Münchner SPD Ude wird Wahlkampfmanager

Der Routinier und sein "junger Hoffnungsträger": Christian Ude (links) will Florian Post helfen, den Wahlkreis München Nord für die SPD zu gewinnen.

(Foto: Robert Haas)
  • Der Münchner Norden ist traditionell einer der umkämpftesten Wahlkreise in Bayern, hier holte die SPD bei Bundestagswahlen wiederholt das Direktmandat.
  • In diesem Wahlkreis wohnt auch Münchens Ex-Bürgermeister Christian Ude, er will nun die Kampagne von SPD-Mann Florian Post managen.
  • Sie rechnen sich gute Chancen aus, weil in der Münchner CSU gleich mehrere bekannte Politiker aufhören - und weil die SPD auch in Bayern vom "Schulz-Hype" profitiert.
Von Heiner Effern

Es dürfte einer der bedeutsamsten Keller Münchens sein, in dem am Samstagabend wieder einmal geplant und diskutiert wurde. Mit Sicherheit ist es der politischste. Wahlkämpfe wurden hier ausgetüftelt, für den Landtag und natürlich für das Amt des Oberbürgermeisters. Der Gastgeber weiß also, wie man als SPD-Mann gewinnen kann, auch aus persönlicher Erfahrung. Und Christian Ude verspürt gerade große Lust, das seinen Gegnern von der CSU bei der Bundestagswahl im September wieder einmal zu zeigen. Auch aus ganz eigennützigen Motiven: "Ich habe das Bedürfnis, in Zukunft in einem roten Wahlkreis zu leben", sagt Ude. Dafür sorgen soll im Münchner Norden der Abgeordnete Florian Post, dessen Wahlkampf der Alt-OB künftig managt.

Das macht Ude nicht nur mit ungebrochener Freude am Wahlkämpfen, sondern auch mit Zuversicht. "Die Konstellation ist günstig. Hier könnten und sollten wir es schaffen." Die Strategen in Udes Schwabinger Keller machen das an mehren Faktoren fest, wie der OB erklärt. Der Münchner Norden ist traditionell einer der umkämpftesten Wahlkreise in Bayern, hier holte die SPD bei Bundestagswahlen wiederholt das Direktmandat.

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Bei der CSU hört zudem Johannes Singhammer auf, immerhin Bundestags-Vizepräsident. Die SPD tritt mit einem amtierenden Abgeordneten an und hofft auf einen Startvorteil, da sogar die CSU im Norden ihren neuen Kandidaten Bernhard Loos "kaum kennt", sagt Ude. Doch er weiß natürlich genau, dass bei Bundestagswahlen die Kandidaten meist nur ein paar Prozent bewegen können. Den Rest besorgt die politische Lage in Berlin.

Doch auch daraus ziehen Post und Ude ihre Zuversicht. Kanzlerkandidat und Parteichef Martin Schulz sorgt für den Rückenwind, den die SPD schon so lange nicht mehr hatte. Doch Ude warnt seine Partei und seinen Kandidaten sofort auch davor, zu sehr in Euphorie zu verfallen. "Wir dürfen die Stimmung in der Partei nicht mit der in der Bevölkerung verwechseln. Eine gmahde Wiesn ist das noch nicht." Doch eines gelte schon: Der Zustand einer Partei sei ein entscheidender Faktor fürs Ergebnis, sagt Ude. "Und die SPD ist ohne Übertreibung gerade in bester Verfassung."

Den 35-jährigen Florian Post bezeichnet der 69-jährige Ude aufgrund seiner Präsenz im Wahlkreis, seiner Arbeit in Berlin und seines politischen Talents als "jungen Hoffnungsträger" der SPD . Und der hat seine Lektion gelernt. Kämpferisch und optimistisch gab er sich am Samstag am Rande des Parteitags der Münchner SPD zur Bundestagswahl, doch die "noch nicht gmahde Wiesn" seines Wahlkampf-Managers hat er auch im Repertoire.

Ein Glücksfall sei es, sagt Post aber auch, von der Routine und der Energie seines Mentors profitieren zu können. "Er setzt sich ein, als ob es sein eigener Wahlkampf wäre." Ude werde den ganzen Sommer über präsent sein, es wird viele gemeinsame Auftritte geben. In Sälen und auf der Straße, wo Ude mit neuen, noch geheimen Formaten für "viel spannendere Wahlkämpfe" sorgen will. "Es wird ein knappes Rennen", sagt Post. Das er mit Ude für die SPD entscheiden will.

Wie überhaupt die SPD großes Selbstvertrauen ausstrahlt. Den Norden gewinnen und in den anderen drei Kreisen die CSU-Kandidaten zumindest zum Schwitzen bringen, so formuliert die Münchner Vorsitzende und Kandidatin im Osten, Claudia Tausend, am Rande des Parteitags die Ziele für die Bundestagswahl.

Der neue Mut der Sozialdemokraten speist sich auch daraus, dass bei der CSU neben Singhammer die Routiniers Peter Gauweiler und Hans-Peter Uhl nicht mehr antreten. Und für den großen Rest sorgt der Mann, der nicht nur zur Freude der SPD-Stadtchefin "abgeht wie eine Rakete". Sie als Kandidatin im Osten, ihre Kollegen Sebastian Roloff im Süden und Bernhard Goodwin im Westen und natürlich Post, dazu der ganze Stadtverband, sie wollen alle mitfliegen, den Boden der traurigen Wahlergebnisse verlassen und mit Martin Schulz abheben.

Der Parteitag, auf dem die Münchner SPD ihre Vorstellungen fürs Wahlprogramm verabschiedete, begann konsequenterweise mit dem neuen Bundesvorsitzenden. Nicht mit ihm persönlich, ein Film wurde auf einer großen Leinwand im Ludwig-Koch-Saal des Gewerkschaftshauses abgespielt. Die messianische, weniger inhaltliche Botschaft, untermalt mit Bildern und begeisterten Kommentaren, hat nur drei Worte: "Jetzt ist Schulz". Dem schicken die Münchner nun ihre Vorschläge fürs Wahlprogramm.

Sie fordern ein größeres Engagement beim Wohnungsbau, ausreichende Renten, eine Bürgerversicherung, mehr Gerechtigkeit bei den Steuern und sonst auch überall. Die eigentliche Botschaft formuliert aber der Münchner Partei-Vize Roland Fischer: Auch die SPD im Süden spiele bei der Bundestagswahl nicht mehr auf Platz, sagte er, "sondern auf Sieg".

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