Die Stadt will mit neuer Technologie ein altes Projekt durchsetzen. Allerdings auf lange Sicht: Erste Tests mit der Tram ohne Oberleitung sollen erst 2008 laufen. Irgendwann könnten aber tatsächlich Gleise durch den Park gelegt werden.
Die MVG verabschiedet sich von ihren Plänen für eine Trambahn durch den Englischen Garten - um in einigen Jahren nochmal neu loszulegen. Dann, so hofft MVG-Chef Herbert König, ist die Technik weit genug fortgeschritten, um auf die Oberleitung zu verzichten und eine Batterie-Tram auf die Park-Tour zu schicken. Erste Tests sind für 2008 geplant.
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Ganz neu ist die Idee mit dem Batteriebetrieb nicht: Schon zu Zeiten des Prinzregenten bewies man Mut zur Lücke, als "auf allerhöchste Veranlassung" in der südlichen Ludwigstraße auf die Fahrleitung verzichtet werden musste.
Die trotzdem dort verkehrenden Trambahnen wurden von 1900 bis 1906 bei jeder Tour an Akkulokomotiven angekuppelt und durch den stromlosen Abschnitt gezogen - bis man sich schließlich erbarmte und doch noch eine Oberleitung nachrüstete.
Derart umständlich will es König natürlich nicht haben. Der MVG-Chef setzt vielmehr auf neue Entwicklungen im Schienenverkehr - in den vergangenen Jahren sei es gelungen, die einst viel zu unhandlichen und vor allem zu schweren Energiespeicher auf ein tramtaugliches Format zu bringen.
Ein stromloßer Kilometer möglich
Diese neuen Hochleistungsakkus, die eigentlich als Zwischenspeicher für rückgespeiste Bremsenergie entwickelt wurden, könnten "möglicherweise" in naher Zukunft Tramzüge über einen bis zu einem Kilometer langen stromlosen Abschnitt bugsieren - das reicht für die Querung des Englischen Gartens.
Aufgeladen wird während der Fahrt auf den normalen, mit Fahrdraht ausgestatteten Streckenabschnitten. König will die Technologie bereits in den kommenden Jahren testen: Eine von drei neu bestellten Trambahnen, die 2008 ausgeliefert werden, soll mit einem auf dem Dach montierten Hochleistungsakku ausgestattet sein.
Der Verzicht auf den Fahrdraht könnte, so hofft König, die Regierung von Oberbayern von ihrem Nein zu einer Tram-Querung des Sckellschen Grün-Ensembles abbringen. Die befürchteten Eingriffe in den Park durch Leitung und Masten hatten bei der Ablehnung der Baugenehmigung eine entscheidende Rolle gespielt.
Die MVG hat nun entschieden, auf weitere juristische Schritte gegen die Behörde zu verzichten - aus Sorge, nach einem erneuten Scheitern die Tram-Planungen auf sehr lange Sicht nicht mehr weiterverfolgen zu können. Der Planfeststellungsantrag, der auf einen Stadtratsbeschluss von 1991 zurückgeht, soll daher zurückgezogen werden.
Aus Fahrgastsicht besonders attraktiv
Später, wenn die Batterie-Tram realistisch erscheint, will die MVG dann noch einmal von vorne anfangen und eine Streckenführung ohne Fahrleitung bei der Regierung einreichen. Einen Termin nannte König nicht. Ohnehin muss erst noch der Stadtrat den MVG-Plänen zustimmen - das Thema steht nächste Woche auf der Tagesordnung der Vollversammlung.
Die Tramstrecke durch den Englischen Garten gehört zu den umstrittensten Verkehrsprojekten der vergangenen Jahre - und, zumindest aus der Fahrgastperspektive, auch zu den attraktivsten. Denn mit dem insgesamt zwei Kilometer langen Lückenschluss, der neben der Park-Querung auch eine Neubaustrecke durch die Franz-Joseph-Straße bis zum Elisabethplatz umfassen würde, könnten künftig Tramzüge direkt von Neuhausen nach Schwabing und Bogenhausen fahren.
Die Strecke schnitt dann auch bei der Kosten-Nutzen-Analyse mit dem Wert 2,44 ganz hervorragend ab. Die Zahl bedeutet, dass durch jeden investierten Euro ein volkswirtschaftlicher Nutzen von 2,44 Euro entsteht.
Dennoch hat die Regierung der MVG die Genehmigung für das Projekt verweigert - unter anderem wegen Sicherheitsbedenken und eben der Eingriffe in den Park. Eine Klage der MVG vor dem Verwaltungsgerichtshof blieb erfolglos.
(SZ vom 20. 7. 06)
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