Münchner Webwoche gestartet Vernetzt

Tüftler und Nerds treffen auf potenzielle Geldgeber: Bei der Münchner Webwoche finden bis zum Sonntag rund 50 Veranstaltungen statt. Das ist auch ein Zeichen dafür, wie stark sich die Gründerszene entwickelt hat - besonders in München.

Von Beate Wild

Erich Lehmann hatte eine Idee, nur wusste er nicht, wie er sie realisieren sollte. Er wollte ein Armband erfinden, mit dem man per Bluetooth sein Smartphone bedienen kann. Doch wie? Als die Firma Apple eine Uhr zum Patent anmeldete, mit der man auch telefonieren kann, sah sich Lehmann bestätigt. Die Idee schien gut zu sein, jetzt musste er nur noch jemanden finden, der ihm bei der Umsetzung helfen würde. Lehmann ist von Beruf Designer, von Technik hat er nicht so viel Ahnung. Die Lösung fand sich im April 2013 beim Start-up-Weekend in München.

Lehmann nahm an dem von der Hochschule München organisierten Wochenende für Erfinder teil und lernte dort drei Maschinenbauer kennen, mit denen er in 48 Stunden die Idee mit dem Armband weiterentwickelte. Am Ende des Workshops hatten die jungen Tüftler einen Prototypen entwickelt, der nicht nur per Bluetooth über ein iPhone telefonieren, sondern mit dem man auch noch einen Computer steuern kann. Das "Smart Wrist" war erfunden, wie das Technikarmband nun heißt.

"Genau das ist das Ziel der Webwoche", sagt Stefan Schicker, einer der beiden Gründer der Plattform Isarnetz und Initiator der Münchner Webwoche, die vom 3. bis 9. Juni stattfindet. "Wir wollen Leute zusammenbringen, die sich gegenseitig bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen helfen." Isarnetz will eine Vernetzungsplattform der digitalen Wirtschaft sein.

Etwa 50 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, bis zu 10 000 Besucher werden erwartet. Die Events werden dezentral organisiert, also von den teilnehmenden Firmen, Agenturen oder auch von der Industrie- und Handelskammer oder dem Entrepreneurship-Center der LMU.

Neben den fachlichen Vernetzungen ist es aber auch wichtig für die Erfinder, Geldgeber für ihre Ideen zu finden. Dafür gibt es am Freitagabend die "Creative meets Innovative"-Nacht in der Nachtkantine. Dort können die jungen Kreativen ihre Erfindungen vorstellen. Sie halten kurze Vorträge vor Unternehmern und Investoren - und wenn sie Glück haben, gehen sie nicht nur mit einem Bündel Visitenkarten nach Hause, sondern mit der Zusage eines neuen Geschäftspartners.

Neue Ideen aus München

Ist die Rede von Gründerszene und digitalen Start-ups, denken die meisten sofort an Berlin und nicht an München. Zu Unrecht, findet Armbanderfinder Lehmann. Es gibt viele junge Tüftler und Nerds in München, die zum Teil richtig gute Ideen haben. "Und auch Veranstaltungen wie die Webwoche tragen dazu bei, dass wirklich was vorwärts geht", sagt er. "Dass sich in München in der Tech-Szene was tut, haben auch Unternehmen wie die Allianz, BMW, Siemens oder Telefónica gemerkt", sagt Isarnetz-Initiator Schicker. Sie wollen von den Geschäftsideen der Gründer profitieren und fördern sie deshalb.

Aus diesem Grund ist auch das Telekommunikationsunternehmen Telefónica einer der Hauptsponsoren der Münchner Webwoche. Das spanische Unternehmen hat mit der Wayra Academy sogar eine eigene Institution geschaffen, die ausgewählte Start-ups ein halbes Jahr unterstützt. Im Branchen-Slang nennt man Einrichtungen wie Wayra "Accelerator", also "Beschleuniger", weil sie die jungen Kreativen mit Know-How und finanzieller Unterstützung in die Geschäftswelt katapultieren.

Das Büro von Wayra ist mitten in der Münchner Fußgängerzone, Kaufinger Straße 15. In dem ultramodernen Büro mit Blick auf die Frauentürme haben derzeit zehn Start-ups ihre Arbeitsplätze. Sechs Monate lang können sie kostenlos hier arbeiten und werden von Telefónica-Experten unterstützt. Als Gegenleistung besitzt die Telekommunikationsfirma zehn Prozent an den jungen Firmen.

Um gute Ideen zu prämieren, gibt es bei der Webwoche auch eine Preisverleihung. Am Mittwochabend wird im Münchner Rathaus sowohl ein Award für Start-ups als auch einer für Internet-Blogs verliehen. Erich Lehmann ist mit seinem Armband Smart Wrist ebenfalls auf der Liste der Nominierten. Doch auch wenn er nicht zu den Gewinnern zählen sollte, dürfte ihn das nicht mehr aufhalten. Dass seine Erfindung in Produktion geht und vermarktet wird, daran hat er mittlerweile keine Zweifel mehr. Jetzt kommt es nur noch darauf an, welcher Investor den Zuschlag erhält.

Weitere Informationen zur Webwoche unter http://isarnetz.com.