerische Kabinett sowie die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).
Kommen wollten auch die Bundespolitiker Volker Kauder (CDU), Peter Ramsauer (CSU), Claudia Roth (Grüne), FDP-Generalsekretär Dirk Niebel und die FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie natürlich die komplette Münchner Stadtspitze.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein trauriges Ereignis die Planungen für das Politiker-Derblecken durchkreuzt. Bereits 2003 musste der Starkbieranstich abgesagt werden, damals fiel es ganz aus. Grund war der Beginn des Irak-Krieges.
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(SZ vom 11.3.2009/af)
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und dennoch Anteilnahme.
Es ist schwierig nach einem Vorfall, wie gestern, weiter zu machen. Man muss auch nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Dennoch ist eine Absage nicht zu rechtfertigen und ohne Verständnis. Man beugt sich, erzeugt eine unangemessene Tragweite und animiert dadurch eher Nachahmer. Für die Politik der einfachere Weg, denn man hat am falschen Fleck etwas geändert und löst die Ursachen nicht. Es wird andere motivieren.
Nach dem 11. September 2001 wurde das Oktoberfest nicht abgesagt, um Stärke zu zeigen und nicht den Einfluss solcher Taten ausarten zu lassen.
Werden beim nächsten Vorfall die Wahlen abgesagt?
Ich habe tiefes Mitgefühl für die Hinterbliebenen und Trauernden. Die Absage des Starkbieranstichs, einer seit Jahrhunderten stattfinden Tradition ist das falsche Zeichen und nicht gerechtfertigt.
Diese Entscheidung ist für mich definitiv besser, als das Derblecken einfach stattfinden zu lassen und den Amoklauf zu ignorieren.
Ich fand es auch absolut richtig, Karneval abzusagen, weil die NATO den Irak bombardiert, nur müssten wir heute alles ausfallen lassen, da unsere Truppen jetzt seit 8 Jahren in Afghanistan stehen und durch unser Militär seither Menschen sterben. Diese Tatsache durch das Ausfallen von positiv besetzten Feiern zu legitimieren ist Armleuchterpolitik, ähnlich den Lichterketten nach den Pogromen in den 90ern.
Die einzige Möglichkeit diesem Treiben konsequent zu begegnen wäre, wenn die Leute endlich aufstehen würden und unseren Politikern klarmachen, dass es nicht in ihrem Interesse ist, Menschen, die nicht Lesen und Schreiben können, im Namen der Freiheit zu bombardieren.
Was waren das noch für Zeite, als der kölsche Karneval ausfiel, weil im ersten Golfkrieg die Bomben fielen. Heutzutage kann im Gaza-Streifen und in Afghanistan beliebig geschossen werden (auch von deutschen Soldaten) - der Umzug geht weiter.
Nun jedoch das Derblecken wegen einem Amoklauf abzusagen, erscheint doch etwas weit hergeholt.
Ich bin da etwas skeptisch, man hätte das ganze durchaus stattfinden lassen können, schließlich trägt guter politischer Humor mitunter mehr zum nachdenken an als
"befohlene" Trauer. Nur auf die plumperen Teile sollte man verzichten und dann feststellen das die ganze Veranstaltung gewonnen hat.