Von Dirk Wagner

Südstadt, Sunny Red, Glockenbachwerkstatt : Wo können Münchner Bands eigentlich auftreten? Zahlreiche kleine Bühnen bieten beinahe täglich ein Nischenprogramm.

Die Süddeutsche Zeitung präsentiert auf dem Tollwood ihr Festival junger Bands aus München und Umgebung. Aber wie geht es der Szene eigentlich? Was macht München für den Pop? Darüber debattieren Musiker, Label- und Clubbetreiber mit Kulturreferent Hans-Georg Küppers am 9. Juli im SZ-Zelt (19.30 Uhr, Eintritt frei). Im Vorlauf dieser Podiumsdiskussion "Pop statt Peanuts" erscheint hier eine Serie zum Stand der Dinge.

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Während der Münchner Pop-Fan mit sehnsüchtigem Blick in Richtung Berlin oder Hamburg stets betont, dass in der eigenen Stadt gar nichts los sei, bangen die hiesigen Veranstalter ob der Konkurrenz um ihre Zuschauerzahlen. Zahlreiche kleine Bühnen bieten beinahe täglich ein Nischenprogramm, seien es die Singer-Songwriter-Abende im "Fresh Bagels and Muffins Club", die Blues-Sessions in der Glockenbachwerkstatt oder die Rock'n'Roll-Konzerte im Schwabinger Podium.

Solche Konzerte werden zumeist nur auf der eigenen Pinwand beworben, so wie auch die zahlreichen Konzerte in den hiesigen Jugendzentren kaum eine Öffentlichkeit erfahren. Das bedauerte vor Jahren schon die Münchner Band Candelilla und wollte darum auch mit einer neuen Szenezeitschrift solche unbekannten Konzerte bewerben. Allein: Nachfrage von Seiten einer Leserschaft konnte nicht festgestellt werden.

Die sah sich schon zur Genüge vom etablierteren Pop-Programm in dieser Stadt befriedigt. Die Untergrundromantik irgendwelcher Bügelbrettkonzerte holt man sich lieber in Berlin ab, statt Artverwandtes in der Münchner Registratur, im ZK Max oder im Sunny Red zu goutieren.

Wenn der Südstadt-Wirt Gerd Pantner seine Gäste ab und zu mit internationalen Singer-Songwritern und Lofi-Künstlern überrascht, ärgert sich sein Stammpublikum über die drei bis fünf Euro Eintritt, die er verlangt, um der Band eine Gage und eine Unterkunft zu zahlen. Und pilgerten früher die Rockfans noch bis Gammelsdorf und Unter- wie Oberföhring, so hat ein Live-Club heute anscheinend nur noch eine Chance, wenn die Rolltreppe die Besucher von der U-Bahn direkt vor die Bühne transportiert.

Kleinere Clubs gibt es ja auch genügend, meint Thomas Bohnet von der Münchner Konzertagentur Target. Er sieht vielmehr einen zusätzlichen Bedarf an großen und mittelgroßen Hallen. Wenn demnächst die Elserhallen wegbrechen, reduziert sich das Angebot wieder nur auf die Muffathalle, das Backstagewerk oder die Tonhalle. Bei großen Hallen gäbe es neben dem Zenith nur die Olympiahalle, und die sei für gewöhnliche Konzerte unbezahlbar. Ob die eventuell frei werdenden Räumlichkeiten der TU München nach ihrem Umzug nach Garching da Alternativen schaffen können, sei dahingestellt.

Fest steht, dass eine bereits projektierte Popförderung in dieser Stadt nicht einzig als Bandförderung ausgelegt werden darf. Popförderung müsste auch Nicht-Musikern eine Partizipation am hiesigen Popleben erleichtern, zum Beispiel mit niedrigeren Eintrittspreisen durch entsprechende Subventionen. "Würde ich mich mit Oper beschäftigen, würden andere Beträge fließen; und man würde anerkennen, dass ich Kultur mache und nicht nur Unternehmer bin", ärgert sich der Veranstalter Thomas Lechner. Dabei seien die Konzerte im Zeitalter von Downloads doch das eigentliche Geschäft, behauptet jedenfalls Schneeball-Records-Betreiber Othmar Schreckeneder. Nicht umsonst würden Plattenfirmen sich mittlerweile auch die Konzertrechte sichern.

Als er in den siebziger Jahren selbst Konzerte in München veranstaltete, suchte er den Kontakt zum Theater der Jugend und der Mensa, um weitere Auftrittsmöglichkeiten für Bands zu schaffen. Mittlerweile hätte die Stadt aber doch ihre Hausaufgaben gemacht und Immobilien für Popkonzerte bereitgestellt, meint der einstige Manager von Embryo.

Dazu zählt er das Feierwerk ebenso wie das Muffatwerk. Dass diese Häuser aber in festen Händen sind, ärgert wieder andere Veranstalter, die auch nicht verstehen, warum sie städtisch geförderte Einrichtungen nicht kostenfrei mitnutzen können. Zumal Veranstaltern ohne eigenem Raum auch der zusätzliche Umsatz durch den Getränkeverkauf verloren geht.

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(SZ vom 30.06.2008/sonn)