S-Bahn München "Das ist keine Standardausschreibung"

Die Idee, mit mehr Wettbewerb ein Mehr für die Fahrgäste herausholen zu können, ging so nicht auf. Jetzt wird überlegt, ob der städtische Nahverkehrsbetreiber in Hamburg neue Triebzüge beschafft, die dann gegen eine Leasing-Gebühr einem Betreiber zur Verfügung gestellt werden könnten - das würde zumindest den nötigen Kapitalaufwand für potenzielle Anbieter mindern.

Das Land Berlin, wo ebenfalls 2017 eine Neuvergabe ansteht, rang sich nach langen und heftigen Diskussionen zu einem anderen Plan durch, damit auch kleinere Konkurrenten zum Zug kommen können. Dort teilte das Land das Netz in Teilbereiche auf und bietet diese nun den Betreibern an. Allerdings hat die Bahn dieses Verfahren vor Gericht angefochten. Der Ausgang ist offen.

Die Verantwortlichen der BEG verfolgen interessiert den weiteren Verlauf - schließlich favorisieren auch sie die Ausschreibung von Teilstrecken für das Münchner Netz. Derzeit sei ein Gutachten in Arbeit, um die "technischen Voraussetzungen" zu analysieren, sagt BEG-Chef Fritz Czeschka. Spruchreif ist aber noch nichts, dazu ist das Netz seiner Ansicht nach zu komplex. "Das ist keine Standardausschreibung", sagt Czeschka. Das Ganze werde "sich noch eine Weile hinziehen". Der CSU-Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter zeigt Verständnis für die Verzögerungen: Bei der S-Bahn-Frage gelte "Gründlichkeit vor Schnelligkeit".

Zumal die BEG-Planer gar nicht wissen, was sie denn nun genau ausschreiben sollen. Denn ein künftiges Betriebskonzept sähe nach dem Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke ganz anders aus als ohne den geplanten zweiten Innenstadttunnel. So könnte das Land zum Beispiel die geplanten Express- und Überlandzüge, die künftig durch die zweite Röhre fahren sollen, an einen anderen Betreiber vergeben als das bereits bestehende S-Bahn-Netz. Derzeit allerdings ist offen, ob der zweite Tunnel überhaupt gebaut wird.

Hinzu kommt: Auch der Vertrag für die Nürnberger S-Bahn läuft 2017 aus. Auch dort plant der Freistaat eine Ausschreibung, und auch dort ist der Betrieb ähnlich komplex. Angesichts der Fülle an Aufgaben sei die BEG "derzeit ein bisschen überlastet", sagt der SPD-Verkehrspolitiker Thomas Beyer. Von Teilausschreibungen der Münchner S-Bahn hält er nichts, "dazu ist das System zu fragil".

Mit einer raschen Entscheidung rechnet er ohnehin nicht: Im Herbst 2013 ist Landtagswahl. Und vorher, vermutet Beyer, werde der FDP-Verkehrsminister "wohl kaum neue Unruhe unter den Fahrgästen schüren wollen".