Der "Bafana-Cup" ist mehr als nur ein Fußballturnier: Das katholische Hilfswerk Missio holt südafrikanische Kinder nach München.
Fünf Minuten noch. Fünf Minuten, die über Sieg oder Niederlage, Triumph oder Blamage entscheiden. Wütend stemmt der zwölfjährige Africa die dünnen Beine in den Rasen, er blickt zum Himmel, schlägt die Hände über dem raspelkurz rasierten Kopf zusammen.
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Schon wieder hat sein Team ein Tor kassiert. 4:3 für die anderen. Das ohrenbetäubende Blöken der Vuvuzuelas, der südafrikanischen Plastik-Tröten, heizt die Stimmung auf dem Feld zusätzlich an. Letzter Wechsel. Africa, der eben noch verbissen über den Platz auf dem Münchner Hochschulsportgelände gesprintet ist, verlässt das Spielfeld. Tränen der Wut kullern über seine dunklen Wangen. "Gewinnen, das bedeutet für Südafrikaner alles. Wer verliert, fühlt sich als kompletter Loser", sagt Wayne Golding, Betreuer von Youth Unlimited, eines Projekts des Clubs der guten Hoffnung.
Etwas mehr als eine Woche im Juli durfte eine südafrikanische Delegation mit Betreuern, Ordensschwestern und 40 Fußballern - Buben und Mädchen zwischen zwölf und 13 Jahren - Bayern kennenlernen. Kinder aus Townships sind ebenso dabei wie Waisen aus einem Kinderhaus der Mallersdorfer Schwestern in Nkandla oder der Nachwuchs wohlhabender Weißer aus der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt.
Gemeinsam sind sie nach München zur Endrunde des Bafana-Cups gereist, eines internationalen Kinderfußballturniers, das das Missionswerk Missio gemeinsam mit dem Club der Guten Hoffnung ausgerichtet hat. Hier treten sie in der Finalrunde gegen die besten bayerischen Schulmannschaften an. "Fußball schafft internationale Verbindungen", sagt der Präsident des Missionswerkes Missio, Pater Eric Englert.
Überall auf der Welt werde Fußball gespielt, die Regeln sind für alle gleich - egal welche Sprache die Spieler sprechen oder welche Kultur sie haben. "Der Club der guten Hoffnung ist ein interkulturelles Projekt. In einer globalisierten Welt wollen wir junge Menschen zusammenbringen, die so nie zusammengekommen wären."
Aus diesem Grund hat auch Sisipho vor wenigen Tagen zum ersten Mal ihre Heimatstadt verlassen. Sie saß zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Flugzeug und ist mit ihrer Mannschaft nach Deutschland geflogen. "Es ist eine große Ehre, hier zu sein und mein Land zu vertreten. Meine Eltern sind sehr stolz auf mich", sagt die Zwölfjährige, die am Rand des Spielfeldes steht und ihre Teamkollegen anfeuert.
Sie wippt mit der schmalen Hüfte, auf der ihre grüne, ein wenig zu große Short sitzt, zum rhythmischen Klatschen der Zuschauer. Ihre großen, dunklen Augen blitzen. Sisipho lebt mit ihrem jüngeren Bruder und ihren Eltern in einem der größten Armenviertel Kapstadts, in Khayelitsha. Drogen, Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt bestimmen den Alltag der Menschen. Wer dort aufwächst, hat schon so gut wie verloren. Sozialarbeiter von Youth Unlimited sind daher in diesem Brennpunkt aktiv geworden.
Sie bieten gefährdeten Jugendliche unterschiedliche Freizeitaktivitäten an und holen sie so von der Straße. "Es gibt mehr als 100 Fußballteams in den Townships, aber kein einziges Fußballfeld", klagt Golding, und sein Blick wird düster. "Wenigstens konnten wir einen öffentlichen Platz umfunktionieren - auch wenn das ein Asphaltgelände ist." Nach Deutschland zu reisen eröffne den Kindern aus den Townships nun eine völlig neue Welt.
Für den zehntägigen Aufenthalt haben die Organisatoren ein dichtes Programm zusammengestellt. Die Buben und Mädchen besuchen Schulen in Ober- und Niederbayern, trainieren gemeinsam mit den deutschen Schülern, sie wandern bei Kloster Ettal in den Bergen oder besuchen den Autobauer BMW.
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