Internationales Restaurant in der Altstadt "Vice" Wie Ibiza der neunziger Jahre

Eigentlich will das Vice in der Münchner Fußgängerzone alles sein: Restaurant, Bar und Club. Doch ein Lokal zum Feiern sieht anders aus.

Von Marta Cena

Eine Nightlife-Location mitten in der Münchner Fußgängerzone - wer das hört, wundert sich zunächst einmal. Ist das ein geeignetes Viertel für das Nachtleben? Was mag das wohl für ein Laden sein? Seit geraumer Zeit gibt es das Vice am hinteren Ende der Einkaufspassage Kaufinger Tor nun schon. Höchste Zeit, dem Lokal mal einen Besuch abzustatten.

Entertainer Giuseppe Giacalone versucht, den Anwesenden einzuheizen.

(Foto: Isabel Meixner)

Gepriesen wurde das Vice als kompakte Mischung aus Restaurant, Bar und Club. Das macht neugierig, zumal es etwas Vergleichbares in der Münchner Innenstadt höchstens im Zerwirk gibt, wo unten der Club Crux zu finden ist und darüber das Restaurant Etage Zwo, oder im neuen Heart-Club in der Alten Börse am Maximiliansplatz, der den Nachtschwärmern auch eine späte Küche anbietet. Kommt man rein in das Vice, merkt man gleich, dass die Betreiber viel Geld investiert haben. Von 900 000 Euro ist die Rede. Doch viel Geld bedeutet nicht gleich Geschmack. Jede Menge Glas, teurer Stein, weiße Möbel, protzige Lüster, pinkfarbene Beleuchtung. Alles erinnert uns ein bisschen an das Ibiza der Neunziger Jahre.

Im ersten Stock befinden sich Bar und Restaurant, im Untergeschoss ist der Club. Die Idee der Macher ist, es den Gästen bequem zu machen. Sie sollen die Location beim Feiern nicht ständig wechseln müssen. Dass das in München nicht unbedingt funktioniert, hat man schon im Feinkost Electronica im Lehel gesehen.

Als wir an einem Freitagabend vorbeischauen, ist der Bar- und Restaurantbereich nicht unbedingt üppig besucht. In dem kühlen, schicken Ambiente sind drei Tische besetzt. Außer uns ist nur noch ein Pärchen da, und in einer Lounge-Ecke sitzen ein paar Freundinnen, geschätzte 18 Jahre alt, und schlürfen einen Cocktail.

Zum Trinken ordern wir Sprizz und Lugana Weißwein und sind mit beiden vollauf zufrieden. Bis wir das Essen bestellen können, müssen wir allerdings eine Wartezeit von etwa 20 Minuten in Kauf nehmen. Bis das Essen dann schließlich kommt, dauert es noch einmal 40 Minuten, und das, obwohl in dem Lokal so gut wie nichts los ist.

Wir essen als Vorspeise einen Caesar Salad mit Parmesankäse, danach Spaghetti mit Gambas und Kirschtomaten und ein argentinisches Rindersteak mit Bratkartoffeln. Der Salat ist äußerst knackig und schmeckt uns sehr gut. Auch an den Nudeln ist nichts auszusetzten. Die Sauce ist gut gewürzt, die Gambas frisch. Das Steak kommt wie bestellt medium an den Tisch und ist von hervorragender Qualität. Auch an den Kartoffeln ist nichts auszusetzen. Die Salate liegen bei acht bis zehn Euro, die Hauptgerichte zwischen zwölf und 20 Euro.

Als wir uns nach dem Essen bei der Kellnerin nach einem Dessert erkundigen, gibt es jedoch nur Schulterzucken. Heute gebe es leider keinen Nachtisch. Warum, könne sie uns auch nicht sagen. Sei halt aus. Frustriert bestellen wir die Rechnung, um danach noch einen Abstecher nach unten in den Club zu machen. Bis wir unser Geld endlich loswerden, müssen wir jedoch wieder eine Wartezeit von 20 Minuten hinnehmen.

Im Restaurantbereich sitzen mittlerweile übrigens nur noch wir. Auch im Club unten sieht es nicht viel besser aus. Nur die Mädchengruppe von vorher ist noch da. Um im Vice Club so richtig zu feiern, müsse man wissen, an welchem Tag ein Event oder eine Party ist, sagt man uns. Wo man das rausfinden kann, wollen wir wissen. Auch hier schlägt uns nur Ratlosigkeit entgegen. Selbst die Homepage des Clubs bietet keinen Aufschluss. Schnell verlassen wir die Location, um woanders noch einen Drink zu nehmen.

Unser Fazit: Die Idee einer All-in-one-Location ist zwar prinzipiell nicht schlecht, doch in der Ausführung ist noch einiges verbesserungswürdig. Ein Lokal für ein gelungenes Dinner und eine Nightlife-Locations zum Feiern sehen in jedem Fall anders aus.