Ihr Schwiegervater, sagt Eichinger, sei bei der SA gewesen. Und es gibt einiges, das sie ihn gerne gefragt hätte, nur die Gelegenheit dazu hat sie nie bekommen. 1944 ist der Schwiegervater gefallen, selbst Eichingers Mann kannte den Vater kaum. Seine Mutter erzählte gern von Koffern voll mit Rindfleisch, Wein oder Bürsten, die er zum Heimaturlaub mitbrachte. Nur vom Krieg erzählt hat er selbst ihr nicht. Dabei war er von Anfang an dabeigewesen.

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Seine Fotos zeigen den Einmarsch in Österreich: das Ehepaar, bei dem der SA-Mann in Linz einquartiert war, das umkränzte "Elterngrab des Führers" in Leonding, jubelnde Menschen, die Hand zum Hitlergruß erhoben. "Aus welcher Perspektive hat er das aufgenommen?", will Marlis Eichinger wissen. Aus der Perspektive des marschierenden Soldaten, antwortet Pohlmann. Aus der Perspektive eines Mannes, der mitten im Geschehen war.

Wie weit der Schwiegervater verstrickt war, versucht die Schwiegertochter zu ergründen. Die Fachliteratur hat sie gewälzt. Und doch sind Fragen offen geblieben. Wo überall war er im Einsatz? Was hat er getan? Es gibt Lücken, die sie irritieren, Bilder, die herausgenommen wurden. Vieles lässt sich allein anhand der Fotos nicht klären, aber auf manche Details kann Pohlmann Eichinger aufmerksam machen: Die Männer ohne Gewehr? Französische Kriegsgefangene. Die Juden, die die Hand zum Gruß heben? Tun es, weil es so Vorschrift war, wenn sie einem Uniformierten begegneten.

Entlarvender als die Bilder sind meist die Bildunterschriften. Da werden Juden als "das auserwählte Volk" und Farbige hinter Stacheldraht - Kriegsgefangene der französischen Armee - als "Verteidiger der Grand Nation" verspottet. Auf einem Foto in Eichingers Album lehnt der Leichnam eines verbrannten Soldaten an der Wand, den Helm noch auf dem Kopf. "Da saß ein Volltreffer", hat ihr Schwiegervater dazu notiert.

Etwas mulmig zumute

Zweimal bereits hat das Stadtmuseum eingeladen, Alben mitzubringen. Anfangs war Pohlmann etwas mulmig zumute: Würde überhaupt jemand kommen? Und wie werden die Menschen reagieren? Dann standen sie Schlange, beim ersten Mal. Manche kamen allein, andere mit der ganzen Familie. Einer wollte wissen, wie viel seine Fotos bei Ebay einbringen würden. Ein anderer brach in Tränen aus beim Anblick der Bilder.

Manche haben einfach das Bedürfnis zu reden. Und manche überlassen ihre Alben gleich dem Museum, weil die Kinder damit eh nichts anfangen können. Heidi Knetsch tut das; sie will die Alben "zu treuen Händen" übergeben. Bei der Marine war ihr Vater, sein Schiff sank im Schwarzen Meer, er aber überlebte, weil eine rumänische Apotheker-Familie den mit schweren Verbrennungen Gestrandeten in Fett und Filz wickelte. Solche Alben, die dem Museum überlassen werden, will Pohlmann archivieren und später auswerten.

Marlis Eichinger packt ihre Alben wieder ein. Zuhause wird sie sie in den Schrank räumen neben die anderen Alben. Die mit den lachenden Kindergesichtern und den Ausflügen in die Berge.

Termine für die "Fotoalben unter der Lupe": 16. Dezember, 13. und 27. Januar, 10. und 24. Februar, jeweils 15- 17 Uhr in der Ausstellung im Stadtmuseum.

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  1. Bilder vom Krieg
  2. Sie lesen jetzt Bedürfnis zu reden
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(SZ vom 12.12.2009/sonn)