Von W. Görl und M. Maier-Albang

Es drohen Wasser, Feuer, Säurefraß: Aber selbst im schlimmsten Fall wären die wichtigsten Dokumente in Münchens Archiven wenigstens digital gespeichert.

In Köln sind beim Einsturz des Stadtarchivs unersetzbare Kulturgüter zerstört worden. Von einer "Katastrophe für die europäische Geschichtswissenschaft" spricht der Frankfurter Historiker Johannes Fried. Und der Kulturstaatssekretär des Landes Nordrhein-Westfalen, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, hält den Schaden gar für "unermesslich". Die SZ wollte aus diesem Anlass wissen: Wie versuchen Münchner Archive, ihre Schätze zu sichern? Und was kann den Archivalien überhaupt alles gefährlich werden?

Rauchabzüge eingebaut sowie Stahltüren, die sich bei Ausbruch eines Feuers von selbst schließen: Die Bayerische Staatsbibliothek. (© Foto: dpa)

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Deutsches Museum

Manchmal hat es Vorteile, wenn man auf einer Insel wohnt: "Bei uns bauen sie sicher keine U-Bahn unten durch wie in Köln", sagt Bernhard Weidemann, Sprecher des Deutschen Museums. Das Deutsche Museum hat, was sogar viele Münchner nicht wissen, neben den Ausstellungsräumen auch ein großes Archiv und eine Bibliothek. Im Archiv lagern viereinhalb Regalkilometer Papier und Bildmaterial: Filme, Videos, Tonbänder - und eine Million Fotos, darunter die ersten, die in Deutschland entstanden sind. Sie zeigen den Stachus und die Türme der Frauenkirche um das Jahr 1839. Das Archiv birgt außerdem den Nachlass des Computer-Erfinders Konrad Zuse ebenso wie wertvolle Pläne und technische Orgininalzeichnungen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, etwa eine Zeichnung des "Normal-Segelapparates" von Otto Lilienthal aus dem Jahr 1894 oder das Laborbuch von Otto Hahn, dem Mitentdecker der Kernspaltung.

Das Gebäude, in dem das Archiv untergebracht ist, wurde nach den Plänen von Oskar von Miller erbaut und 1932 fertiggestellt. Damit die Insel das Museum trägt, ließ Miller eine Vielzahl von Betonpfeilern in den Kiesboden rammen. Und die Stahlbetonwände sind so massiv, dass die Mitarbeiter häufig keinen Handyempfang haben. Erdbeben fürchtet man hier also nicht. Problematischer wäre ein starkes Hochwasser - allerdings nur für Exponate, die im Keller liegen. Die Archivbestände sind nicht gefährdet, da sie in den oberen Stockwerken des Bibliotheksbaus untergebracht sind.

Allein die Gefahr eines Feuers lasse sich - allen Brandmeldern zum Trotz - nie ganz bannen, sagt Weidemann. Um mögliche Schäden durch Löschwasser so gering wie möglich zu halten, hat das Deutsche Museum eine Absprache mit der Großmarkthalle getroffen: Durchnässte Kartons mit Archivalien würden sofort in ein Kühlhaus wandern und eingefroren werden, um Schimmelbildung zu verhindern. Die Restauratoren könnten die wertvollen Originale so Stück für Stück auftauen und versuchen zu retten, was zu retten ist.

Bayerische Staatsbibliothek

In dem Prachtbau in der Ludwigsstraße, errichtet zwischen 1832 und 1843 von Friedrich von Gärtner, lagern circa 9,4 Millionen Bände. Zu den wertvollsten Schätzen zählen der Codex aureus von St. Emmeran aus dem Jahr 870, ein Evangeliar OttosIII. (um 1000), ein Evangeliar aus dem Bamberger Dom vom Anfang des 11. Jahrhunderts sowie ein Exemplar der Gutenberg-Bibel.

Diese und andere Preziosen lagern in einem Handschriftenmagazin im Keller, einem Raum, der früher der Bunker der Bibliothek war. Nach Auskunft von Pressesprecher Peter Schnitzlein hat man bei der Generalsanierung von 1994 bis 2004 den Brandschutz modernisiert. Dabei wurden Rauchabzüge eingebaut sowie Stahltüren, die sich bei Ausbruch eines Feuers von selbst schließen.

Eine Bedrohung ganz anderer Art ist der sogenannte Säurefraß. Betroffen sind davon Bücher, die von den 1840er Jahren an hergestellt worden sind. In dieser Zeit begann man, Holz als Rohstoff für die Papierherstellung zu nutzen. Diese Papiere enthalten Säure, die unter dem Einfluss von Licht und Wärme zersetzend wirkt.

Davon bedroht sind circa 3,8 Millionen Bände der Staatsbibliothek. Wenn es sich nicht um besonders wertvolle Einzelstücke handelt, werden die Bücher maschinell entsäuert. Unikate werden von Fachleuten einzeln behandelt und gegebenenfalls restauriert. Darüber hinaus ist ein Teil der Bestände auf Film verewigt. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, die Bücher zu digitalisieren. Bei rund 35000 Titeln ist das bereits geschehen, bis 2013 strebt die Staatsbibliothek die Digitalisierung von einer Million Bänden an.

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