Sport treiben und dabei die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennenlernen? Kein Problem mit dem neuen Konzept des "Sightjogging". Eine sportliche Spurensuche im Nymphenburger Schlosspark.
Am Anfang habe er immer ein wenig gebraucht, um das permanente Reden mit seinem Atemrhythmus in Einklang zu bringen, erklärt Christoph Engels, als er vor dem Nymphenburger Schloss losjoggt. Doch als Schauläufer lerne man das schnell. 1662 sei endlich der kleine Kurprinz Max Emanuel von Bayern geboren worden, beginnt Engels und überholt ein paar Touristen, die Schwäne fotografieren. Max Emanuels Eltern hatten lange auf den Thronfolger gewartet, Anlass genug, um aus Dankbarkeit eine neue Sommerresidenz mit einem Garten vor den Toren Münchens zu bauen.
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Die majestätische Atmosphäre im Nymphenburger Park genießen, sich über die Geschichte des Schlosses informieren und ganz nebenbei etwas für die körperliche Fitness tun - ein spannendes Programm für "Sightjogger" (© Robert Haas)
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Christoph Engels ist Kunsthistoriker und arbeitet bei der Agentur Kunst Tour, seit April bieten er und sein Team das so genannte Schau-Laufen an. Diese Kombination aus Joggen und einer Führung zu Münchens Sehenswürdigkeiten kommt ursprünglich aus den USA und heißt dort "sightjogging". Gestresste Manager, die bei ihren Geschäftsreisen in der fremden Stadt nur wenig Zeit haben, buchen sightjogging-Touren, um die Stadt ein wenig kennenzulernen und gleichzeitig Sport zu treiben.
Das Problem an der neuen Sommerresidenz der Wittelsbacher sei allerdings die große Entfernung zur Stadt gewesen, erklärt Engels weiter und wischt sich die erste Schweißperle aus dem Gesicht. Kurfürst Karl Albrecht, aber hatte große Pläne mit der neuen Sommerresidenz, eine richtige kleine Stadt, die Karlstadt, sollte daraus entstehen.
"Da hat der Monarch einen Teil seiner Lieferanten und sein Hofpersonal einfach dazu gezwungen, sich hier um die Residenz anzusiedeln", sagt Engels und deutet mit den Armen in Richtung der Gebäude am Rand des Ehrenhofs. Vorbei am alten Marstall biegt Engels ab in den Schlosspark.
Das Schaulaufen habe sich in München leider noch nicht durchgesetzt. "Die Leute wissen einfach nichts mit dem Namen 'Sightjogging' anzufangen", sagt der Läufer. Große Gruppen sind eher die Seltenheit, manchmal joggt Engels nur mit ein oder zwei Leuten.
Am Kronprinzengarten entlang erzählt Engels von dem großen Gartenplaner Friedrich Ludwig Sckell, der auch den Englischen Garten angelegt hat. Der Nymphenburger Schlosspark war zu Beginn nach dem französischen Vorbild von Versailles angelegt worden. Symmetrie und die Beherrschung der Natur durch den Menschen stand im Vordergrund. Ende des 18. Jahrhunderts veränderte Friedrich Ludwig Sckell den Park zu einem Englischen Landschaftspark.
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