Von S. Wimmer, Ch. Rost und A. Ramelsberger

Er gilt als einer der führenden Nazikader Münchens: Der 22-jährige Philipp Hasselbach gibt sich gerne als Kämpfer gegen Jugendgewalt. Jetzt soll er selber mit der Bierflasche zugeschlagen haben.

Einer der wichtigsten bayerischen Neonazis, der in München lebende Philipp Hasselbach, sitzt nach einer Gewalttat in Untersuchungshaft. Hasselbach wird vorgeworfen, nach einem Streit mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin deren Begleiter eine Bierflasche auf dem Kopf zertrümmert und dann weiter auf dessen Kopf eingeschlagen zu haben. Da Hasselbach wegen zweier anderer Delikte nur auf Bewährung in Freiheit war, erließ ein Richter Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung.

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Rechtsextremer bei einem Aufmarsch: Der Münchner Neonazi Philipp Hasselbach, der immer wieder Demonstrationen in Bayern anmeldet, sitzt wegen gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. (© dpa)

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Damit fällt die bürgerliche Maskerade, mit der Hasselbach auch konservative Kreise für sein rechtsradikales Gedankengut gewinnen wollte. "Höflich, aufgeschlossen, konziliant, aber durch und durch Neonazi" sei der 22-jährige Hasselbach, sagt Franz Gruber, der Vizepräsident des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz. "Ganz anders als die bisherigen Neonazis. Er gibt sich wie ein Schwiegermuttertyp für den rechtsextremistischen Rand." So zeigte sich Hasselbach im Bundestagswahlkampf, wo er im Landkreis München für die NPD kandidierte, als treusorgender Familienvater mit seiner damaligen Lebensgefährtin. Er trat auch bei einer Gedenkveranstaltung für den in Solln getöteten Geschäftsmann Dominik Brunner auf und gab sich als Kämpfer gegen Jugendgewalt, wie das antifaschistische Infoarchiv Aida berichtet. Und er ist seit 2009 Beisitzer der "Bürgerinitiative Ausländerstopp" in München.

Nun muss sich Hasselbach selbst wegen wiederholter Gewalttaten verantworten: Schon im Jahr 2008 war er in Passau am Rande der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse an der Attacke auf einen Fotografen beteiligt.

Der aktuelle Vorfall ereignete sich am 8. Mai auf dem Partygelände hinter dem Ostbahnhof. Hasselbach traf nach Informationen der SZ in der Tempelbar auf seine ehemalige Lebensgefährtin. Es entwickelte sich ein Streit, in dessen Verlauf Hasselbach die Frau als "Abschaum" bezeichnet haben soll, weitere Schimpfwörter seien gefallen. Ein Freund Hasselbachs soll die Frau dann auch noch mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Die Frau rief per Handy zwei Freunde zu Hilfe, die in die Tempelbar kamen. Der Streit eskalierte, Hasselbach, seine etwa 15 Freunde sowie die Frau und ihre Begleiter wurden des Lokals verwiesen. Als sich die ehemalige Freundin und ihre Begleiter den Weg durch die Gruppe in Richtung S-Bahn bahnen wollte, kam es zu einer Schubserei. Hasselbach soll dann eine Bierflasche auf dem Kopf des Kontrahenten zertrümmert haben. Dieser ging zu Boden, blieb in der Hocke kauernd sitzen und hob die Hände schützend vor das Gesicht. Trotzdem soll Hasselbach weiter auf sein Opfer eingeschlagen haben. Der Mann erlitt Platzwunden im Gesicht und am Hinterkopf sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch bestätigte der SZ die Verhaftung Hasselbachs, der Haftbefehl laute auf gefährliche Körperverletzung. Zudem wird Hasselbach Beleidigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vorgeworfen.

Hasselbach ist eine der wichtigsten Figuren der rechtsradikalen Szene Südbayerns. "Hoch motiviert, sehr aktiv", sagt der Verfassungsschutz. Gerade 22 Jahre ist Hasselbach alt, doch er hat bereits eine lange Karriere in der Szene hinter sich, war im Vorstand der Jungen Nationaldemokraten, ist Aktivist der "Freien Nationalisten" München. Überall in Bayern meldet er Demonstrationen an. Und er war Pressesprecher der Münchner "Bürgerinitiative Ausländerstopp". Auf seiner Homepage steht: "Schüler werden auf dem Pausenhof von Mitschülern mit 'Migrationshintergrund' geschlagen, Senioren in der Dunkelheit überfallen. Damit muss Schluss sein - stoppen wir Überfremdung und 'Multikulti', ehe es zu spät ist. Dafür trete ich ein."

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(SZ vom 03.08.2010/hai)