Münchner OB Ude über NSU-Prozess "Fassungslos über den Dilettantismus"

Das Akkreditierungsverfahren für den Münchner NSU-Prozess wird scharf kritisiert. Für Grünen-Chefin Claudia Roth ist bereits der Vorlauf "ein schlechtes Signal". Münchens Oberbürgermeister ist "fassungslos über den Dilettantismus".

Das Akkreditierungsverfahren für den Münchner NSU-Prozess, bei dem türkische Medien keine garantierten Plätze bekommen haben, wird scharf kritisiert. Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, sprach von einer "sehr unglücklichen Entscheidung", die dem Vertrauen der deutschen Muslime in die Aufarbeitung der Mordserie schade. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel warnte vor neuem Misstrauen. Das Oberlandesgericht (OLG) solle seine Entscheidung überdenken. Laut OLG waren die Akkreditierungen der Journalisten nach der zeitlichen Reihenfolge des Eingangs vergeben worden.

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der SZ, der bayerischen Justiz fehle "offenbar jegliches Fingerspitzengefühl". Es sei "ein schlechtes Signal, wenn dieser wichtige Prozess schon zu Beginn für solche Irritationen sorgt". Gerade dieses Verfahren brauche größtmögliche Transparenz und Offenheit".

Auch der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude reagierte empört. "Ich unterstelle keinen bösen Willen. Aber ich bin fassungslos über den Dilettantismus", sagte er der Welt. Man wisse, dass die gesamte Türkei bestürzt sei, dass hier mehrere Menschen türkischer Herkunft ermordet werden konnten. In dieser Situation den führenden türkischen Zeitungen keine festen Plätze zu geben, ist laut Ude "eine dilettantische Medienarbeit, die schweren Schaden stiftet." Denn man ringe permanent mit der türkischen Regierung um die Pressefreiheit, so Ude. Die Justizministerin müsse jetzt zu verstehen geben, dass "für jeden seriösen internationalen Journalisten ein Sitzplatz zur Verfügung stehen muss und sei es mittels einer Übertragung in einen zweiten Gerichtssaal".