Münchner Klubs verwehren Ausländern Eintritt "Es ist eine totale Demütigung"

Geschlossene Gesellschaft? Nur für Stammgäste? Hamado Dipama vom Ausländerbeirat wirft Münchner Klubs vor, dass sie ihre Gäste nach ethnischen Gesichtspunkten auswählen. Er hat 25 Läden getestet und will nun zehn Betreiber verklagen. Im Interview erklärt er, was er sich davon verspricht und warum es nicht reicht, immer nur Gespräche zu führen.

Von Thierry Backes

Geschlossene Gesellschaft, nur für Stammgäste - Türsteher haben immer einen guten Grund, um jemanden abzuweisen. Oft seien das aber nur Ausreden, sagt Hamado Dipama, etwa, weil sie keine Schwarzen in ihrem Klub haben wollten. Dipama, 38, stammt aus Burkina Faso und ist Mitglied des Ausländerbeirats in München. Mitte April hat er in dessen Auftrag 25 Münchner Bars und Diskotheken getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd: In vier von fünf Fällen wurde Menschen afrikanischer oder türkischer Herkunft der Eintritt verwehrt. Dipama hat nun angekündigt, zehn Klubbetreiber verklagen zu wollen. Die SZ sprach mit ihm über seine Erfahrungen mit Alltagsrassismus und die Frage, was er sich von seiner Klage erhofft.

SZ: Herr Dipama, gehen Sie noch gerne aus in München?

Hamado Dipama: Sehr, sehr gerne sogar. Im Holy Home am Gärtnerplatz fühle ich mich richtig wohl oder im X-Cess an der Sonnenstraße. Ich kenne den Wirt dort, den Isi Yilmaz. Bei ihm habe ich mich 2010 mal beschwert, weil er ein Weißbier-Cola unter dem Namen "Neger" angeboten hat. Es hat dann aber keine Woche gedauert, bis der von der Karte verschwunden war.

Bei ihrem Experiment haben Sie viele negative Erfahrungen gemacht. Was ist das für ein Gefühl, an der Tür eines Klubs zu scheitern, während ihre weißen Freunde sie ohne Probleme passieren?

Ich war entsetzt, als ich gesehen habe, dass die Türsteher bei unseren weißen Testpersonen nicht mehr über eine geschlossene Gesellschaft geredet haben. Man steht dann da und fragt sich: Was habe ich Falsches getan? Man fühlt sich herabgesetzt, öffentlich bloßgestellt, in seiner Persönlichkeit verletzt. Es ist eine totale Demütigung, die ich nur schwer ertragen kann.

Einmal hat Ihnen auch ein schwarzer Türsteher den Eintritt verwehrt . . .

Ja, das hat mich schockiert. Er hat gesagt, der Klub sei nur für Stammgäste geöffnet, dann aber jeden außer uns reingelassen. Ich habe ihn darauf angesprochen. Er wirkte sofort betroffen und meinte, er habe uns den wahren Grund nicht sagen können.

Weil der Grund offenbar ihre Hautfarbe war. Sie wollen nun zehn Klubbetreiber verklagen. Was erhoffen Sie sich davon?

Ich wünsche mir, dass die Klubs anerkennen, dass es diese Form von Rassismus gibt und Maßnahmen ergreifen. Tun sie das, ist die Sache für mich abgehakt.

Wäre es nicht einfacher, mit den Betroffenen zu sprechen?

Wenn wir eine Lösung finden wollen, reicht es nicht, immer nur Gespräche zu führen. Dazu ein Beispiel: Kürzlich berichtete eine Zeitung über den Fall eines schwarzen Mannes, der nicht in einen Klub gekommen ist. Der Betreiber entschuldigte sich und wollte alles besser machen. Bei unserem Test aber findet sich genau der Klub wieder auf der Negativliste. Der Punkt ist: So etwas passiert immer wieder. Es ist schon so in den Köpfen verankert, dass ich immer wieder von anderen Ausländern höre: "So ist das eben in Deutschland." Wir müssen harte Schritte unternehmen, um gegen diese Form von Alltagsrassismus zu kämpfen.

Sie haben sich aber auch mit Alexander Wolfrum vom Verband der Münchner Kulturveranstalter getroffen.

Das Gespräch war nicht einfach. Herr Wolfrum sieht sich als Opfer und sagt, man könne nicht behaupten, die Betreiber suchten ihre Gäste nach ethnischen Vorgaben aus. Das Gute aber ist, dass wir in Kontakt bleiben wollen. Auch er ist daran interessiert ist, eine Strategie zu entwickeln, damit sich ausländische Menschen an der Klubtür nicht mehr diskriminiert fühlen.