MVV-Preise Wenn Schüler fürs Monatsticket mehr bezahlen als ein BMW-Mitarbeiter

Mit dieser Flugblattaktion will die Stadtschülervertretung Aufsehen erregen: Sie fordert ein Schülerticket für 15 Euro im Monat.

(Foto: Stadtschülervertretung (oh))
  • Münchens Schüler fordern in einem Protest dazu auf, die Preise im öffentlichen Nahverkehr zu ändern.
  • Ihr Argument: Als Schüler zahlen sie für ihre Tickets meist mehr als Studenten oder Angestellte.
  • Die Stadtschülervertretung fordert deshalb eine Schüler-Monatskarte für das Gesamtnetz zum Preis von 15 Euro.
Von Andreas Schubert und Melanie Staudinger

Münchens Schüler protestieren mit einer kreativen Aktion gegen die aus ihrer Sicht unfairen Preise im öffentlichen Nahverkehr. Sie wollen nicht akzeptieren, dass es für Studierende ein Semesterticket und für Mitarbeiter großer Firmen ein Jobticket gibt, Schüler aber keine ihren finanziellen Möglichkeiten angepasste Fahrkarte bekommen. "Tür für Schüler unbenutzbar" haben sie auf Flugblätter geschrieben und diese an S-Bahn-Türen geklebt. Schüler könnten sich, so erklärt Schülervertreterin Hannah Imhoff, öffentliche Verkehrsmittel oft nicht leisten. Die Stadtschülervertretung fordert deshalb eine Monatskarte für das Gesamtnetz für alle Schüler zum Preis von 15 Euro.

Imhoff rechnet die finanzielle Belastung an ihrem eigenen Beispiel vor. Die 19-Jährige zahlt alleine für ihren Schulweg von der Friedenheimer Brücke am Hirschgarten nach Gröbenzell im Landkreis Fürstenfeldbruck 58,70 Euro im Monat. Das sind die Ringe 2 bis 5 im Tarifsystem des MVV. In die Innenstadt kommt die Schülerin damit nicht, dafür zahlt sie 14,50 Euro extra für die Grüne Jugendkarte für den Innenraum. Macht 73,20 Euro im Monat. Das ist weniger als der reguläre Preis (89,30 Euro), für viele Schüler aber kaum erschwinglich, vor allem dann, wenn die Eltern nur wenig verdienen. "Hätte ich nicht die Ressourcen, mir für noch mehr Geld eine Zusatzfahrkarte zu leisten, hätte ich auch keine Möglichkeit, mein ehrenamtliches Engagement auszuführen", sagt Imhoff.

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Das Kultusministerium sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. "Die finanzielle Förderung ist eine freiwillige Leistung der öffentlichen Hand", teilt eine Sprecherin auf Nachfrage mit. Gesetzlich haben Schüler öffentlicher und staatlich anerkannter weiterführender Schulen bis zur zehnten Klasse einen Beförderungsanspruch zur nächstgelegenen Schule. Die zuständige Kommune bezahlt die Fahrkarte, der Freistaat erstattet etwa 60 Prozent der Kosten. Von der elften Klasse an fällt ein Eigenanteil von 420 Euro für die Schüler an; einkommensschwache Familien oder Familien, die für drei oder mehr Kinder Kindergeld beziehen, sind davon befreit.

Die Stadtschülervertretung prangert dieses System grundsätzlich als unfair an. Denn die Schüler bezahlen für eine Monatskarte im Gesamtnetz unterschiedlich viel, der Preis ist immer abhängig davon, wie weit es bis zur Schule ist. Ein Beispiel: Eine Oberstufenschülerin, die in der Innenstadt wohnt und dort ins Gymnasium geht, bezahlt 40,90 Euro im Monat. Ihr Nachbar, der an den Stadtrand in die Schule pendelt, braucht drei Ringe für 49 Euro. Mit der Grünen Jugendkarte für 29 Euro zusätzlich können nun beide ihre Schülerkarte hochstufen für das Gesamtnetz. Der Schüler mit dem weiteren Schulweg kommt dabei immer um gut acht Euro teurer weg. "Hier werden Schüler sozusagen doppelt bestraft, einerseits durch den langen Schulweg, andererseits durch die hohen Fahrtkosten", kritisiert Imhoff.

Studenten zahlen weniger als Schüler

In einer Mitteilung der Stadtschülervertretung heißt es: "Während Studierende die Vergünstigungen des Semestertickets genießen und Mitarbeiter von BMW dank des Jobtickets zum Teil geringere Tarife bezahlen als Schüler, bleiben die jungen Menschen nach wie vor auf der Strecke." Zum Vergleich: Im Ausbildungstarif II, der für alle Schüler über 14 Jahre gilt, legt man für zwei Ringe und die Erweiterungskarte - beides gültig für zehn Monate - insgesamt 699 Euro hin. Das Semesterticket für das Gesamtnetz für Studenten gibt es dagegen für 508 Euro im Jahr.

Beim Münchner Verkehrsverbund MVV heißt es dazu, dass man die Preise nicht günstiger gestalten könne und dürfe, wie Sprecher Martin Schenk betont. Der Rabatt von 30 Prozent für den Ausbildungstarif I und 25 Prozent für den Ausbildungstarif II sei gesetzlich geregelt. Dass Schüler ein Ticket für das Gesamtnetz kauften, also quer durch das ganze MVV-Netz zur Schule pendeln, kommt laut Schenk nicht vor. Das würde dann für zehn Monate stramme 1670 Euro im Ausbildungstarif II kosten.

873 000 Ausbildungstickets beider Tarife wurden im ersten Halbjahr 2016 genutzt. Der MVV-Sprecher hält das bestehende Angebot für Schüler für nicht so schlecht. Er verweist auf die Grüne Jugendkarte oder den U-21-Tarif, bei dem Jugendliche auf einer Streifenkarte nur die Hälfte stempeln müssen. Zur Forderung der Schüler, die Preise radikal auf 15 Euro zu senken, meint Schenk, das sei freilich eine Sache der Abwägung. "Wenn es die Schüler nicht finanzieren, muss es jemand anderes finanzieren, im Zweifel der Steuerzahler."

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