Bei den Lehrlingen von A24 kommen Lernschwächen und persönliche Probleme hinzu. 20 Nationalitäten sind auf dem Gelände vertreten, 25 Sprachen werden gesprochen. Einige der Jugendliche haben die 20 längst überschritten und wurden vom Arbeitsamt zu einer Qualifizierungsmaßnahme geschickt. Andere kommen aus der Psychiatrie oder dem Gefängnis. Eine explosive Mischung. Dennoch ist die Stimmung friedlich. "Es geht mir so gut wie noch nie in meinem 44-jährigen Leben", sagt Tom, der nach acht Jahren Arbeitslosigkeit, 25 Jahren Drogen und neun Monaten Haft heute eine Umschulung macht.

Mike und Nikolos sind bereits im zweiten Lehrjahr. Die beiden Rehabilitanten von der Förderschule machen eine Ausbildung zum Fahrradmonteur. (© Foto: Fischhaber)

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"Mit der Zeit lernen die meisten ihren Beruf lieben"

Im ersten Jahr sei es oft schwierig die Lehrlinge zu motivieren, erzählt Anleiter Stefan Ostermeier. Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit seien vielen fremd. "Mit der Zeit lernen die meisten ihren Beruf lieben. Wenn sie dann im zweiten Jahr einfache Aufträge auch alleine ausführen können, steigt das Selbstvertrauen - und damit die Motivation." Die Kunden bekommen wenig davon mit. Zwar müssen sie auf ihr Auto manchmal etwas länger warten, teurer als andere Werkstätten ist A24 aber nicht.

Das Unternehmen erwirtschaftet nur ein Drittel der Einnahmen selbst, den Rest schießen Arbeitsamt und Stadt dazu. Dafür haben die Meister mehr Zeit, während einer Reparatur die Zusammenhänge am Fahrzeug zu erklären. Der Stoff der Berufsschule wird in zusätzlichen Theorieeinheiten gepaukt bis ihn auch der letzte Azubi verstanden hat.

Neben den fachlichen Anleitern arbeiten Sozialpädagogen mit den Jugendlichen. Es gibt gemeinsame Ausflüge, Bewerbungs- und Sozialtrainings - derzeit wird nach der Arbeit geboxt, um das Selbstbewusstsein zu stärken. "Gerade ist wieder einer unser Azubis obdachlos geworden", erzählt Pädagogin Doris Bachmann von ihrem Alltag mit den Lehrlingen. In einem anderem Fall habe sich herausgestellt, dass die Mutter eines Azubis Multiple Sklerose hat und im Rollstuhl sitzt. "Morgens musste er sich als erstes um sie kümmern und kam deshalb häufig unpünktlich. Lange Zeit schämte er sich, uns das zu erzählen. Inzwischen hat er seine Ausbildung erfolgreich beendet."

Auch Mike und Nikolos stehen kurz vor dem Abschluss. Die beiden gehören zur Gruppe der so genannten Rehabilitanten, die von der Förderschule kommen. Bei A24 machen sie eine verkürzte und theorieverminderte Ausbildung zum Fahrradmonteur. Dass sie die Lehre durchhalten, daran hätte vor zwei Jahren kaum einer geglaubt. Inzwischen schrauben sie selbstständig an Fahrrädern und Rasenmähern herum. Geschickt stellt Mike einen Lenker wieder richtig ein - und träumt dabei von der nächsten Ausbildung, diesmal am Motorrad. Mike hat es geschafft, wie Tarek und Tom auch. Ein Traum ist erreichbar geworden.

A24, Aidenbachstraße 36, München, mehr Informationen unter www.a24.de

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(sueddeutsche.de/sonn)