Plötzlich soll alles ganz schnell gehen: Die Bahn verabschiedet sich vom spektakulären Entwurf für den neuen Hauptbahnhof und stellt am Mittwoch im Stadtrat ein wirtschaftlicheres Modell vor.
Im jahrelangen Hickhack um Abbruch und Neubau des Hauptbahnhofs zeichnet sich eine Lösung ab - wenn wohl auch keine spektakuläre. Die Deutsche Bahn hat dem futuristischen Glaspalast des Büros Auer + Weber + Assoziierte endgültig eine Absage erteilt, will aber trotzdem Ende 2017 ein nagelneues Empfangsgebäude am Bahnhofplatz stehen haben.
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Der alte Hauptbahnhof soll weg - bis Dezember 2017 wird Münchens Tor zur Schienenwelt durch einen Neubau ersetzt. Dessen Fassadengestaltung ist allerdings noch offen, die Simulation (unten) zeigt einen vorläufigen Entwurf der Bahn. (© Rumpf/Simulation DB)
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Vorteil des aktuellen Entwurfs, offizielle Bezeichnung "funktionaler Neubau": Die Bahn hält ihn für wirtschaftlich und damit finanzierbar. Und: Die Bauarbeiten, die alles in allem wohl bis 2021 dauern werden, können schrittweise ablaufen, so dass bei eventuellen Olympischen Winterspielen 2018 keine Baugrube in zentraler Innenstadtlage klafft.
Die Pläne, die hochrangige Bahn-Vertreter am kommenden Mittwoch in der Vollversammlung des Stadtrats vorstellen wollen, sehen einen siebenstöckigen Neubau anstelle des verwaschen-grünen Fünfziger-Jahre-Klotzes vor - wobei an der zentralen Glasfront weiterhin die alte Bahnhofsuhr und das Glasmosaik des Künstlers Rupprecht Geiger prangen sollen. Wie die Fassade im Detail aussieht, muss erst noch per Gestaltungswettbewerb ermittelt werden. Die beiden Altbauten an der Bayer- und Arnulfstraße (Intercity-Hotel und Sparda-Bank) bleiben erhalten, das Hotel soll sogar noch erweitert werden.
Bis 2017 sollen zumindest das neue Hauptgebäude und die Schalterhalle in einem vorzeigbaren Zustand sein - bei den weiter östlich gelegenen, ebenfalls siebengeschossigen Teilen des neuen Bahnhofs handelt es sich schon um nacholympische Planungen. Eigentlich wollte die Bahn auch den Starnberger Flügelbahnhof abbrechen. Der aber wurde inzwischen unter Denkmalschutz gestellt.
Endgültig vom Tisch ist für die Bahn der Erhalt des alten Bahnhofs, der zwischenzeitlich ebenfalls in der Diskussion war. Der Nachkriegsbau ist nach Einschätzung der Bahn marode und von veraltetem Zuschnitt - also aus wirtschaftlicher Sicht nicht erhaltenswert. Zudem müssen für den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels (auf dessen Zeitplan der jetzige Entwurf abgestimmt ist) ohnehin große Teile des Bestands abgebrochen werden.
Für die städtischen Planer ist der Neubau des Hauptbahnhofs ein leidiges Thema: Die Bahn hat in den vergangenen Jahren immer wieder ihre Haltung zu dem Projekt geändert - mal war es unbedingt wünschenswert, dann wieder unbezahlbar. Oberbürgermeister Christian Ude geht allerdings davon aus, dass es diesmal klappt mit den Neubauplänen. Der Rathaus-Chef bedauert zwar das Aus für die spektakulären Entwürfe von Auer + Weber + Assoziierte. Dennoch sei es begrüßenswert, dass nun etwas vorangeht - und auch noch mit einem ambitionierten und auf Olympia abgestimmten Zeitplan.
Noch allerdings sei der Entwurf "außen hui und innen pfui". Denn die Bahn habe bei der "inneren Erschließung" gespart, also den unterirdischen Wegeverbindungen zwischen den U- und S-Bahnhöfen. "Das ist nicht zukunftsgerecht", findet Ude, der in den kommenden Jahren auf zusätzliche Fahrgäste hofft - die Station müsse gleich auf einen größeren Andrang zugeschnitten sein. Stadtbaurätin Elisabeth Merk findet zudem, dass auch der Hauptzugang des Bahnhofs zu schmal dimensioniert ist. An dieser Stelle müsse die Bahn noch nachbessern. André Zeug, der Chef der Bahntochter "Station&Service", hat eine Prüfung der städtischen Einwände zugesichert.
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(SZ vom 14.05.2011/sonn)
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Der Münchner Hauptbahnhof ist seit Ende des 2. Weltkriegs ein Provisorium, ein Sammelsurium an halbherzigen Beschlüssen und ein Mix an Baustilen, der in dieser Form und Größe in Deutschland seinesgleichen sucht und eine ausgesprochen schlechte Visitenkarte für jene Besucher ist, die in München zum ersten Mal aus dem Zug steigen.
Während sich der Rest der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten zu einer repräsentativen Metropole entwickelt hat, war der Münchner Hauptbahnhof stets architektonisches und verkehrsplanerisches Stiefkind. Nicht nur der Bahnhof selbst war seit den Fünfziger Jahren von dieser Negligenz betroffen, sondern auch der Rest der umgebenden Bebauung. Erst langsam begann man Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre mit einer teilweisen Umgestaltung des Bahnhofs sowie dem Umbau des angrenzenden alten Hauptpostamts zum Luxushotel und mit der Renovierung und Umgestaltung anderer anliegenden Gebäude. So konnte man den schmuddeligen Bahnhofsbereich zumindest baulich etwas aufzuwerten. Diese Entwicklung dauert an, doch bleibt das Bahnhofsgebäude davon weitgehend unberührt. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis der Betreiber endlich einmal die große Bahnhofsuhr reparieren ließ (angeblich fand man lange keine Firma, die dies konnte). Heute geht die Uhr zwar wieder, man kann sie jedoch nur am Tag ablesen, da mittlerweile die Beleuchtung wieder defekt ist. Auch konnte man sich jetzt endlich dazu entschließen, den ausgesprochen hässlichen Gebäuderiegel, der die Bahnhofshalle zur südlichen Seite hin abschließt, zu modernisieren. Doch ist dies alles Stückwerk und Flickschusterei. Es muss endlich eine repräsentative Gesamtlösung her, damit sich künftig nicht nur Mäuse, Ratten und Tauben im maroden Münchner Hauptbahnhofsgebäude wohlfühlen, sondern auch die Reisenden und Besucher.
Als vor einigen Jahren ein halbwegs realistisches Konzept auf dem Tisch lag, musste es unbedingt verhindert werden, weil es ja noch von Stoiber erarbeitet wurde. Schon damals hat das StMWIVT gewarnt, wenn ein Baustein fällt, gibt es einen Dominoeffekt. Als Ergebnis gibt es nun keine Flughafenanbindung, einen Hauptbahnhof, bei dem weiterhin nur das Allernotwendigste gemacht wird (was bei der Deutschen Bahn schon grundlegende Dinge, wie z.B. die Beseitigung von Urin und sonstiger Exkremente in Bahnhofsgebäuden ausschließt), keine zweite Stammstrecke, womit sich auch alle Pläne für einen Ausbau der Außenäste erledigt haben. Somit müssen sich auch weiterhin mehr als 700.000 Fahrgäste täglich mit einem System rumquälen, das für 240.000 geplant war. Ein großartiger parteiübergreifender Erfolg der Münchner Kommunalpolitik.